Corona und der Hallensport

EINWURF: Nur Abbruch bringt Klarheit

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Mo, 26. Oktober 2020

Handball Allgemein

Nico Baumann, Trainer der Schutterwälder Oberliga-Handballmannschaft, sprach wohl vielen Sportlern aus der Seele, als er am Freitagabend mit Blick auf die eigene Begegnung am Samstag den Wunsch äußerte, die Saison solle abgebrochen werden (siehe Spielbericht links). Neue Wege über einen Seiteneingang, Absperrungen, Einlasskontrollen und Desinfektionsspender prägen schon seit Wochen das Bild in den Sporthallen. Der Aufwand und die Kosten sind immens. Nun wurde die Zahl der erlaubten Zuschauer weiter limitiert, zudem die Maskenpflicht auch auf dem Sitzplatz während des Spiels eingeführt. Raum für den Spaß am Spiel ist für Aktive wie Zuschauer kaum mehr da. Der Wunsch nach klaren Verhältnissen ist mittlerweile der Wunsch nach dem Abbruch der Spielzeiten, denn mancher Sportler fragt sich: Wozu noch das alles? Wozu das Training? Wozu am Spieltag kämpfen bis zur Erschöpfung? Die Frauen des Volleyballclubs Offenburg haben bereits erklärt, vorerst nicht antreten zu wollen. Im südbadischen Handball wurden am Wochenende 36 von 75 Begegnungen abgesagt. Die Infektionszahlen sind trotz aller Vorschriften am Explodieren, eine Wende ist nicht in Sicht. Das Risiko, Mannschaftssport zu betreiben, steigt genauso wie die Zahl der Sportler, die in den nächsten Tagen und Wochen positiv getestet werden. Der Lockdown in den regionalen Ligen steht bevor, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Eine Wertung der Saison mit Hilfe der Quotientenregelung wäre absurd. Dazu reicht die Basis mit einer Handvoll Spieltagen nicht aus. Die einzige Lösung wäre jene, die auch Nico Baumann im Sinn hat: Die komplette Annullierung der Runde – auch wenn dann viele bisherige Bemühungen für die Katz’ waren. Lieber heute als morgen.