"Eine Herausforderung, die ich annehmen möchte"

Sophie Keller und Violette Richter, Klasse 8b, Deutsch-Französisches Gymnasium Freiburg

Von Sophie Keller, Violette Richter, Klasse 8b & Deutsch-Französisches Gymnasium Freiburg

Fr, 01. Juli 2016 um 00:00 Uhr

Schülertexte

INTERVIEW MIT ALBRECHT HEIDLER (PFARRER AN DER FRIEDENSKIRCHE)

Ding, ding, ding: Jeden Sonntag in der evangelischen Friedenskirche in Freiburg klingeln pünktlich um zehn Uhr die Kirchenglocken. Am Altar steht Albrecht Heidler. Jeder aus der Gemeinde kennt ihn. Sophie Keller und Violette Richter aus der Klasse 8 b des Deutsch-Französischen Gymnasiums in Freiburg haben sich mit ihm über seine Kindheit in Berlin und seine kirchliche Tätigkeit unterhalten.

Zischup: Warum sind Sie Pfarrer geworden?
Heidler: Weil mir der Glaube sehr wichtig ist und ich gerne mit anderen darüber spreche. Außerdem fühle ich mich schon seit meiner Kindheit in der Gemeinde in der Kirche zu Hause. Und natürlich macht es mir viel Spaß, mit anderen Menschen aller Altersstufen zu arbeiten.

Zischup: Was wollten Sie als Kind werden?
Heidler: Mein Vater war zwar auch Pfarrer, aber als Kind wollte ich lieber etwas "Richtiges" machen: Tischler, Arzt oder Elektriker. Da ich in der DDR kein Abitur machen durfte und eine Berufsausbildung machen musste, habe ich das dann auch gemacht und einen Beruf gelernt, der mir Spaß gemacht hat: Mess-, Steuerungs- und Reglungstechniker. Das hat viel mit Elektronik zu tun.

Zischup: Warum sind Sie nach Freiburg gekommen?
Heidler: In Baden sollten alle Pfarrer nach etwa zwölf Jahren die Stelle wechseln, das heißt, es gehört einfach dazu, in eine andere Gemeinde zu gehen. Die Stelle an der Friedenskirche hat mich und meine Frau, die auch Pfarrerin ist, sehr gereizt und so haben wir uns gemeinsam beworben und sind ausgewählt worden.

Zischup: Sie sind seit Kurzem auch Bezirksjugendpfarrer. Wieso wollten Sie dieses Amt ausüben?
Heidler: Mir macht die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen viel Spaß, und ich finde diese Arbeit für alle Gemeinden, auch auf Bezirksebene – also in ganz Freiburg –, nicht nur lohnenswert, sondern sehr wichtig. Dieses Amt war seit fünf Jahren nicht besetzt, was sicherlich auch daran liegt, dass es keine Pfarrstelle ist, sondern ein zusätzlicher Arbeitsbereich neben der Gemeindearbeit. Ich finde es aber sehr wichtig und mache es gerne – deshalb bin ich freiwillig Bezirksjugendpfarrer geworden.
Zischup: Mittlerweile ist die Kirche kein Ort, den Jugendliche regelmäßig besuchen. Wie sehen Sie das?
Heidler: Ja, es ist keine einfache Aufgabe, Jugendliche für die Kirche, für Glaubensfragen zu begeistern, – weil es überhaupt nicht mehr selbstverständlich ist, zur Kirche zu gehen, weil es so viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gibt und nicht zuletzt, weil die Schule die Jugendlichen immer mehr zeitlich in Anspruch nimmt. Das ist natürlich auch eine besondere Herausforderung, aber keine die ich nicht annehmen möchte. Meine Erfahrung ist, dass wir als Kirche immer wieder auch Jugendliche erreichen können. Dafür müssen wir viel investieren – vor allem Zeit, Räumlichkeiten und Geld.

Zischup: Ist es schwierig, jeden Sonntag ein anderes Thema zu finden?
Heidler: Die Lesungen und die Wochenpsalmen werden von der Liturgischen Konferenz in ganz Deutschland vorgegeben. In der Regel muss ich also kein Thema finden, wobei diese Vorschläge nicht zwingend sind. Die Gebete und vor allem die Predigt über den Predigttext schreibe ich selbst – und diese kreative Arbeit ist manchmal schon schwierig.

Zischup: Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer Arbeit als Pfarrer?
Heidler: Das ist schwer zu sagen, denn die Grenze zwischen Dienstlichem und Privatem ist schwer zu ziehen. Auch sind die Wochen unterschiedlich voll. Und ich teile mir ja mit meiner Frau die Stelle an der Friedenskirche, sodass ich nur 50 Prozent arbeite. Wenn ich für meine Arbeitszeit eine durchschnittliche Zahl nennen müsste, sind es etwa 40 Stunden in der Woche.

Zischup: Spielt Beten in Ihrem Alltag eine große Rolle?
Heidler: Wir beten in unserer Familie zusammen vor dem Essen und vor dem Schlafen. Oft bete ich auch am Morgen für den Tag. Wichtig sind mir neben dem persönlichen Beten auch die vielen Möglichkeiten, mit anderen zu beten: der Sonntagsgottesdienst, Gottesdienste in den Seniorenheimen, immer wieder bete ich bei Hausbesuchen. Sehr intensiv erlebe ich die Kraft des Gebets vor allem am Krankenbett, am Sterbebett, am Totenbett und bei den Trauerfeiern auf dem Friedhof.
Zischup: Ostern, Weihnachten, Pfingsten: Welche Kirchenzeit mögen Sie am meisten?
Heidler: Da kann ich mich nicht entscheiden: die Advents- und Weihnachtszeit ebenso wie die Passions- und Osterzeit. Im Kirchenjahr ist mir aber auch die Konfirmation immer sehr wichtig.

Zischup: Als Sie damals konfirmiert wurden, wie war das bei Ihnen?
Heidler: Wir wurden am Pfingstsonntag konfirmiert und waren nur zwölf Konfis. Damals war es so, dass man bei der Konfirmation zum ersten Mal zum Abendmahl gehen durfte.
"Es ist keine einfache

Aufgabe, Jugendliche für den Glauben zu begeistern."

Zischup: Wie war der Konfirmationsunterricht bei Ihnen?
Heidler: Bei uns ging der Unterricht über drei Jahre, und es war wirklich Unterricht. Das heißt, wir trafen uns jede Woche an einem Nachmittag, haben gelesen, geschrieben, einige Texte auswendig gelernt und auch viel gesungen. Daran erinnere ich mich noch gut. Ich fand es aber viel besser als Schule.

Zischup: Gab es damals einen bestimmten Dresscode?
Heidler: Nein. Festlich, aber ohne konkrete Vorgaben.

Zischup: Arbeiten Sie auch international mit anderen evangelischen Kirchen zusammen?
Heidler: Nein, aber es gibt einzelne Aktionen. In der Vergangenheit habe ich immer wieder bei internationalen Begegnungen mitgemacht: Ein russischer Kinderchor kam in die Gemeinde oder eine Gruppe aus Weißrussland – oder wir sind mit dem Kirchenbezirk nach Cambridge gefahren.