"Einer hat einen Traktor gezogen"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 03. Mai 2021

Sonstige Sportarten

SPORTVEREINE UND CORONA – heute an der Reihe: Vorsitzender Berthold Weißer von der Gewichthebervereinigung Eisenbach.

. Die Corona-Pandemie schränkt das Leben ein. Sportvereine sind massiv davon betroffen. Nur Kaderathleten dürfen in Gebäuden derzeit in Gemeinschaft ihrem Sport nachgehen. Die Badische Zeitung fragt nach, welche Konsequenzen die Einschränkungen auf das Innenleben eines Sportvereins haben, besonders auf den Kinder- und Jugendsport. Jürgen Ruoff hat sich mit Berthold Weißer, dem Vorsitzenden der Gewichthebervereinigung (GV) Eisenbach, unterhalten.

BZ: Sie sind auf dem Sprung: Zum Training mit den Kaderathleten?
Weißer: Ja, genau. Wir haben drei Landeskader-Nachwuchsathleten im Alter von 13 bis 15: Falk Kleiser, Jannis Reiße und Fabian Hägele. Die trainieren zwei- bis dreimal die Woche.
BZ: Seit wann sind die besten Nachwuchsheber wieder im Training?
Weißer: Zwei Monate war Pause, im November und Dezember. Die drei sind zum neuen Jahr in den Kader aufgenommen worden, deshalb konnten sie im Januar wieder mit dem Training anfangen. Über WhatsApp habe ich zuvor mit ihnen zweimal in der Woche ein Online-Training angeboten. Wir haben "face to face" zusammen trainiert. Wir haben uns zusammengeschaltet und haben Techniktraining gemacht und Body-Workout, also Bauchmuskelübungen, Liegestütz, Sprünge, alles, was man mit dem eigenen Körpergewicht so machen kann. Da haben vor allem auch Kinder, Schüler und Jugendliche mitgemacht. Wir haben insgesamt acht, die immer dabei sind und ein paar weitere, die mal gekommen sind, aber noch nicht regelmäßig mitmachen.
BZ: Haben einige Heber Hanteln und andere Geräte zu Hause, so dass sie während des harten Lockdowns weitertrainieren konnten?
Weißer: Einige Mannschaftsheber haben Langhanteln und Gewichtscheiben zu Hause im Keller oder in der Garage. Im ersten Lockdown haben sie noch trainiert, nachdem die Runde jedoch abgesagt wurde, war der der innere Schweinehund in den Wintermonaten nicht groß genug, um daheim weiter dran zu bleiben. Die wollen jetzt aber wieder anfangen.
BZ: Gab es weitere gemeinsame Online-Aktivitäten neben dem bereits angesprochenen Whats-App-Training?
Weißer: Im ersten Lockdown habe ich ein "Mario-Kart-Trainingsprogranmm" zusammengestellt, abgeleitet vom gleichnamigen Computerspiel. Wer trainiert, bekommt Punkte. Das wurde von den Kindern gut angenommen, sie waren viel mehr bei der Sache als sonst, das Training war effektiver. Wir haben auch ein interne Challenge gemacht: Ich bin wie ein Frosch 200 Meter hinterm Haus den Berg hochgehopst, immer aus der Hocke anderthalb Meter in die Luft gesprungen und meine Frau hat es gefilmt. Ich habe dann einen anderen Heber nominiert, der sich auch eine Übung einfallen lassen musste. So ging es reihum. Einer hat einen Traktor ein paar hundert Meter weit gezogen. Im zweiten Lockdown habe ich über eine App einen Team-Workout zusammengestellt. Jeder, der wollte, konnte mitmachen: Liegetütz, Bauchmuskel-Übungen, Sprünge, Fahrradfahren und so. Wir haben auch im Dezember einen Workout-Adventskalender angeboten, für jeden Tag vom 1. bis 24. Dezember war ein Workout dabei. Zehn Nachwuchsheber haben daran teilgenommen. Ich habe mir schon was einfallen lassen, damit die Leute aktiv bleiben. Einige haben es genutzt, andere nicht.
BZ: Was haben Sie als Vorsitzender und Vereinsmensch am meisten vermisst, als alle Aktivitäten untersagt waren?
Weißer: Dass man sich trifft und miteinander redet. Die Kommunikation habe ich vermisst. Und auch, dass man zusammen trainiert und körperlich was macht. Wie es dem einzelnen geht, was er so macht, das bleibt alles auf der Strecke.
BZ: Rechnen Sie damit, dass einige Nachwuchsheber durch die Trainingsverbote die Lust am Sport verlieren?
Weißer: Bisher gibt es dafür bei uns im Verein keine Hinweise. Ich hoffe natürlich, dass alle bei der Stange bleiben und bin auch optimistisch, dass es auch so sein wird, aber die Gefahr besteht schon.
BZ: Blicken Sie trotz aller Einschränkungen und Hemmnisse in den vergangenen 15 Monaten zuversichtlich in die Zukunft?
Weißer: Klares Ja.
BZ: Getreu dem Motto: Ein Gewichtheber lässt sich nicht so leicht erschüttern!
Weißer: Genau. Ich blicke positiv in die Zukunft. Mit dem einen oder anderen im Verein habe ich auch schon gesprochen, die machen weiter. Der Wiederbeginn ist auch eine Chance, dass neue Mitglieder und neue Nachwuchssportler im Verein dazubekommen. Ich habe die Zeit genutzt und mir Gedanken darüber gemacht, wie man das Training für den Nachwuchs in Zukunft gestalten und attraktiver machen kann. Dinge, wie das Mario-Kart-Programm, machen es für Kinder intressanter.

Berthold Weißer ist seit 2004 Vorsitzender der GV Eisenbach. Bis vor zwei Jahren war der 49-Jährige selbst noch aktiv, seit Jahren engagiert er sich zudem als Nachwuchstrainer im Verein, der 195 Mitglieder hat.