Kunst mit Kühen

Ein Tierarzt und Hobbykünstler aus Glottertal stellt Tierporträts in Gundelfingen aus

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 13. September 2019 um 17:13 Uhr

Gundelfingen

Kühe sind das Lieblingsmotiv von Hobbykünstler Jörg Bretzinger. Er malt Hoftiere, um von seinem Berufsalltag als Tierarzt zu entspannen. Zu sehen sind sie derzeit im Gundelfinger Rathaus.

Kühe wurden schon in der Steinzeit gemalt. Die prähistorischen Bilder in der Höhle von Lascaux in Südwestfrankreich belegen das. Doch ganz so weit muss man nicht ziehen, um gemalte Kühe zu betrachten. Schließlich sind sie auch das Lieblingsmotiv von Jörg Bretzinger. Der Glottertäler Tierarzt stellt seine Bilder auf Einladung des Kunstvereins derzeit in Gundelfingen aus.

Wenn Tiere in der Kunst eine Hauptrolle spielen, handelt es sich oft um Katzen oder Hunde, die süßen und geselligen Freunde der Menschen – aber selten um Nutztiere. Nicht so bei Jörg Bretzinger. Für den Tierarzt aus Glottertal sind Kühe, Schafe, Rehe oder Schweine das Lieblingsmotiv für seine oft farbenfrohen Acrylbilder.

"Es kam auch schon einmal vor, dass ich während des Malunterrichts zu einer kalbenden Kuh gerufen wurde." Jörg Bretzinger
Täglich begegnet er ihnen, denn er ist zuständig für die großen Tiere der Landwirtschaft. Seine Frau Dörthe behandelt die kleineren Haustiere in der gemeinsamen Praxis. Um die Tiere zum Strahlen zu bringen, malt Bretzinger die Tiere auf schwarzem Hintergrund. Und er kennt die Vierbeiner, die er malt. Da wäre zum Beispiel die Glottertäler Kuh Luise oder der Maulwurf, den er auf das Bild gebannt hat. "Der Maulwurf wurde verletzt in unsere Praxis gebracht und wir haben ihn wieder zum Leben erweckt", sagt der Tierarzt. "Das hat mich sehr bewegt." Auch den ausgestellten Kanadabär habe er live gesehen. "Ein echtes Erlebnis – das musste ich dann natürlich malen."

Abstraktheit liegt dem Künstler nicht

Abstraktheit liegt dem Künstler nicht – er malt lieber das, was er sieht. Auch Landschaften. "Vor allem im Urlaub finde ich meine Motive: das Meer, die Berge oder die Dünen." Er habe nicht den Anspruch, alles genau wiederzugeben. "Vielmehr will ich den Eindruck der Landschaft vermitteln und die Bilder sollen dem Betrachter Spaß machen", so der 57-Jährige.
Ausstellungstermin:

Die Werke von Jörg Bretzinger sind noch bis Mittwoch, 2. Oktober, im Foyer des Gundelfinger Rathauses, Alte Bundesstraße 31, zu sehen.

Öffnungszeiten: montags bis freitags, 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr, montags 14 bis 17 Uhr und mittwochs 14 bis 18 Uhr.


Mit dem Malen begonnen hat er vor rund 15 Jahren. "Damals habe ich meine Kinder zur Malschule von Elisabetta Boreiko nach Waldkirch gefahren und dann habe ich mich eines Tages gefragt, warum ich nicht selbst ein Kurs belege." Gedacht – getan. Schließlich sei das Malen schon immer seine Leidenschaft gewesen. Schon als Schüler des Freiburger Kepler-Gymnasiums wählte er das Fach Kunst als Leistungskurs. Nach dem Abitur begann er mit dem Studium der Agrarbiologie in Stuttgart, dann folgte das Studium der Tiermedizin in Hannover. Er promovierte in München und eröffnete seine Praxis 1994 in Glottertal.

Beim Malen entspannen

Beim Malen kann er entspannen. Es ist für ihn eine Art Ausgleich zu seinen anstrengenden Einsätzen als Tierarzt, die ihn nicht selten auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen beanspruchen. Einmal pro Woche, wenn der Praxisbetrieb es irgendwie erlaubt, schaufelt er sich vormittags zwei Stunden frei und geht in die Malschule. Für ihn ist sie ein Refugium der Ruhe – meistens zumindest. "Es kam auch schon einmal vor, dass ich während des Malunterrichts zu einer kalbenden Kuh gerufen wurde", sagt der gebürtige Freiburger. Wie lange er an seinen Bildern arbeite, kann er so pauschal nicht beantworten. Manchmal seien es Tage, manchmal mehrere Wochen. Aber er habe die Erfahrung gemacht, dass die Bilder nicht besser würden, wenn er ewig daran sitze.

Kunstverein mit gutem Händchen

"Der Kunstverein hat immer wieder ein gutes Händchen, wenn es darum geht, interessante Künstler für eine Ausstellung zu gewinnen", sagte Bürgermeister Raphael Walz bei der Eröffnung im Rathaus-Foyer, zu der etwa 50 bis 60 Kunstinteressierte gekommen sind. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Ai Sato am Klavier und Bärbel Gebhardt mit der Klarinette.