"Eine ortsverträgliche Lösung finden"

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mi, 08. Dezember 2021

Vogtsburg

In einer digitalen Infoveranstaltung stellte sich das Regierungspräsidium der Kritik an den geplanten Brunnenstuben in Burkheim.

. Während der Breisacher Gemeinderat sich bereits Ende November für den Bau von sieben oberirdischen Brunnenstuben im Bereich-Jägerhof ausgesprochen hat, lehnen die Stadt Vogtsburg und viele Anwohner die elf in Burkheim geplanten Bauwerke ab (Die BZ berichtete). Bei einer Online-Informationsveranstaltung hat nun das Regierungspräsidium nochmals um Verständnis für die Planänderung geworben und Fragen beantwortet.

Rund drei Dutzend Teilnehmer hatte die virtuelle Informationsveranstaltung, darunter Vogtsburgs Bürgermeister Benjamin Bohn und Burkheims Ortsvorsteherin Alexandra Bercher ebenso, wie vom Regierungspräsidium den Referatsleiter für das Integrierte Rheinprogramm, Harald Klumpp, und den für den Rückhalteraum Breisach/Burkheim zuständigen Projektgruppenleiter Andreas Gold.

"Wir möchten mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir freuen uns auf den Austausch", betonte Klumpp – zumal zuvor von der Stadt Vogtsburg die Informationspolitik des Regierungspräsidiums kritisiert worden war. Erst die im November 2020, also rund fünf Monate nach dem Planfeststellungsbeschluss, erfolgten Erkundungsbohrungen an jedem der 18 Brunnenstandorte hätten ergeben, dass eine unterirdische Bauweise nicht umsetzbar sei, sagte Andreas Gold. Unter einer dünnen Deckschicht habe man eine mächtige Rollkiesschicht von "außerordentlich hoher Durchlässigkeit" gefunden. Dies hätte zwar "Riesenvorteile" für die beabsichtigte Grundwasserhaltung, jedoch sei es nicht möglich, die Brunnenstuben in diesem Baugrund zu errichten. "Das Wasser müsste zu lange und zu tief abgesenkt werden", begründete Gold die ungeliebte Umplanung.

Jedoch böten die etwa garagengroßen Brunnenstuben viele Möglichkeiten. Diese reichten von der Anbringung von Infotafeln bis zur Einrichtung von E-Tankstellen oder Löschwasserentnahmestellen wie in Breisach-Jägerhof geplant.

"Vogtsburg hat der Planänderung bisher nicht zugestimmt, der Gemeinderat hat sie abgelehnt", fasste Bürgermeister Bohn den Status Quo zusammen. Inzwischen läge der Verwaltung das Bodengutachten vor, welches "gründlich untersucht werden soll, um die technische Notwendigkeit der Planänderung zu erfassen", versicherte Bohn. Ziel sei es, "einen Mehrwert für Vogtsburg-Burkheim zu generieren". Warum die Brunnenstuben so groß werden müssten, fragte ein Bürger. Allein die Rohrleitungen hätten zwei Meter Durchmesser, antwortete Andreas Gold. Hinzu kämen Abstände, um in der Brunnenstube Wartungsarbeiten durchführen zu können sowie die Schaltkästen mit größeren elektrischen Bauteilen.

"Wir möchten die oberirdischen Brunnenstuben nicht", betonten gleich mehrere Bürger. Einige sorgten sich zudem um Lärmemissionen und Wertverlust ihrer Immobilie. "Von Lärmemissionen und Wertminderung ist nicht auszugehen", betonte Harald Klumpp. Ob man die Brunnen nicht an anderen Standorten weiter ab von der Bebauung errichten könne, wurde gefragt. "Die Standorte so weit zu verschieben geht nicht, da dann kein optimaler Schutz mehr gewährleistet werden kann", sagte Projektgruppenleiter Andreas Gold.

Ob man alle Brunnenstuben komplett oberirdisch errichten müsse, wollte ein Fragesteller wissen. "Ja", erwiderte Andreas Gold, denn ein ausreichendes Absenken des Grundwassers auch für eine Teilversenkung der Brunnenstuben wäre an keinem der Standorte möglich. Zudem stünde ein notwendiges Abdichten des Bauwerkes im Widerspruch zur Funktion des Brunnens, der ja eine Wasserdurchlässigkeit brauche. "Wir werden gemeinsam mit der Stadt Vogtsburg eine ortsverträgliche Lösung finden", lautete das Schlusswort von Harald Klumpp nach rund zwei Stunden.