Ein Sherlock, isoliert wie in der Pandemie

Lisa Petrich

Von Lisa Petrich

Mo, 31. Oktober 2022

Theater

"Holmes und Ich" wird am 3. November im Freiburger Theater der Immoralisten uraufgeführt.

Ein Stück über die aktuelle Zeit, nur im historischen Gewand – so beschreibt Manuel Kreitmeier, künstlerischer Leiter und Regisseur des Theaters der Immoralisten in Freiburg, sein selbst geschriebenes Kammerspiel "Holmes und Ich". Darin versuchen zwei völlig unterschiedliche Menschen, sich in schwierigen Zeiten gegenseitig Halt zu geben. Das Stück spielt im Jahr 1918, der fiktive Londoner Detektiv Sherlock Holmes – bekannt aus Arthur Conan Doyles Kurzgeschichten und Romanen sowie Filmen und Serienadaptionen – wird in seiner Wohnung mit lauter schlechten Nachrichten konfrontiert: Erster Weltkrieg, Spanische Grippe, sein Freund Doktor Watson wird vermisst.

Holmes ist allein – nur die Haushälterin Mrs. Hudson ist noch da. Weil sich Holmes mit Kokainspritzen aus der einsamen Welt flüchten will, macht sie sich zunehmend Sorgen um ihn. Mit Mrs. Hudson kommt das "Ich" im Titel des Werks zum Vorschein: Spielte sie in allen Sherlock-Versionen bisher immer nur die Nebenrolle, erhebt sie Kreitmeier nun zur zweiten Hauptfigur – und legt den Fokus auf das Zwischenmenschliche, das anfangs zwischen Holmes und Hudson gar nicht gut funktioniert. Zwei Welten krachen aneinander: die des Genies Holmes, der mit Gefühlen nicht umgehen kann, und die der bodenständigen Haushälterin.

Kreitmeier hat die Rollen mit bekannten Gesichtern besetzt: Der zweite künstlerische Leiter des Theaters, der Musiker und Schauspieler Florian Wetter spielt Holmes, die Schauspielerin Anna Tomicsek Mrs. Hudson. James Foggin hat als Doktor Watson einen kleinen Auftritt. "Das Stück ist schlicht und ganz auf das Psychologische hin inszeniert. Es lebt von Schauspiel, Licht und Musik", sagt Kreitmeier. Eine Drehbühne erlaubt zwei Perspektiven: das Zimmer von Holmes, eine Art Museum seiner Errungenschaften, und den Flur, wo Hudson oft an der Tür klopft. Musikalisch unterlegt wird "Holmes und Ich" mit Variationen aus Niccolò Paganinis Geigenkunst: "Die Violinsoli zeigen Holmes’ Seele nackt wie auf dem Operationstisch", beschreibt Kreitmeier.

"Holmes flüchtet sich gern in die Arbeit. Sein Verstand braucht immer etwas zu tun. Ohne Arbeit und Tatkraft ist er schnell gelangweilt. Als ihm das alles genommen wird, fühlt er sich verloren. So ähnlich fühlte sich das für uns im Theater in der Pandemie auch an." Kreitmeier spannt ganz bewusst den Bogen zur aktuellen Situation: "Wir waren immer ein sehr familiäres Theater, bei uns ist immer etwas los. Dann kam die Pandemie und auf einmal war das Theater leer, die Schauspielerinnen und Schauspieler in alle Winde verstreut. Unsere kleine, scheinbar heile Künstlerwelt wurde einer Krise unterworfen. Es gab Gefühle von Isolation und Einsamkeit. So geht es auch Sherlock Holmes in meinem Stück." Zugleich wolle "Homes und Ich" aber auch die Werte von Zwischenmenschlichkeit vermitteln – in einer Zeit, in der die Gräben in der Gesellschaft immer tiefer würden.

"Holmes und Ich", Uraufführung am 3.11., 20 Uhr, Theater der Immoralisten, Freiburg.