Glosse

Eine Studie zeigt, dass sich Ältere nicht so häufig beschweren

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mo, 16. März 2020 um 16:36 Uhr

Kolumnen (Sonstige)

Bernie Sanders, Präsidentenaspirant der US-Demokraten, turnt in seinen Reden rum wie ein Jungrevolutionär. Dabei zeigt eine neue Studie, dass sich Leute über 60 seltener beschweren.

Junge Menschen – weil sie es halt nicht besser wissen (können) – bewundern oftmals alte Kämpfer, die Bernie Sanders dieser Welt. Mit grauem Haar und seinen 78 Lenzen tobt der Präsidentenaspirant der US-Demokraten in seinen Reden rum wie ein Jungrevolutionär.

Wild und wütend regt er sich über all die sozialen und sonstigen Ungerechtigkeiten auf, die in seinem Land genauso unbegrenzt erscheinen wie alles andere. Aber wenn einer mit 78 noch so abgeht, stimmt dann was mit ihm nicht oder mit einem selbst, fragt sich der ebenfalls schon ergraute Autor.

Ältere können Sachen noch selbst reparieren

Nun, wenn man mit 60 oder 70 noch das Gleiche denkt wie mit 20 oder 30, dann, so mal eine steile These, müssen auf dem eigenen evolutionären Lebenspfad einige Entwicklungsschritte ausgelassen worden sein. Oder dient diese These lediglich der Selbstbesänftigung und sind wir Älteren nicht alle ein bisschen Lehrer Lämpel? Das ist der, der sonntags nach dem Orgelspiel gemütlich ein Pfeifchen anzündet und zu sich selber spricht: "Ach! Die größte Freud ist doch die Zufriedenheit!" Doch, kaum gesagt, machts Rums – und Max und Moritz lassen es krachen. Klar, die Jugend, wieder mal.

Dass sich – von Bernie Sanders & Co mal abgesehen – mit dem Alter der jugendliche Furor so allmählich aus dem Leben schleicht, hat nun die Studie "Die stille Generation 60 plus" der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik in Vechta und der Universität Oxford bestätigt. Leute über 60, so die Kernaussage, beschweren sich seltener. Gründe sind mangelnde Erreichbarkeit von Firmen oder Unwissen über Beschwerdemöglichkeiten. Zudem stört es Ältere, von Rotzlöffeln geduzt zu werden – was etwa in IT-Branchen üblich ist, die wiederum oft den lausigsten Service haben.

Und zudem könne 60 plus defekte Sachen noch selber reparieren (sic!), heißt es da. Also: Praktische Kompetenz und Altersmilde treibt den Älteren nicht gleich die Zornesröte ins Gesicht, wenn’s mal nicht klappt, sondern lässt sie cool bleiben. Wenn das kein Anreiz ist, älter zu werden!