Einfühlsame Kompositionen

Sonja Niederer

Von Sonja Niederer

Di, 21. Juni 2022

Hinterzarten

"Milch und Honig" spielt klassische und geistliche Stücke in der evangelischen Kirche in Hinterzarten .

. Das musikalische Duo "Milch und Honig" bezauberte am Sonntagnachmittag in der Evangelischen Kirche in Hinterzarten mit einer Auswahl klassischer und geistlicher Kompositionen. Wolfgang Nehlert am Kontrabass und der Pianist Dietmar Schlager spielten Stücke von Sergey Rachmaninoff über Antonin Dvorak, Ludwig van Beethoven bis hin zu Frédéric Chopin und Johann Sebastian Bach. Ergänzt wurden die Darbietungen von der Tänzerin Amelie Karl. Wolfgang Nehlert leitete mit zum Nachdenken anregenden Texten zu den einzelnen Musikstücken über.

Den beiden Künstlern und Musiklehrern Wolfgang Nehlert und Dietmar Schlager ist es wichtig, Menschen zu begegnen und dabei ihre Herzen mit Tönen zu berühren. Das ist ihnen am Sonntag zusammen mit Amelie Karl sicherlich gelungen. Wenn auch die Anzahl der Zuhörer sich auf ein gutes Dutzend beschränkte, was wohl der großen Hitze geschuldet war. Aber sie hätten auch nur für einen einzigen Zuhörer gespielt, sagte Dietmar Schlager am Ende des eineinhalbstündigen Konzerts und bedankte sich bei den Gästen für ihr Kommen und ihren Applaus.

Der Name "Milch und Honig", den sie für sich gewählt haben, solle Verheißung, Hoffnung und Verlässlichkeit symbolisieren, sagte Wolfgang Nehlert. Sie hätten sich zu Beginn der 19 Konzerte umfassenden Reihe gefragt, ob es angebracht sei, angesichts der heutigen Zeit, in der die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine allgegenwärtig sind, Musik zu machen oder sich zurückzulehnen und Musik zu hören. Aber, meinte Nehlert, "alle Musik entsteht im Herzen. Befreien wir uns von Hass und Angst und allem Schlechten."

Schon das erste Stück "Vocalise" von Sergej Rachmaninoff ließ die Zuhörer hingerissen lauschen und zur Ruhe kommen. Als eine zauberhafte Ergänzung zu den mit tiefem Gefühl vorgetragenen Melodien bewies sich Amelie Karl, die durch das Kirchenschiff schwebte und ausdrucksstark, in jeweils passenden Bewegungen und Mimik, die Inhalte der Musikstücke, ob leidvoll und verzweifelt oder auch glücklich und hoffnungsvoll, interpretierte. So war das Konzert nicht nur ein Ohren-, sondern auch ein Augenschmaus.

Bei seiner Arbeit als Musiklehrer höre er oft, dass sich seine Schüler beklagten, dass sie keine Freunde hätten, so Nehlert. Das habe ihn zu der Komposition "Loneliness" inspiriert. In der einfühlsamen Melodie konnten sich die Zuhörer sehr gut in die Gefühle einer einsamen Seele hineinversetzen.

Die Gäste ließen sich auch von den folgenden Musikstücken, wie etwa dem ersten Satz der "Mondscheinsonate" von Ludwig van Beethoven, Giulio Caccinis "Ave Maria" oder der "Fantasia Sonnambula" von Giovanni Bottesini mitnehmen und gaben den Melodien genügend Zeit nachzuklingen, bevor sie den Künstlern ihren Applaus spendeten. Das Konzert endete mit dem Stück "Erbarm dich mein, oh Herre Gott" von Johann Sebastian Bach. "Wir wünschen damit Frieden auf der Welt und in aller Herzen", verabschiedete sich Wolfgang Nehlert, auch im Namen von Dietmar Schlager und Amelie Karl.