Mit allen Sinnen genießen

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Sa, 20. Mai 2017

Südwest

BZ-SERIE "DIE SCHÖNSTEN FAHRRADTOUREN" (18): Der Kaiserstuhl-Radweg gehört zu den attraktivsten Strecken in der Region /.

Am Kaiserstuhl habe ich ein paar Lieblingsorte, die ich regelmäßig besuche. Bötzingen und Eichstetten liegen auf dem Weg zu meiner Lieblingsaussicht: dem Eichspitzturm. In Ihringen kaufe ich meinen Wein, Endingen finde ich sehr hübsch. Nicht zu vergessen die kulinarischen Geheimtipps, die es in fast jedem Ort des Rebgebirges gibt. Der Kaiserstuhl ist für mich ein buntes, gesegnetes und abwechslungsreiches Fleckchen Erde, eine Gegend, die für Schönheit und Genuss steht.

Schon gewusst, dass es einen Radweg gibt, der durch all die zauberhaften Orte des Kaiserstuhls führt? Zwölf Gemeinden werden auf dieser Tour berührt – Weinliebhaber werden den einen oder anderen Namen schon mal gehört haben. Der Kaiserstuhl-Radweg gehört zu den attraktivsten Radwegen Süddeutschlands. Er wird – und das ist wenig verwunderlich – auch Genusstour genannt.

Auf der 61,3 Kilometer langen Strecke darf man es sich richtig gut gehen lassen – aber es muss auch ein bisschen gestrampelt werden. Der Kaiserstuhl-Radweg ist ein Rundweg, der an verschiedenen Stellen begonnen werden kann. Gute Startpunkte sind zum Beispiel Gottenheim, Bötzingen, Breisach oder Ihringen – diese Orte sind alle vom Freiburger Hauptbahnhof mit der Breisgau-S-Bahn zu erreichen. Die Räder können hier zu einem kleinen Aufpreis mitgenommen werden – an Wochenenden und unter der Woche ab 19.30 Uhr ist die Mitnahme sogar kostenlos. Auch Riegel an der Hauptstrecke Basel – Freiburg – Offenburg – Karlsruhe ist ein empfehlenswerter Startpunkt.

Ich starte meine Tour in Gottenheim und radle einfach den roten Schildern mit der Aufschrift "KA" hinterher. In welche Richtung der Rundweg gefahren wird, ist übrigens jedem selber überlassen – beide Fahrtrichtungen sind markiert.

In Bötzingen führt der Weg direkt durch den Ort, hinter Eichstetten geht es dann auf Radwegen weiter. Und so wird es auch auf der gesamten Tour bleiben: Die Orte erreicht man über Fahrrad- oder Landwirtschaftswege, die kaum von Autos befahren werden. Nur innerhalb der Ortschaften teilen sich Fahrrad- und Autofahrer die Straße. Steigungen gibt es kaum, deswegen gehört die Tour zur Kategorie "leicht".

Die Landschaft fliegt vorbei: Maisfelder, vielfältige Obstgärten und prächtige Weinberge liegen rechts und links. In Bahlingen mache ich die erste Verschnaufpause. Die Strauße "Uf’m Buck" des Weinguts Schumacher zählt zu den beliebtesten des Kaiserstuhls. Sonntags gibt’s dort Deftiges wie Rinderrouladen oder Leberle – auf der Karte stehen aber auch kleinere regionale Spezialitäten wie Brägele oder Wurstsalat. Diese Straußenwirtschaft sei aber nur als Beispiel genannt: Entlang der ganzen Strecke gibt es Vesperstuben oder Straußenwirtschaften, in die man auf ein Viertele oder Vesper einkehren kann.

