Familie

Einzelkind bleibt man ein Leben lang

Franz Schmider

Von Franz Schmider

So, 09. August 2020 um 17:54 Uhr

Liebe & Familie

BZ-Plus Verwöhnte Egoisten? Rund ein Drittel aller Kinder in Deutschland wachsen heute ohne Geschwister auf. Das ist zweifelsohne anders als in einer größeren Familie. Über Einzelkinder und Klischees.

Einmal möchte ich spüren, wie sich das anfühlt, wenn statt der nagenden Sehnsucht ein großer Bruder oder eine kleine Schwester da ist. Heute in Krisenzeiten, früher auf dem Schulhof. Ich wäre gern mit jemandem in eine Höhle gekrochen, nachdem Mama erzählt hat, dass Papa was mit einer anderen Frau hat.
Gesprächsprotokoll eines Einzelkindes (Name der Redaktion bekannt)
Wovon Geschwister träumen, ist Einzelkindern gänzlich unbekannt: Einmal nicht die Hose des großen Bruders auftragen müssen, die "doch noch gut ist"; nicht schon wieder auf die Kleinen aufpassen müssen; nicht schon wieder um acht ins Bett müssen, weil "es Zeit ist für die Kinder"; nicht schon wieder den Geschwistern hinterherlaufen, ohne sie jemals einholen zu können, weil sie älter sind, größer, stärker, erfahrener; einmal nicht verglichen werden mit der sportlichen Schwester; einmal nicht an einen Ort kommen, an dem man seinen Familiennamen nennt und sofort ein wissendes "Ach du bist der kleine Bruder von ..." ertönt. Einmal kein Anhängsel sein. Einzigartig. Unvergleichlich. Ein Einzelstück, nicht nur Glied einer Kette.

Im vergangenen Jahr gebar laut Statistischem Bundesamt eine Frau in Deutschland im Schnitt 1,57 Kinder. Die sogenannte Fertilitätsrate ist damit zuletzt ganz leicht gestiegen. Die Zahl bedeutet aber nicht, dass Familien in Deutschland ein bis zwei Kinder haben. Kinderlose senken den Durchschnitt, und deren Zahl hat zuletzt leicht zugenommen. Laut Mikrozensus wachsen in Deutschland 31 Prozent aller Kinder ohne Geschwister auf. Diese Zahl ist gemäß der amtlichen Statistik seit 30 Jahren nahezu konstant. Eine zweite Zahl ist ebenfalls seit rund 30 Jahren nahezu konstant: In 51 Prozent der Familien in Deutschland lebt nur ein Kind. Die Differenz resultiert aus der Erhebungsmethode.

Lebt an einem Stichtag in einer Familie nur ein Kind oder Jugendlicher, muss es sich nicht um ein Einzelkind handeln. Denn 50 Prozent aller Kinder sind in ihrem ersten Lebensjahr geschwisterlos, im Alter von 10 Jahren leben nur 17 Prozent ohne Geschwister im Haushalt. Erstgeborene und Letztgeborene sind phasenweise das ...

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