Einen Besseren gibt’s immer

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Di, 19. März 2019

Theater

Freiburg: Der Kabarettist Till Reiners zu Gast im Vorderhaus.

Das schafft nicht jeder: Till Reiners ist zum ersten Mal im Freiburger Vorderhaus – und der Saal ist voll. Der in Duisburg geborene, am Niederrhein aufgewachsene und in Berlin lebende Kabarettist , der am Wochenende auch im Burghof in Lörrach auftrat, freut sich sichtlich darüber – und er belohnt seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit knapp zwei Stunden Spielfreude, Zugewandtheit und niveauvoller Unterhaltung.

Reiners ist 34, hat Politik studiert und sich dann für die Bühne entschieden. "Auktion Mensch" ist sein zweites Soloprogramm. Freimütig erklärt er seinem Publikum, warum er diesen Beruf ausübt. "Kunst ist grundsätzlich die verpackte Frage: Mögt Ihr mich?" Als Kind habe er erlebt, dass andere Kinder ihn nicht mochten, weil er dick war. "Ich war die fette Sau", konstatiert er – vor allem im Sportunterricht habe er darunter gelitten, dass die Mitschüler sich niemals freiwillig entschieden hätten, ihn in ihr Team zu nehmen. Jetzt steht er alleine auf der Bühne – und will von denen gemocht werden, die Eintritt bezahlt haben, um ihn zu sehen. Dabei spüre er den Leistungsdruck: "Es gibt keine natürliche Nachfrage nach Till Reiners". Natürlich könne immer jemand etwas besser als er. Hätte er zum Beispiel Barack Obama als Gast dabei, so würde sich das Publikum sicherlich nicht an ihn, den Gastgeber erinnern, sondern nur an Obama. Egal, was er auf der Bühne täte.

Mit solchen und ähnlichen Beispielen erklärt Till Reiners die Welt im Allgemeinen und den Kapitalismus im Besonderen. Schlüsselbegriffe wie Professionalität, Leistung, Arm und Reich, Konsum, Toleranz und Vorurteil fallen und werden in originelle Zusammenhänge gebracht. Das Politische ist bei ihm privat und das Private politisch. Eine zentrale Frage ist: "Wenn die Welt doch so schlecht ist – warum funktioniert sie dann so gut?" Dabei wirkt er wie jemand, den jede und jeder im Zuschauerraum schon lange kennt. Sein Humor ist intelligent und sein charmantes Lächeln entwaffnend.

Dennoch sind seine assoziativ aufgebauten Anekdoten nicht harmlos oder beliebig. Till Reiners benennt Missstände und zeigt Haltung. Wie jemand etwas dagegen haben kann, dass Homosexuelle heiraten dürfen, ist ihm etwa ein Rätsel. Wenn alle die gleichen Rechte hätten, würde niemandem etwas weggenommen. Es gelte also mitnichten die Annahme: Wenn Dein Leben stimmt, dann muss meines falsch sein. Mit einem herzlichen Applaus verabschiedet sich das Freiburger Publikum von Reiners – und hofft auf ein Wiedersehen.