Eine Reise als Quelle der Inspiration

Dagmar Barber

Von Dagmar Barber

Di, 22. Oktober 2019

Emmendingen

Die Malerin Hanne Günther zeigt in der Metzger-Gutjahr-Stiftung Bilder über die Begegnung mit Menschen in Afrika.

EMMENDINGEN. Hanne Günther nennt ihre aktuelle Ausstellung in der Metzger-Gutjahr-Stiftung "Begegnung". Bei der Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste erklärte sie, dass diese Bilder Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis zeigen, aus einem anderen Kontinent, nämlich Afrika. Ihnen zu begegnen, war ein einschneidendes Erlebnis für die aus Sexau stammende Künstlerin.

Günther berichtete, dass sie im Sommer letzten Jahres mit ihrem Mann Markus den Süden von Äthiopien bereist habe. Beide waren sehr gespannt auf dieses Land, das erst kürzlich in die Schlagzeilen kam, da Präsident Aby Achmed den Friedensnobelpreis bekommen soll. Sie lernten sechs verschiedenen Ethnien kennen und waren bei den Dorze, Konso, Ari, Hamer, Mursi und bei den Dassanech. Hanne Günther: "Einige dieser Stämme leben heute noch nomadisch, oder halbnomadisch. Eine Lebensweise, wie sie für mich vor dieser Reise nicht vorstellbar war."

In Äthiopien gibt es immer noch Menschen, die eine ursprüngliche und seit Jahrhunderten unveränderte Lebensweise weiterführen. Sie leben in entlegenen Waldgebieten und Savannen, halten sich eine Weile oder auch Jahre mit ihren Viehherden in einem bestimmten Gebiet auf und ziehen dann weiter. Sie haben wenig Besitztümer und zum Anziehen nur das, was sie am Leib tragen. Günther: "Eine viel umweltverträglichere Lebensweise als die unsere." Zum Wohnen haben sie nur ein Dach aus Ästen und Stroh und eine Feuerstelle zum Kochen. Die Nahrung besteht aus gesammelten und angebauten Nahrungsmitteln. Hirse , falsche Banane und Mais, sowie Milchprodukte und Rinderblut. "Wir empfanden große Hochachtung vor diesen Menschen, die ihr einfaches und schlichtes Dasein mit erstaunlicher Würde und voller Lebensfreude leben", so Günther.

Trotz ihrer bescheidenen Lebensweise verstehen es die Äthopier, zu feiern und sich zu schmücken. Die Frauen haben rotgefärbte Haare. Sie vermischen rote Tonerde mit Butter und tragen dieses Gemisch auf ihre Zöpfe auf. Männer wie Frauen tragen bunte Ketten in mehreren Lagen um den Hals. Als Kleidung genügen zu den um die Hüften gebundenen Rinderhäuten handgewebte Stoffbahnen. "Bei den Dassanech sahen wir Männer unter dem Dach des dörflichen Friseursalons versammelt, um sich kunstvoll verzierte Frisuren machen zu lassen."

Zwei ihrer Bilder haben den Titel "Tänzerin" und die Malerin erklärt, dass immer im Kreis getanzt wird, alle zusammen. Dazu wird gesungen, manchmal mit Trommelbegleitung. "Einmal, bei den Dassanech, wurde ich einfach in den Kreis der tanzenden Frauen mit hineingenommen und ich kam dabei ganz schön aus der Puste", erzählt Hanne Günther.

Vor Ort hat sie schnell gezeichnete Skizzen und natürlich Fotografien angefertigt. In einem Dorf der Mursi, das sind die mit den Lippentellern, schmückten sie sich, weil wieder einmal Touristen erwartet wurden und stellten sich in einer Reihe auf. "Als ich meinen Skizzenblock herausholte und zu zeichnen begann, löste sich die starre Formation und alle kamen neugierig näher. Von den Skizzen habe ich dann später Zeichnungen in Tusch und Rötelstift gefertigt", so Günther.

Der Besucher der Ausstellung spürt, dass Menschen und vor allem ihre Gesichter die Malerin besonders faszinieren. Sie sagt, dass Reflexionen des Lichtes auf den gewölbten Partien bei Stirn, Wangen und Nasenrücken ihr besonders bei Menschen mit dunkler Hautfarbe interessant erscheinen. Man spürt sehr deutlich, dass es ihr darauf ankam, die Würde und Schönheit der Menschen dieser entlegenen Weltregionen herauszustellen und ihnen so Respekt zu erweisen. Zum Abschluss ihrer Rede erklärt Hanne Günther, dass ihr noch immer – nach über einem Jahr – die Gesichter dieser Menschen vor Augen sind. "Ich muss sie einfach malen und zeichnen."

Es besteht die Möglichkeit, im Rahmen dieser Ausstellung einen Äthiopien- Film, den Ehemann Markus gedreht hat, anzuschauen. Passend zu den Motiven umrahmten die Musiker Stephan Waldmann vom Musiclab und Christian Armin am Bass die Veranstaltung.

Info: Die Ausstellung im Foyer der Metzger-Gutjahr-Stiftung dauert noch bis zum 14. Januar 2020.