Ein Schub für die Digitalisierung?

dpa

Von dpa

Sa, 27. November 2021

Wirtschaft

Die Pläne der Ampelkoalition, das Land digital voranzubringen.

Die Ampelkoalition will bei der Digitalisierung Tempo machen. In dem 177-seitigen Koalitionsvertrag taucht an 188 Stellen das Wort "digital" auf. Die Neuordnung der digitalpolitischen Kompetenzen und Digital-Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Regierungsprogramm. Von der Idee der Neugründung eines Digitalministeriums sind SPD, Grüne und FDP aber abgerückt. Die Position der Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, die bislang von Dorothee Bär (CSU) eingenommen wurde, ist gestrichen worden.

Neuer starker Mann fürs Digitale bei Rot-Grün-Gelb wird Volker Wissing: Der bisherige FDP-General soll Verkehrsminister werden und sich dort auch um das "Digitale" kümmern. Allerdings beschränkt sich seine Zuständigkeit vor allem auf die digitale Infrastruktur. Der gesamte Komplex der Verwaltungsdigitalisierung bleibt wohl in der Zuständigkeit des Innenministeriums. Als Ressortchefin ist dort Christine Lambrecht (SPD) im Gespräch. Die FDP hatte vor der Wahl noch ein "Ministerium für digitale Transformation" gefordert. Nun sollen sich sämtliche Ministerinnen und Minister um die Digitalisierung kümmern.

Im Wahlkampf forderten die Liberalen eine "flächendeckende und hochleistungsfähige Mobilfunkabdeckung" durch echten Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt sowie ein Glasfasernetz und eine konsequente Hochrüstung bestehender Mobilfunktionsnetze. Bis zum Jahr 2025 sei der bundesweite Aufbau von 5G-Netzen abzuschließen. Daran wird Wissing gemessen werden: Für "Funklöcher" ist künftig er zuständig.

Offen scheint, wie groß die Rolle der von seinem Vorgänger Andreas Scheuer (CSU) auf den Weg gebrachten Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft des Bundes dabei ist, die Ziele zu erreichen und die letzten "weißen Flecken" zu schließen. Die Gesellschaft soll dort, wo die Mobilfunknetzbetreiber nicht privat ausbauen und auch keine Versorgungsauflagen bestehen, die "Initiative" ergreifen und den Ausbau vorantreiben, unter Einbindung von Unternehmen und Kommunen.

Beim Netzausbau kann Wissing vor allem an zwei Stellschrauben drehen: Zum einen sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren weniger bürokratisch ablaufen und dadurch beschleunigt werden. Das hatte sich aber auch Scheuer vorgenommen. Gleichzeitig sollen aber auch alternative Verlegemethoden für die Glasfaserstränge ermöglicht werden. Damit sollen die Straßen nicht mehr mühselig mit Baggern tief aufgegraben werden. Die dünnen Rohre mit der Glasfaser werden stattdessen in gefrästen Schlitzen am Straßenrand verlegt.

Bei der Cybersicherheitspolitik wagt Rot-Grün-Gelb in einem wichtigen Punkt eine 180-Grad-Wende. Künftig sollen alle staatlichen Stellen verpflichtet werden, ihnen bekannte Sicherheitslücken dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu melden. Das BSI soll sich dann um die "schnellstmögliche Schließung" bemühen. Solche Lücken waren bislang auch vom Bundeskriminalamt und dem Bundesnachrichtendienst ausgenutzt worden, um mutmaßliche Schwerstkriminelle oder Terrorverdächtige überwachen zu können.

Neue Akzente setzt die Ampelkoalition auch bei öffentlichen IT-Projekten. Die sollen künftig als Open Source beauftragt und "grundsätzlich öffentlich gemacht" werden. Ob damit geschlossene Programme wie Microsoft Office oder das Betriebssystem Windows aus den Behördenstuben verbannt werden, kann man dem Vertrag nicht entnehmen.

Insgesamt stieß der Koalitionsvertrag aber bei Bitkom-Präsident Achim Berg auf eine positive Reaktion: Er bleibe zwar in puncto Digitalisierung etwas hinter den hohen Ansprüchen des Sondierungspapiers zurück, biete aber eine Fülle guter Ansätze, um Deutschland fit zu machen für die digitale Welt.