Einst der Opa, jetzt der Enkel

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Von dpa

Fr, 12. August 2022

Sonstige Sportarten

Ruderer Oliver Zeidler möchte 50 Jahre nach seinem Opa an historischer Stätte siegen.

Diese besondere Familiengeschichte passt perfekt zum Münchner Olympia-Jubiläum. 50 Jahre nach der Ruder-Goldmedaille seines Opas strebt Oliver Zeidler in dieser Woche auf derselben Regattastrecke in Oberschleißheim den EM-Titel an. "Ich möchte auf jeden Fall eine Medaille gewinnen. Es wäre schön, wenn ich meinen Europameistertitel verteidigen könnte", sagt der 26-Jährige. Als zweimaliger Europa- und einmaliger Weltmeister ist er bei den European Championships vom 11. bis 21. August in München einer der Top-Kandidaten für eine deutsche Goldmedaille.

Fast täglich kommt der 2,03 Meter große Athlet aus Schwaig bei Erding an die Regattastrecke, die auch Großvater Hans-Johann Färber "das zweite Zuhause" nennt und wo er sich gerne an die olympische Sternstunde seines Vierers zurück. Erst nannte man das Boot, den Deutschland- oder Bodensee-Vierer, ehe später vom "Bären-Vierer" oder "Bullen-Vierer" die Rede war, das vor dem DDR-Boot siegte.

"Es war der größte Erfolg meiner Karriere, in der ich viele Niederlagen und Höhepunkte erlebt habe", sagt der 75-Jährige – und erwartet während der EM-Tage besondere Gefühle: "Da werden die Erinnerungen an 1972 nochmal richtig wach werden."

Wie Zeidler, der von seinem Vater Heino trainiert wird, so ist auch Färber sehr oft an der Regattastrecke anzutreffen. Der 75-Jährige trainiert Zeidlers Schwester Marie-Sophie, die auch bei den Titelkämpfen in München startet. Insgesamt ist die Ruder-Familie aber noch größer. Onkel Matthias Ungemach war Weltmeister im Achter, Tante Judith Zeidler Olympiasiegerin im Achter. "Es sind weniger die Gene, sondern mehr die Einstellung, die man mitbekommen hat. Für den Erfolg ist man ohnehin immer selbst verantwortlich, weil man viel dafür tun muss", sagt Oliver Zeidler.

Er selbst ist dafür sicher ein Paradebeispiel. Einst war er Schwimmer, doch nachdem sich seine Trainingsgruppe aufgelöst hatte, stieg er erst 2016 aufs Ruderboot um. Seine Kraftwerte waren herausragend, doch ein Selbstläufer ist so ein Wechsel nicht. "Ergometer schwimmen nicht, sagt man im Rudersport", erklärt Zeidler. "Es gehört viel mehr dazu als Kraftwerte. Gefühl, Technik und das Verständnis für die ganze Materie."

Am Donnerstag startete er bei den Championships, bei denen in neun olympischen Disziplinen 177 EM-Medaillenentscheidungen anstehen, gleich zum Auftakt. Unbeeindruckt von einem Missgeschick beim Start gewann der Zeidler seinen Vorlauf am Ende doch noch souverän und zog damit direkt in das Halbfinale ein. Das Einer-Finale findet am Sonntag statt.

Eine Olympia-Medaille – wie sie im Wohnzimmerschrank des Großvaters liegt – ist das große Ziel Zeidlers. Als Goldkandidat war er in Tokio nur Siebter geworden. "Das Jahr 2021 ist für mich erledigt, der Blick geht nach vorne", sagt er. "In zwei Jahren sind wieder Olympische Spiele, da liegt jetzt der Fokus drauf."