Ein Land schottet sich ab

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Sa, 24. März 2018

Ausland

BZ-Plus US-Präsident Trump hat schon mal Prototypen der Mauer zu Mexiko bauen lassen. Unser Reporter war bei den Menschen an der Grenze /.

Der Weg zur Mauer führt vorbei an himmelblauen Ladenfassaden, an Wechselstuben und Imbissbuden, die würzige Tacos anbieten. Vorbei an den rot blinkenden Reklameschildern von Apotheken und Zahnarztpraxen, deren Kunden aus Kalifornien über die Grenze nach Mexiko fahren, weil Medikamente und Zahnkronen in Tijuana billiger sind als in San Diego. Irgendwann geht es auf einer Schnellstraße quer durch ein Armenviertel, mittendrin die weiße Statue einer nackten Frau, die der Volksmund Mona Blanca nennt, als wäre es eine Verwandte der Mona Lisa. Bis der Asphalt zum staubigen Holperweg wird, bis sich an den Seiten zerbeulte Autowracks häufen und Rancho Escondido erreicht ist. Die versteckte Ranch.
In Wahrheit ist es ein Slum. Zur Rechten schiefe, notdürftig gezimmerte Hütten mit Wellblechdächern, zur Linken ein verrosteter Zaun. Man muss sich auf einen Erdhaufen stellen, um einen Blick über das Hindernis werfen zu können. Und dann sieht man sie endlich, Donald Trumps Mauer. Acht Mauerteile, jedes neun Meter hoch, eines oben mit Metallstacheln versehen, einige ockerbraun wie die kahlen Hügel der Gegend, eines in einem kräftigen Blau angestrichen. Zwei haben im unteren Teil Stäbe, durch die man hindurchschauen kann, alle müssen mindestens 180 Zentimeter tief in die Erde reichen, damit es nicht so leicht ist, sie zu untertunneln. Wie Messe-Exponate stehen sie da. Los prototipos, sagen die Mexikaner. Die Prototypen.
Schon komisch, findet Maria Teresa Fernandez. "Da macht der Mann einen solchen Wirbel um seine Mauer, und dann versteckt er sie, sodass kein Mensch sie zu Gesicht bekommt." Die Suche nach den Prototypen, auf amerikanischer Seite war sie tags zuvor erfolglos verlaufen. "Ganz einfach, vorm Kontrollpunkt links abbiegen, dann die Siempre Viva Road runter, bis Sie rechts ein freies Feld sehen und dahinter die Mauer", hatte ein Taxifahrer erklärt, der am Grenzübergang in Otay Mesa, einer Satellitenstadt am Rande San Diegos, auf Kundschaft wartete.
Nur war hinter dem Acker nichts von den Prototypen zu sehen, der Blick ging auf Flutlichtmasten, Maschendraht und Stacheldrahtrollen. Zum Glück führte die Recherche irgendwann zu Maria Teresa Fernandez, ...

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