Ein Video ersetzt die Vernissage

Georg Voß

Von Georg Voß

Di, 03. November 2020

Sexau

Die 37. Jahresausstellung des Sexauer Malkreises kann diesmal nur virtuell stattfinden / Die Absage der Gemeinde kam am Freitag.

. Die 37. Jahresausstellung des Sexauer Malkreis im Geschwister-Roser-Saal vom 1. bis zum 15. November findet in diesem Jahr nur virtuell statt. Bürgermeister Michael Goby ließ kurzfristig alle Veranstaltungen auf Grund der massiv gestiegenen Corona-Zahlen absagen. "Der Termin für die Jahresausstellung stand vor einem Jahr fest, um den Raum in der Bürgerbegegnung zu kriegen", so die Sprecherin des Malkreises Hanne Günther.

Es hatte alles schnell gehen müssen, da die Absage am Freitag kam, unmittelbar beim Aufbau der Ausstellung. Stattdessen sprang Ehemann Markus Günther ein und drehte einen Film über die Ausstellung, der auf YouTube zu sehen ist. In diesem knapp siebenminütigen Video bekommt jeder Künstler eine Minute, um sich und ein ausgesuchtes Kunstwerk zu präsentieren. Hanne Günther führt die Gespräche. Dazu bietet die Homepage des Malkreises eine Fotostrecke mit allen ausgestellten Bildern ergänzend an.

Sybille Odenthal, die seit 1997 im Sexauer Malkreis ist, präsentiert darin ein "Corona-Bild" mit einer Blumenwiese, auf der aber auch Disteln plötzlich wachsen. "Es ist ein kratziges Jahr, das uns alle kratzt und überrascht." Die Disteln seien daher ein Symbol für das Harte und Kratzige, das uns alle in diesem Jahr Schwierigkeiten macht." Die Farbe Blau ist für Hanne Günther schon immer faszinierend gewesen. "Sie gibt dem Bild etwas Tiefe und hat etwas Magisches. Im Video präsentiert sie ein Kunstwerk, in dem diese beiden Elemente auch zur Geltung kommen. Im Vordergrund finden sich stilisierte Bäume, eingefangen durch Wanderungen mit ihrem Ehemann, die sie in diesen Corona-Zeiten gemacht hatten.

Hanne Günther stellt auch die Künstlerin Bärbel Bähr vor, die der diesjährige Gast der Jahresausstellung ist. Die in Denzlingen wohnende Künstlerin hat sich auch auf Papier-Installationen spezialisiert. Sie wirken leicht und bestehen aus einem Drahtgerüst, das mit Seidenpapier ausmoduliert wurde. Jedes Papierobjekt bekommt so eine andere Form. Eine andere Art der Leichtigkeit. "Für mich sind es aber sehr amorphe Formen" sagt Bärbel Bähr. Dazu gibt es weitere Bilder aus ihren "Wasserwelten", die sich ihr und dem Betrachter öffnen.

Ehrhard Sachs, pensionierter Arzt, wartet jedes Jahr mit anderen Überraschungen auf. Er sammelt Dinge, die andere Menschen wegwerfen und lässt sich von seinen Funden inspirieren. So hat er in diesem Jahr 33 verrostete Eisenteile auf einer wilden Müllkippe gefunden. In diesem Jahr hat er sich mit dem Thema Rost und Farbe beschäftigt und steigt in die Vergänglichkeit und die Schwere der Materie ein. Die Kamera folgt Ehrhard Sachs in sein Atelier, in dem Kunstwerke wie "Unbeirrt" oder "Weisungen" aus gefundenen Eisenteilen zur Geltung kommen. Zuletzt stellt Hanne Günther die Künstlerin Christa Wagner vor, die an der Eduard-Spranger-Schule Kunst für geistig behinderte Schüler unterrichtete. Ihre Bilder sind entstanden aus Momenten eines Prozesses, der stets in Bewegung ist. Sie sind abstrakt und verfremdet, in denen der Betrachter hineintauchen kann und vielleicht sich darin auch selbst entdecken kann.

"Kunst muss aber vor Ort betrachtet werden", sagt Hanne Günther. Wer Interesse habe, mit den Kunstschaffenden in Kontakt zu kommen, der kann dies über die Homepage tun. "Ich würde gerne im Frühjahr die Ausstellung wiederholen", hofft Hanne Günther. Aber dann real.