Ein Treffpunkt ohne Hürden

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 14. Februar 2020

Müllheim

Das Diakonische Werk eröffnet mit "Willi 8" einen kleinen, offenen Begegnungsraum in der Müllheimer Fußgängerzone.

MÜLLHEIM. Das Projekt "Zämme" des Diakonischen Werks Breisgau-Hochschwarzwald in Müllheim hat sich zu einem echten Aktivposten in der sozialen Infrastruktur des Mittelzentrums entwickelt. Der neueste Streich: "Willi 8", ein kleiner, aber feiner Begegnungsraum an der Wilhelmstraße. Am Dienstag wurde die Eröffnung gefeiert – mit Kuchen und kirchlichem Segen.

Viele in Müllheim trauern immer noch dem Café "Blauer Elefant" im Lindle nach, das als Beschäftigungsprojekt sozial benachteiligten Menschen neue Chancen bieten sollte und gleichzeitig ein beliebter Treffpunkt für ein bunt gemischtes Publikum war – nicht nur, aber auch für Menschen mit schmalem Geldbeutel. Den "Blauen Elefanten" kann und will "Willi 8" nicht ersetzen – allein schon aus Platzgründen. Die Suche nach einer offenen, nicht kommerziell betriebenen Begegnungsstätte in Müllheim bleibe weiterhin wichtig, "und wird von uns auch ausdrücklich unterstützt", erklärte Andrea Müller, Fachbereichsleiterin für Soziale Beratung und Teilhabe bei der Diakonie in Müllheim. Doch mit "Willi 8" geht man schon einmal einen Schritt in diese Richtung.

"Willi 8": Wie unschwer zu erkennen ist, verweist der Name des Treffpunkts auf die Adresse – Wilhelmstraße 8. Durch einen Torbogen neben der Bäckerei Kirschner gelangt man in einen Hof und zu einem Gebäude, das bereits seit geraumer Zeit von der Diakonie genutzt wird. Dort sind die Beschäftigungs-, Trainings- und Coaching-Projekte "Atelier" und "Durante" untergebracht ebenso wie die allgemeine Sozialberatung. Und eben das vom Europäischen Sozialfonds und dem Jobcenter Breisgau-Hochschwarzwald geförderte Projekt "Zämme". Durch geschicktes Umlegen von Büros und mit Unterstützung der Stadt, des Bürgersozialfonds und der Tafel Markgräflerland gelang es, einen Raum als Treffpunkt herzurichten – mit gemütlichen Sitzgelegenheiten, einem PC-Arbeitsplatz und, ganz wichtig, einer Kaffeemaschine.

Gedacht war "Willi 8" ursprünglich vor allem als Begegnungsraum für die Teilnehmer der Diakonie-Projekte, doch wie Andrea Müller erläuterte, soll es sich ganz bewusst zu einem offenen Treffpunkt entwickeln. Wer ohne Konsumzwang mal eine Auszeit nehmen möchte, mit anderen etwas zu bereden hat, allein oder in der Gruppe Ideen entwickeln will, soll hier Platz finden, eine Kleinigkeit trinken können, Zeitung lesen oder den Computer benutzen. "Es soll ein vertrauter Ort sein, zu dem man einfach kommen kann, ohne dass es dafür einen besonderen Anlass braucht", sagen Stefanie Aatz und Leon Schattner, die beiden Ansprechpartner von "Zämme". Aufdrängen werden sie sich bei "Willi 8" niemandem, aber sie stehen parat für die Gäste, wenn diese ein Anliegen haben, das sie einfach mal so, ohne förmlichen Beratungstermin, loswerden wollen. Geöffnet ist "Willi 8" derzeit Montag bis Mittwoch jeweils von 9 bis 12.30 Uhr. Sollte das Angebot gut angenommen werden, kann sich Andrea Müller auch eine Ausweitung der Öffnungszeiten vorstellen.

Zur Eröffnung gab’s neben dem obligatorischen Durchschneiden des Bandes noch Gruß- und Segensworte sowie – traditionelle Mitbringsel für eine Hauseinweihung – Brot und Salz von Daniela Hammelsbeck. Die evangelische Pfarrerin hatte es nicht weit – das Pfarramt in der Wilhelmstraße 17 liegt quasi gegenüber.