"Ein signifikanter Wandel ist nötig"

Barbara Ruda

Von Barbara Ruda

Fr, 07. Mai 2021

Lörrach

Start des Gemeinschaftsprojekts "Lörrach verkleinert seinen CO2-Fußabdruck" am Erdüberlastungstag / 500 Teilnehmer gesucht.

. Ende April hat der Gemeinderat grünes Licht für das Gemeinschaftsprojekt des Runden Tisches Klima und der Stadtverwaltung "Lörrach verringert seinen CO2-Fußabdruck" gegeben. Dass an der Online-Veranstaltung zur Kampagneneröffnung am Mittwochabend mehr als 70 Leute teilnahmen, ist ein Hinweis darauf, wie vielen Menschen das Thema unter den Nägeln brennt. Sie fragen sich: Wie kann mein Beitrag zur CO2-Reduzierung sein?

Jeder kann ab sofort am Projekt "Lörrach verringert seinen CO2-Fußabdruck" teilnehmen, zu dem am Mittwoch der offizielle Startschuss fiel. Nicht von ungefähr hatten der Runde Tisch Klima, die Gruppe move-the-date und die Stadtverwaltung den 5. Mai gewählt, der an diesem Tag der Erdüberlastungstag für Deutschland war (siehe Infobox). Vor Jahresfrist war dieser Tag bereits am 3. Mai.

Als Ziel des Projekts rufen die Beteiligten aus, in den nächsten zehn Jahren diesen Erdüberlastungstag für Deutschland jeweils um zehn Tage nach hinten zu verschieben. Erreichen wollen sie das durch die Teilnahme von mindestens 500 Lörracherinnen und Lörrachern – das ist ein Prozent der Einwohner – , die zunächst ihren CO2-Fußabdruck ermitteln und dann reduzieren. Und dabei sollen sie auch noch Spaß haben, wie Bürgermeisterin Monica Neuhöfer-Avdic ankündigte.

Zehn Jahre das Datum jeweils zehn Tage nach hinten schieben

Der Klimawandel gehe nicht von selbst weg, stellte Oberbürgermeister Jörg Lutz fest, der an der Zoom-Veranstaltung teilnahm. Er müsse von zwei Seiten in die Zange genommen werden: von oben durch die Politiker, die das Programm setzen, und von unten durch die Zivilgesellschaft und Bewegungen wie Runder Tisch Klima, die aktiv werden. "Lörrach verringert seinen CO2-Fußabdruck" sei ein von beiden Säulen getragenes Projekt. "Dieses Zusammengehen ist etwas Wichtiges, was sich heute symbolisch zeigt", so Lutz.

Warum die Reduktion des CO2-Ausstoßes so wichtig ist für das Einhalten des Pariser Klimaziels von 1,5 Grad und damit für die Zukunft der Menschheit auf diesem Planeten, machten die Präsentationen von Hartmut Schäfer von der Gruppe move-the-date und Lutz Knakrügge deutlich. Sie zeigten den Ernst der Lage auf und malten die katastrophalen Folgen in düsteren Farben an die Wand, sollte das 1,5-Grad-Ziel scheitern. Dann seien nämlich einige Kipppunkte erreicht, die in Folge automatisch wie Dominosteine einer nach dem anderen ausgelöst werden. Beispiele sind das Schmelzen des grönländischen Eisschildes und der darauf folgende Anstieg des Meeresspiegels oder die Austrocknung und der Kollaps des Amazonas-Regenwaldes. "Das gilt es unbedingt zu verhindern", appellieren beide. Selbst wenn es gelänge, das Pariser 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen, gehe der Klimawandel trotzdem weiter und habe unangenehme Folgen", stellte Hartmut Schäfer klar. "Ich will so deutlich machen, dass es wirklich einen signifikanten Wandel braucht."

Zeit gewinnen, um an Lösungen arbeiten zu können

Das Projekt macht genau das, was jeder angesichts einer vor ihm liegenden Bedrohung tut: Er versucht sie zumindest hinauszuzögern, um Zeit zu gewinnen und an Lösungen zu arbeiten. Der von der move-the-date-Gruppe herausgegebene Umweltschutz-Kalender für die Region Lörrach zeigt, dass Zivilgesellschaft das schon heute kann und zu mehr bereit ist – und dass das auch Freude und Lebensqualität schenken kann. Beispiele, wie man seinen CO2-Fußabdruck verkleinern kann, nannte Schäfer auch: die Umstellung von durchschnittlicher auf vegane Ernährung – so kann man eine zwanzigprozentige Reduzierung erreichen – , solare Wärme auf die Dächer, Strom und Heizung sparen oder Bäume pflanzen.

Auf der neuen Homepage des Runden Tisches Klima (rtk-loerrrach.de) erklären nicht bloß Botschafter in kurzen Videos, warum sie an dem Projekt teilnehmen. Ab 14. Juni kann man dort auch auf eine Rechnerwebsite zugreifen, die vom Umweltbundesamt zur Verfügung gestellt wird. Mit deren Hilfe kann jeder seinen eigenen Fußabdruck ermitteln und verbessern. "Nicht das Bewusstsein verändern, sondern die Praxis", brachte Lutz Knakrügge auf den Punkt, was nottut und was das Projekt erreichen will. Wie Britta Staub-Abt vom Fachbereich Umwelt erklärte, startet die Stadt Mitte Juni eine Kampagne mit Plakaten, und die Aktiven vom Runden Tisch Klima wollen als Multiplikatoren viele zum Mittun animieren.