Fall Walter Lübcke

Ein Mordprozess, der ein Fanal sein soll

Marius Buhl

Von Marius Buhl

Di, 16. Juni 2020 um 20:37 Uhr

Deutschland

Der Prozess gegen den Rechtsextremisten Stephan E. hat begonnen. Ihm wird vorgeworfen, Walter Lübcke erschossen zu haben – der erste rechtsextreme Mord an einem Politiker in der Bundesrepublik.

In wenigen Sekunden ist es soweit. Dann tritt der Mann, der im Dunkeln gemordet haben soll, ins Licht. Im Saal 165, Gerichtsgebäude C, Oberlandesgericht Frankfurt am Main, ist es so ruhig, dass man den Zeiger der Wanduhr hören kann. Nacheinander sind die Beteiligten dieses Strafprozesses aufmarschiert, die Bundesanwälte in purpurnen Roben, die Verteidiger, die Anwälte der Nebenkläger, der Nebenkläger Ahmad E., dann Familie Lübcke. Jan-Hendrick, der jüngere Sohn, starrt geradeaus, die Gesichtszüge wie einbetoniert. Irmgard Braun-Lübcke, eine adrette Frau, wirkt schmal und zerbrechlich. Christoph Lübcke, der ältere Sohn, scheint seinen Gedanken nachzuhängen. Tack. Der Zeiger der Wanduhr springt. Wird er lächeln, wie einst Beate Zschäpe, herausfordernd, demonstrativ entspannt? Wird er hinüber schauen zur Familie des ermordeten Walter Lübcke?

Zuerst kommt sein mutmaßlicher Komplize. Markus H., angeklagt wegen Beihilfe zum Mord. Er trägt einen grünen Kapuzenpulli, die Kapuze hochgezogen, Maske im Gesicht, Schlabberlook. Dann führen zwei Justizbeamte Stephan E. herein, nehmen ihm die Handschellen ab, er zieht seinen Mundschutz vom Gesicht. Er trägt einen dunkelblauen Anzug, ein blütenweißes Hemd, die Haare hat er sorgsam zur Seite gelegt. Er wirkt bleich, er lächelt nicht, aber er wirkt auch nicht sonderlich eingeschüchtert. Die Familie des Opfers würdigt er keines Blicks. So geht er los, der Lübcke-Prozess.

Der mutmaßlich erste rechtsextremistische Mord eines deutschen Politikers
Die Bedeutung dieses Falles kann man kaum hoch genug hängen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ermordet ein Rechtsextremist mutmaßlich einen Politiker. Walter Lübcke, Kasseler Regierungspräsident, ein Mann wie ein Baum, gewachsen in der alten Bundesrepublik. ...

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