Was ich ebenso angenehm an der Tour finde – abgesehen davon, dass es kaum Steigungen, aber dafür atemberaubende Landschaft gibt – jeder Ort markiert ein kleines Etappenziel. Das muss man doch belohnen, oder? In Endingen gibt es dafür die nächste Gelegenheit. Dieses idyllische Städtchen kriegt mich jedes Mal aufs Neue. Hier kann man durch die kleine Innenstadt spazieren, sich beim Bäcker Seng was zum Naschen holen oder auf einer Bank verschnaufen. Hinter Endingen wartet gleich die nächste Verlockung: Die "Eismanufaktur Kaiserstühler Landeis" gibt es seit 2008. Im Hotel-Gasthaus "Stube" werden ständig neue und schmackhafte Eissorten entwickelt. Die Zutaten der "Eislights" sind natürlich und größtenteils lokal. Den Schwarzwaldbecher gibt es für 4,90 Euro – und da die abgestrampelten Kalorien irgendwie wieder reinmüssen ...

Weiter geht es: Der Weg führt durch Königschaffhausen und nach Sasbach. Endlich kann ich den Rhein sehen und ein paar Kilometer entlangfahren. Kurz danach wird es abwechslungsreich: Es geht durch Auenwälder, vorbei an idyllischen Seen und mystischen Ruinen. Mir kommt es vor, als flögen die Kilometer nur so vorbei. Tatsächlich: Schon bin ich in Burkheim angekommen. Die Hälfte der Strecke ist geschafft. Zeit für ein Bergfest?

Burkheim, eine Teilgemeinde von Vogtsburg, ist vor allem für seine historische Altstadt und seinen Wein bekannt. 160 Hektar nimmt der Weinbau etwa ein. 100 davon werden von der Winzergenossenschaft Burkheim ausgebaut und vermarktet. In Bötzingen habe ich noch verzichtet, jetzt probiere ich bei den Burkheimer Winzern in der Winzerstraße 8 einen Grauburgunder. Wer möchte, kann sich den Wein übrigens auch nach Hause schicken lassen.

Jetzt folgt eine der angenehmsten Strecken des Rundwegs. Nachdem man den Burkheimer Baggersee links liegen gelassen hat, fährt man immer geradeaus auf Landschaftswegen vorbei an Obstgärten, Maisfeldern und wähnt nur ein paar Meter neben sich den Rhein.

Das nächste Ziel ist Breisach am Rhein, auch Europastadt genannt. Wer die kleine Stadt mit ihren 40 000 Einwohnern nicht kennt: Breisach liegt direkt an der deutsch-französischen Grenze – die Brücke zum Nachbarland kann man auch zu Fuß oder mit dem Rad überqueren. Schon von Weitem sieht man das Wahrzeichen der Stadt: das Stephansmünster auf dem Münsterberg. Genauso beliebt ist die Uferpromenade, die auch für Fahrräder geöffnet ist. Hier gibt es ein paar nette Cafés oder Bänke, auf denen man den Sonnenschein genießen kann. Die letzte Etappe beginnt! Noch 20 Kilometer, dann ist der Kaiserstuhl-Rundweg einmal komplett abgefahren. Warum dieser Rundweg einer der entspanntesten ist: Wer in Breisach keine Lust mehr verspürt oder wessen Beine nicht mehr mitmachen, setzt sich einfach in den nächsten Zug nach Freiburg. Es muss kein bestimmtes Ziel erreicht werden, das Genießen steht hier definitiv im Vordergrund. Wer noch dabei ist, hat das Glück, auch noch einen Teil des Tunibergs zu sehen.

Vorher gibt es noch eine Perle: Nach weiteren Obstanlagen und kleinen Seitenwegen geht es in einer Schleife durch Ihringen. Dieser Ort gehört aufgrund seiner ideal geschützten Lage, den vielen Sonnenstunden und den milden Wintern zu den wärmsten in Deutschland. Kein Wunder, dass der Wein hier so gut schmeckt. Meinen Favoriten gibt es beim Weingut Karle in der Scherkhofenstraße: Den Blanc de Noir und den trockenen Weißburgunder vom Fohrenberg nehme ich mit, wenn ich das nächste Mal mit dem Auto da bin.

Kurz nach Merdingen erreiche ich den höchsten Punkt der Strecke, die mich hier direkt auf den Tuniberg führt. Hier muss man ein bisschen genauer auf die Wegführung achten, bevor es dann durch die Rebanlagen von Waltershofen nach Gottenheim zurückgeht.

Am Montag lesen Sie:
Ganz schön knackig – Höhenmeter
sammeln rund um den Schluchsee

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