England

Eine Tote nach Überflutungen

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Fr, 08. November 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Viele Ortschaften in England von Sturzfluten überrascht. Teilweise spielten sich chaotische Szenen ab.

LONDON.   Unerwartete Sturzfluten und rasch steigende Wasserpegel haben in Teilen Mittel- und Nordenglands Chaos ausgelöst und die Behörden zur Evakuierung von Menschen gezwungen. Vielerorts wurde der Verkehr eingestellt.   Nahe der Ortschaft Matlock, in der Grafschaft Derbyshire, wurde die Leiche einer Frau geborgen, die von den Fluten mitgerissen worden war.  

An Dutzenden Orten mussten die Notdienste einspringen. Aus einem Caravan-Park nahe Doncaster wurden dessen Bewohner in Sicherheit gebracht. In der Stadt Sheffield wurden Dutzende von Menschen über Nacht in einem Einkaufszentrum eingeschlossen. Hunderte waren dort nachmittags zu einer Veranstaltung gekommen, als der örtliche Fluss unerwartet über die Ufer trat und die umliegenden Straßen überschwemmte. In der allgemeinen Verwirrung, über die die Eingeschlossenen berichteten, war das Zentrum zeitweise von der Umwelt abgeschnitten.

Rund 50 Personen übernachteten später in einem Restaurant-Bereich des Zentrums – einige kauften vorher noch Schlafanzüge oder Decken in einem Textilgeschäft im selben Komplex. Eltern, die Kinder im Teenager-Alter abholen wollten, kamen wegen der Absperrung überfluteter Straßen lange nicht durch.

Aus einem anderen Einkaufszentrum in der Stadt Rotherham wurden über hundert Personen, die sich in einer ähnlichen Situation befanden,von Polizei und Feuerwehr mit Rettungsbooten befreit.  

In Mansfield in der Grafschaft Nottinghamshire kam es zu einem Erdrutsch, der die rasche Räumung von 35 Häusern erforderte. Schon am Donnerstag mussten Schulkinder in Sheffield nach Schulschluss durch eiskaltes und kniehohes Wasser zu ihrem Schulbus waten, der nicht zum Schulgebäude durchkommen konnte.  

Am Freitag blieben 20 Schulen in den unmittelbar betroffenen Gebieten geschlossen. Den ganzen Tag schleppten Bewohner von Häusern in Flussnähe Sandsäcke vor ihre Türen. Eine Bahnstrecke verwandelte sich in einen rauschenden Kanal.   Noch gestern gab es, vornehmlich in den Midlands und in Yorkshire, über 100 offizielle Flutwarnungen – Warnungen vor Lebensgefahr.

Besondere Sorge galt dem River Don, der an mehreren Stellen über die Ufer zu treten drohte. Zahlreiche Betroffene klagten, sie seien über die Gefahr von den zuständigen Behörden und Kommunalverwaltungen vorab nicht gewarnt worden.

Die betroffenen Landstriche verzeichneten in den letzten sechs Wochen soviel Niederschlag wie sonst in sechs Monaten. Am Donnerstag ging auf einige Orte binnen Stunden mehr Regen nieder als sonst im ganzen Monat November. Im Peak District wurden an einer Stelle binnen 24 Stunden 112 Millimeter Niederschlag gemessen – ein örtlicher Rekord. Respektvolles Amüsement löste die trotzige Fahrt einer Frau aus, die am Freitag in Sheffield auf ihrem Elektromobil mitten durchs Hochwasser zum Einkaufen fuhr.