Ein Meister der Imitationen

Theresa Ogando

Von Theresa Ogando

Sa, 12. Oktober 2019

Staufen

Reiner Kröhnert begeistert bei der 30. Staufener Kulturwoche mit vielfältigen Rollen.

STAUFEN. "All news today are fake news". Mit erhobenen Armen, geschürzten Lippen und einer USA Kappe tritt Reiner Kröhnert auf die Bühne im Spiegelzelt in Staufen. Und dem Publikum ist sofort klar, wen der begnadete Parodist darstellt – Donald Trump. Dann zieht der Kabarettist die Kappe ab, ändert Mimik und Gestik und plötzlich erkennt man in ihm mit seiner pastoralen Rhetorik den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Herausragend sind die wiederkehrenden Elemente des Programms "GeTWITTERwolken". Erich Honecker und Adolf Hitler in der Unterwelt sowie die Talksendung "Der Intellekt hat viele Gesichter" unter Moderation von Michel Friedmann beeindruckten das Publikum besonders.

Innerhalb von Sekunden wechselt der Kabarettist zwischen Personen. Eine Talkshow mit sechs Personen stellt er ohne Requisiten und ohne Kostüme dar und trotzdem hat man das Gefühl Michel Friedmann, Boris Becker und Daniela Katzenberger diskutieren in Staufen.

Die Menge lachte bei Kröhnerts Erich-Honecker-Impressionen, mit Fistel-Stimme, sächsischem Dialekt und immer wiederkehrendem "antifaschschschistisch", besonders laut. Am Ende präsentierte Kröhnert noch seine Originalstimme: "Noch einfacher ist nur noch die Stimme von Erich Honecker", sagte er. Alle Imitationen gelangen dem Parodisten fantastisch. Besonders die von Dieter Bohlen und Gerhard Schröder ragten heraus sowie die Haltung und der Gesichtsausdruck von Friedrich Merz.

Neben Imitationen gab es natürlich auch fantastisches politisches Kabarett. Kröhnert kritisiert Erdogan, indem er zeigt, dass Hitler ihn als einen Hoffnungsträger sieht. Und entlarvt den Konservatismus Winfried Kretschmanns, indem er ihn in einem "Streitgespräch" mit CSU-Größe Edmund Stoiber über Hotelseifensammlungen plaudern lässt. Parallelen der Regimes von Hitler und Honecker zeigte Kröhnert ebenfalls auf, indem er Hitler die Stasi und Honecker die Nazi-Propaganda loben ließ. Besonders viele Lacher erntete der Parodist, als er als Trump von seinem Besuch in seiner pfälzischen Heimatstadt erzählt. In amerikanischem Dialekt sagte Trump: "They screamed verpiss dich du Schweinehund. I felt that they loved me."

Kröhnert besticht ebenso durch seinen gigantischen Wortschatz wie durch lyrisches Talent, etwa als rezitierender Klaus Kinski oder in der Umdichtung von "Die Partei hat immer Recht" in "Die Türkei hat immer Recht", einem Lied, das er als Angela Merkel singt. Nicht einmal fiel Kröhnert aus der Rolle. Man bemerkte seine langjährige Erfahrung. 1987 präsentierte er bereits sein erstes Soloprogramm.

Am Anfang wirkte Kröhnerts Trump-Imitation noch etwas plump mit unzähligen Wiederholungen des Wortes "Fake News". Doch wie realitätsnah die Parodie sein könnte, verdeutlichte die Aussage Kröhnerts in der Rolle des amerikanischen Präsidenten: "I wrote Ayatollah beautiful love letters and he didn’t respond. So, I must destroy Iran." So absurd diese Aussage des Parodisten klingt, ähnelt sie doch Aussagen von Trump über Kim Jong Un in der Realität. Kröhnert zeigte, wie erschreckend real Satire sein kann und sorgte sicherlich für den ein oder anderen Aha-Moment bei den Besuchern.