Heitersheim

Ein Schloss spaltet eine Stadt

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Mi, 09. Oktober 2019 um 21:20 Uhr

Südwest

In Heitersheim hat der Gemeinderat die Einrichtung einer Privatschule im Malteserschloss abgelehnt. Damit endet eine monatelange Debatte, die für die Kleinstadt im Markgräflerland zur Zerreißprobe geworden ist.

Mit knapper Mehrheit hat der Gemeinderat der rund 6300 Einwohner zählenden Stadt den Plänen eine Absage erteilt, im Malteserschloss eine internationale Privatschule einzurichten. Zehn Räte lehnten in der Sitzung am Dienstagabend gegen die Stimmen von acht Ratskollegen und Bürgermeister Martin Löffler einen städtebaulichen Vertrag ab, der Bestandteil des Kaufvertrags gewesen wäre zwischen dem Eigentümer des Malteserschlosses, dem Orden der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul, und der Investorengruppe um Christian Hodeige, die im Malteserschloss eine internationale Privatschule einrichten wollte. Damit ist dieses Projekt zunächst gescheitert.

Zur Vorgeschichte: Das historisch wie architektonisch bedeutende Malteserschloss gehört seit 1893 dem Vinzentinerinnenorden, der seinen Hauptsitz in Freiburg hat. Zuletzt diente das ausgedehnte Gebäudeensemble mit attraktiven Außenflächen als Wohn- und Pflegeheim für Ordensschwestern. Da deren Zahl jedoch kontinuierlich zurückgeht und der Unterhalt des Schlosses zu einer immer größeren finanziellen Belastung wird, entschied sich die Ordensleitung 2013 für einen Verkauf des Schlosses.

Umfangreiche Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten führten zunächst zu keinem Ergebnis, da der Orden diverse Kriterien definiert hatte, die den Fortbestand des Malteserschlosses als Kultur- und Baudenkmal sichern sollten. Unter anderem wollte man das Ensemble nicht in Einzelteilen verkaufen, sondern komplett an einen Investor abgegeben.

Privatschulgegner wollen öffentliche Nutzung

Im Frühjahr 2019 wurden die Pläne einer kleinen Investorengruppe bekannt, im Malteserschloss eine internationale Privatschule einzurichten. BZ-Verleger Christian Hodeige und seine zwei chinesischen Partner orientierten sich bezüglich des Schulkonzepts an den United World Colleges (UWC), von denen es eine Niederlassung in Freiburg gibt. In Heitersheim sollte dies jedoch über eine eigene Gesellschaft verwirklicht werden. Die Idee: Rund 350 Schülerinnen und Schüler aus aller Herren Länder sollten in Heitersheim die Möglichkeit bekommen, innerhalb von drei Jahren eine internationale Hochschulreife zu erwerben.

Gegen diese Pläne formierte sich recht schnell Widerstand. Das Hauptargument der Gegner: Das Malteserschloss solle in öffentliche Hand kommen und einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Der Verkauf an private Eigentümer würde das bedeutende Kulturdenkmal womöglich unwiederbringlich der Öffentlichkeit entziehen. Zusicherungen der Investoren, der Stadt Heitersheim und damit der Bürgerschaft gewissen Rechte im Rahmen der Einrichtung der Schule einzuräumen, überzeugten die Gegner nicht.

Die Stadt spaltete sich zusehends

In die Debatte mischten sich auch Töne, die offen vor den chinesischen Investoren warnten – bis hin zu einer möglichen Einflussnahme des chinesischen Regimes in Heitersheimer Belange. Gleichzeitig mehrten sich in der Bürgerschaft aber auch die Stimmen, die von der Privatschule als einer einzigartigen Chance für Heitersheim sprachen und den Widerstand dagegen kritisierten. Die Stadt spaltete sich zusehends in dieser Frage.

Im Zuge des Widerstands formierte sich die Bürgerinitiative Malteserschloss, die Unterschriften sammelte, eigene Infoabende organisierte und ein Konzept zur alternativen Nutzung des Schlosses erarbeitete, das eine gemischte Nutzung – unter anderem durch Pflege- und Bildungseinrichtungen, Gastronomie, Kultur- und Dienstleistungsangebote, Wohnungen bis hin zu Verwaltungseinrichtungen – vorschlägt.

Zukunft des Malteserschlosses wieder völlig offen

An diesem Alternativkonzept entzündete sich neuer Streit. Der Heitersheimer Bürgermeister Martin Löffler nannte es vor allem mit Blick auf das Finanzierungskonzept unrealistisch. Auch der Orden verwies auf hohe Kostenrisiken bezüglich des Unterhalts und einer neuen Nutzung, die im Konzept der BI unzureichend berücksichtigt seien. Die wiederum beklagte, dass Rathausspitze und Ordensleitung sich Gesprächen über Alternativen verweigert hätten.

Mit der Ablehnung der Privatschule ist die Zukunft des Malteserschlosses wieder völlig offen. Eigentümer und Stadt stehen quasi wieder bei Null. Vonseiten des Ordens ist zu hören, dass man sich überlege, die Verkaufsabsichten nun zunächst erst einmal auf Eis zu legen.
Hintergrund: Wie geht es jetzt weiter mit dem Malteserschloss in Heitersheim? Das sagen die Beteiligten.