Ein Pianist, zwei Komponisten

Bertold Obergföll

Von Bertold Obergföll

Mi, 15. Januar 2020

Ettenheim

Beim Neujahrskonzert der Ettenheimer Musikfreunde begeistert der griechische Pianist Fil Liotis mit seinem Programm das Publikum.

ETTENHEIM. Die Fingerfertigkeit eines international anerkannten und ausgezeichneten Pianisten bewundern und dabei Klavierstücke von zwei russischen Komponisten genießen – das war beim Neujahrskonzert der Musikfreunde Ettenheim am Sonntagabend möglich. Zu ihrem Konzert im Bürgersaal hatten die Musikfreunde den Pianisten Fil Liotis eingeladen, der mit Kompositionen von Peter Tschaikowsky und Sergej Rachmaninow das Publikum begeisterte.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer bekamen Stücke der beiden russischen Komponisten aus der Zeit zwischen 1870 und 1940 zu hören. Sergej Rachmaninow gilt "als letzter Romantiker der Zeitgeschichte." Seine "6 Moments musicaux op.16" entstanden aus großer Geldnot, wie Pianist Fil Liotis zu Beginn erläuterte: "Bei Tschaikowsky geht es sehr in die Substanz der Stücke, Rachmaninow komponierte dagegen orchestral, mit den typisch spätromantischen Wellen."

Der Pianist spielt ohne Partitur

Urte Lucht hatte für die Musikfreunde in ihrer Begrüßung darauf hingewiesen, dass ein pianistisches Kontrastprogramm geboten werde. Aber es erforderte durchaus ein genaues Hinhören, um die unterschiedlichen Stimmungen und Szenarien erkennen zu können, die Tschaikowsky in seinen "Jahreszeiten" gestaltete. Weich und ruhig wie beim tiefen Atemholen nach einem langen Jahr erklang der Flügel für den Monat Januar, wurde laut und froh beim Karneval im Februar, ließ zärtliches Rufen in Mainächten vernehmen, um bei der Jagd im Herbst wilde Signalhörner nachzuahmen.

Viele Variationen und Sequenzen leuchteten im Klavierspiel auf. Härter, manchmal greller und dissonanter hörten sich dagegen Rachmaninows Stücke an. Dabei spielte Fil Lotis von der ersten bis zur letzten Note völlig ohne Partitur. Sicherlich für viele Konzertbesucher nichts Alltägliches: Musik nicht zum Mitklatschen, ohne mechanische Verstärkung. Augen schließen und tiefenentspannt zuhören, manchmal geradezu atemlos, wie zu sehen war. Für viele Besucherinnen schien die Zeit für einen Augenblick still zu stehen. Chopins Regentropfen-Prélude sorgte als Zugabe für einen zauberhaften Abschluss des Musikabends. Langer, stehender Beifall war der Dank an den 35-jährigen Pianisten, der seit 2019 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik in Detmold hat. Dort hatte er vor Jahren auch die Ausbildung gemacht. Seine Mutter in Thessaloniki hatte sein Talent schon im Alter von vier Jahren entdeckt, als sie das Radio in ihrer Wohnung abstellte, dabei aber feststellte, dass ihr Sohn Triantafyllos die zuvor gehörte Musik "einfach mal so" nachspielte, ohne Noten.