Den Kiez gegen das Dorf tauschen

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Do, 16. Januar 2020

Eisenbach (Hochschw.)

Die Autorin und Zeichnerin Eva M. Müller aus Hamburg ist Eisenbachs neue Dorfschreiberin / Verein hat Mitgliedersorgen.

EISENBACH. Kultur in die Gemeinde zu bringen und dort zu verankern, das ist das Bestreben des Förderkreises Kreatives Eisenbach, der nun Rückschau auf das vergangene Vereinsjahr hielt. Außerdem wurde die neue Dorfschreiberin vorgestellt: Die Autorin und Zeichnerin Eva M. Müller verlässt ihr Atelier auf St. Pauli, um für drei Monate in den Hochschwarzwald zu kommen.

Die Dorfschreiberin

Die 38-jährige Eva M. Müller hat sich unter sieben Bewerbern für das Dorfschreiberstipendium empfohlen. Gesucht wurde in der Ausschreibung ein Autor oder eine Autorin im Bereich der neuartigen Form der Graphic Novel, also der graphisch illustrierten Romane. Eva M. Müller ist in einem Dorf im Saarland nahe der französischen Grenze geboren und aufgewachsen, studierte in Koblenz Sozialwissenschaft und schloss ihr Studium mit Diplom ab. Nach ihrem Studium zog es sie ins Ausland, in Rumänien sowie in Südostasien wirkte sie als Sozialarbeiterin. Da sie deshalb keine Wohnung mehr in Deutschland hatte, aber hierher zurückkehren wollte, zog sie übergangsweise nach Hamburg zu einer Freundin. Aus dieser Übergangslösung wurde ein Zuhause und seit 2003 lebt Müller nun in Hamburg.

Nachdem sie viele Jahren als Sozialpädagogin gearbeitet hatte, begann sie erneut ein Studium für Illustration an der Hochschule für angewandte Kunst in Hamburg, welches sie mit dem Bachelor abschloss. Seitdem arbeitet sie als freie Autorin und Zeichnerin in ihrem kleinen Atelier im Herzen von St. Pauli. Für ihre Arbeit erhielt sie in der Vergangenheit Preise und Stipendien, beispielsweise ein dreimonatiges Stipendium in Japan von der Media Artist in Residency oder im Jahr 2006 ein Stipendium in Rumänien, das Leonardo Da Vinci Aufenthaltsstipendium in Bukarest. Eine Ehrennennung erfuhr sie für einen Kurzcomic in Treviso in Italien. Eisenbach, so Jurymitglied Joachim Hacker, freue sich auf Eva M. Müller, auf den Austausch und eine spannende Begegnung mit ihr.

Die Aktionen

Autorenlesungen, Veranstaltungen wie der Maimarkt oder die Kunstausstellung wurden vom Förderkreis Kreatives Eisenbach wieder mit viel Mühe organisiert – doch die Besucherzahl blieb unter den Erwartungen zurück, beklagte Renate Sinnreich. Ein Publikumsmagnet hingegen sei die Offene Bühne, welche von Thomas Schwörer mit dem Förderkreis veranstaltet wird. Der Erfolg dieser Veranstaltung sei auch in der Vereinskasse zu spüren.

Sorge macht die sinkende Zahl der Mitglieder: Allein 2019 mussten vier Austritte hingenommen werden, gegenwärtig sind es nur noch 24 Personen, die dem Förderkreis die Treue halten. Ihnen macht auch das Dorfschreiber-Stipendium zu schaffen: Finanziert wird es zu einem Löwenanteil von der Autoren-Stiftung, die vom verstorbenen Ulrich Beer ins Leben gerufen wurde. Doch ausbleibende Zinserträge werden künftig dazu führen, dass der Zuschuss an den Förderkreis nicht mehr in der gewohnten Höhe ausfallen wird. All diesen Widrigkeiten zum Trotz will der Förderkreis sowohl am Dorfschreiberdasein als auch an Veranstaltungen, die nahezu keinen Gewinn abwerfen, festhalten.

Bürgermeister Alexander Kuckes lobte die hochkarätigen Veranstaltungen, bemerkenswert sei die Arbeit dafür, die sich nur auf wenige Schultern der Vereinsmitglieder verteile.