Tennis

Einst gegen Djokovic, nun für Lörrach/Schopfheim

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Di, 25. Juni 2019 um 18:00 Uhr

Tennis

Aufsteiger TSG TC Lörrach/SV Schopfheim müht sich in der Tennis-Badenliga 30 und benötigt für den Klassenerhalt den perfekten Saisonabschluss.

Am Ende hat also das Wetter die Hoffnung erhalten. Da sich Petrus am Wochenende gnädig zeigte und den Hochrhein von allzu starkem Niederschlag verschonte, können die Badenliga-30-Tennisspieler der TSG TC Lörrach/SV Schopfheim am Wochenende beim ersten von zwei Endspielen um den Klassenerhalt auf ihren Hoffnungsträger Nummer eins zurückgreifen: Benjamin Rufer, Profi im Ruhestand, ist der personifizierte Silberstreif am Tennishorizont der Lörrach-Schopfheimer SG.

"Ich bin ständig zwischen Platz 400 und 200 der Weltrangliste geschwankt." Benjamin Rufer
Heute gegen TC Villingen und TC Harmonie Mannheim im Einsatz, spielte er einst unter anderem gegen heutige Stars der Szene wie Novak Djokovic. Gegen den Serben verlor er 2004 bei einem Future-Turnier in Italien mit 3:6, 4:6. "Ich bin ständig zwischen Platz 400 und 200 der Weltrangliste geschwankt", erzählt der 35-Jährige. Mehrere Jahre stand er vor dem Sprung in die Weltspitze.

Schweizer Meister wurde er, stand 2000 im Halbfinale beim renommiertesten Jugendturnier der Welt, dem Orange Bowl in Key Biscane, Florida. Im zweiten Semifinale verlor damals Jo-Wilfried Tsonga. Auf der sogenannten Future Tour des Weltverbands – der niedrigsten Profiserie und gleichzeitig Plattform für Talente – holte Rufer sich in Aquila, Italien, und nahe der Heimat in Wilen zwei Erfolge. Das große Tennis schien nicht mehr weit.

Doch weil der Durchbruch nie ganz gelang, sattelte er bereits mit 22 Jahren um. Anstatt weiter der großen Tennis-Karriere nachzujagen, setzte er auf die bodenständige Variante: Geologie–Studium in Zürich. Mittlerweile ist er als hauptamtlicher Trainer beim TC Muttenz tätig – und musste vergangenes Wochenende die Jugendteams coachen. Da es nicht regnete, konnte Rufer seinem Job nachgehen. Und dadurch wiederum hat er am kommenden Wochenende frei. Was sich aus Sicht der Hochrheiner Spielgemeinschaft gut trifft, da nämlich geht es gegen den direkten Abstiegskonkurrenten TC Harmonie Mannheim um eminent wichtige Punkte, Rufer soll zu seinem Saisondebüt kommen. "Mit ihm sollten wir gute Chancen haben", strahlt Björn Müller vor den zwei entscheidenden Saisonspielen Zuversicht aus.

Vor zwei Jahren drohte das Aus – nun Badenliga

Seit knapp einem Jahrzehnt serviert der 45-Jährige für die Hochrheiner. Stetig hat er sich intern nach oben gepirscht, von den hinteren bis auf die mittleren Positionen. Genau wie sein Verein, der im vergangenen Sommer den überaus überraschenden Aufstieg in die Badenliga schaffte. Als die TSG drauf und dran war, aufzusteigen, kam Rufer in den letzten zwei Matches zum Einsatz – und blieb ohne Satzverlust. Während das Team vor zwei Jahren aufgrund großer Fluktuation vor dem Aus stand, befeuerte der frische Wind neuer Mitspieler sowie eine ausgeprägte Teamchemie den Überraschungserfolg. "Das war letztes Jahr überragend", findet Müller. Kapitän und Lörracher Timo König betont: "Dass wir uns vor zwei Jahren mit Schopfheim zusammengetan haben, hat sich bewährt."

Dennoch aber läuft es diese Spielzeit bescheiden. Weder für den Badenligisten noch für Müller. Wie die Mitspieler schlägt er sich mit Verletzungen herum. Ein kaum zu kompensierendes Hindernis. "Und die neue Zählweise tut ihr Übriges", stöhnt Müller. Seit dieser Runde zählt jedes Spiel. "Was gut ist für Teams, die Spiele knapp verlieren, aber deutlich gewinnen." Da die TSG bis dato deutlich verlor und nur einmal knapp gewann, ist die Tabellensituation kurz vor Saisonende alles andere als rosig. Wohl nur bei klaren Erfolgen über die direkte Konkurrenz aus Mannheim und gegen das Topteam TC BW Donaueschingen ist der Klassenerhalt noch zu schaffen.

Müller gewann im Mai ITF-Seniorenturnier in Kroatien

Auch Florian Müller, letzte Saison in der Oberliga mit zwei Siegen im Einzel und vier im Doppel, ist nach sechs Matches noch sieglos. Für den Schopfheimer lief es in diesem Jahr dennoch ordentlich: Im Mai gewann er ein ITF-Seniorenturnier in Kroatien, rutschte in die Top 30 der Weltrangliste (M 35).

Was macht Hoffnung? Zum einen lichtet sich das Lazarett. Müller und Co. tasten sich schrittweise an den Court heran. Und es sind alle Hoffnungsträger zurück. Neben Rufer soll am Wochenende auch der Spanier David Perez spielen. "Ein echter Sandplatzspezialist, kaum zu schlagen", schwärmt Müller. Zusätzlich könnte Dimitry Koch auflaufen. Der hauptamtliche Tennistrainer aus Therwil, der in Zürich wohnende Perez und Ex-Profi Rufer dürften die Verletzungsprobleme der letzten Wochen vergessen machen. Sollten alle drei am Sonntag servieren können, ist ein Sieg gegen Mannheim realistisch. Was sicherlich positiv aufs Gemüt schlagen würde und Basis für einen Überraschungssieg zum Saisonausklang eine Woche sein könnte.