"Ein unglaublicher Athlet"

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Von dpa

Sa, 06. März 2021

Skispringen

Bundestrainer Horngacher beeindruckt von Karl Geiger, der WM-Bronze von der Großschanze holt / Österreicher Stefan Kraft siegt.

(dpa/BZ). Karl Geiger brüllte seine ganze Freude raus, sein gestürzter Kumpel Markus Eisenbichler jubelte leidenschaftlich mit. Der Allgäuer Großereignis-Spezialist hat im dichten Flockenwirbel von Oberstdorf den nächsten Skisprung-Coup gelandet und Bronze auf der Großschanze geholt. Geiger (zweimal 132 Meter) sprang nach Platz sechs im ersten Durchgang am Freitag noch auf den Medaillenrang vor und musste sich nur dem neuen Weltmeister Stefan Kraft (Österreich) und Robert Johansson (Norwegen) geschlagen geben.

"Ich habe noch nie einen solchen Athleten trainieren dürfen. Ein unglaublicher Athlet", lobte der in Titisee-Neustadt beheimatete Bundestrainer Stefan Horngacher im ZDF. "Hut ab!"

Für den 27 Jahre alten Kraft (132,5 und 134 Meter), der schon 2014 und 2016 die Tournee-Springen in Oberstdorf gewonnen hatte, ist es die Rückkehr auf den WM-Gipfel, nachdem ihm in der laufenden Saison eine Corona-Infektion und Rückenschmerzen zu schaffen machten. Titelverteidiger Eisenbichler (122,5 und 134 Meter) kam nach einem schwachen Sprung und einem Sturz nicht über Rang 17 hinaus. Später feierte er schon wieder mit Geiger: "Megageil, dass der Karl "ne Medaille macht!"

Für Geiger, den Bachelor of Engineering in Energie- und Umwelttechnik, ist es der nächste große Coup in einer völlig irren Saison. Geiger hatte in der Anfangsphase der Saison eine Pause eingelegt, um zu seiner hochschwangeren Frau nach Hause zu reisen. Doch weil das Baby noch nicht kam, reiste Geiger zur Skiflug-WM nach Planica und war wenige Tage später Goldgewinner in dieser Disziplin. Gerade aus Slowenien zurückgekehrt, kam dann Tochter Luisa zur Welt. Der Allgäuer wurde noch in der gleichen Woche positiv auf das Coronavirus getestet und musste sich über Weihnachten in Isolation begeben. Pünktlich zum Wettbewerb am heimischen Schattenberg kehrte er zurück und gewann das Auftaktspringen der Vierschanzentournee, die er als Zweiter des Gesamtklassements beendete.

Nachdem Geiger schon vor zwei Jahren im WM-Großschanzeneinzel Silber geholt hatte, bestätigte er die starke Leistung am Freitag mit Rang drei in Oberstdorf. Es ist bereits Geigers dritte Medaille bei diesen Titelkämpfen (zuvor Gold im Mixed und Silber im Einzel). Für den Vorzeigeathleten erfüllen sich gerade ausgerechnet in seinem kleinen Heimatort jede Menge sportliche Kindheitsträume.

Die norwegischen Skilangläufer haben am Freitag eine beeindruckende WM-Serie fortgesetzt. Paal Goldberg, Emil Iversen, Hans Christer Holund und Johannes Kläbo gewannen in der Staffel über 4x10 Kilometer in Oberstdorf die Goldmedaille. In den vergangenen 20 Jahren siegte bei Weltmeisterschaften in diesem Wettbewerb immer ein norwegisches Quartett. Silber holte das Team aus Russland, Bronze ging an Frankreich. Vierter wurde Schweden vor der Schweiz.

Die deutsche Staffel spielte im Kampf um die Podestplätze wie erwartet keine Rolle und belegte Rang sieben. Jonas Dobler hielt sich als Startläufer noch gut, doch der Schwarzwälder Janosch Brugger fiel auf seinem Abschnitt im klassischen Stil weit zurück. Danach kamen die beiden Skating-Athleten Lucas Bögl und Friedrich Moch. Die Podestplätze waren fast anderthalb Minuten entfernt, der Rückstand auf Seriensieger Norwegen betrug mehr als zweieinhalb Minuten.

Nach 20 von 24 Wettbewerben führt im inoffiziellen Medaillenspiegel überlegen Norwegen (11/9/6) vor Österreich (3/0/2), Schweden (2/2/2) und Deutschland (1/2/1).

WM am Samstag: Nordische Kombination, Teamsprint, Männer (10 Uhr: Springen von der Großschanze; 15 Uhr: 2x7,5-km-Langlauf); Langlauf, Frauen, 30 Kilometer klassisch (12.30 Uhr); Skispringen, Team, Männer, Großschanze (17 Uhr/alle ARD/Eurosport).
WM am Sonntag: Langlauf, Männer, 50 km klassisch (13 Uhr/ARD und Eurosport).