"Rosetta"-Mission

Eisstaub, poröser als der Milchschaum auf einem Cappuccino

dpa/AFP

Von dpa & AFP

Do, 29. Oktober 2020 um 20:58 Uhr

Panorama

Der viereinhalb Milliarden Jahre alte Eisstaub auf dem Kometen Tschuri ist extrem porös: Ergebnisse der "Rosetta"-Mission zeigen, dass der Komet eher ein Styroporfelsen ist.

Mit wissenschaftlicher Detektivarbeit haben Forscher ein bisheriges Rätsel der "Rosetta"-Mission gelöst: Der Lander "Philae" setzte bei seiner missglückten Landung auf dem Kometen "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" im November 2014 zwischenzeitlich auf 4,5 Milliarden Jahre altem Eis auf. Bisher waren dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) zufolge nur der Erstkontakt und der Zielpunkt des Landemoduls bekannt.

"Philae" konnte sich bei der Landung auf dem Gesteinsbrocken nicht richtig verankern und hüpfte quasi über den Kometen. "Nun kennen wir endlich den genauen Ort, wo "Philae" zum zweiten Mal den Kometen berührte", sagte Jean-Baptiste Vincent vom DLR-Institut für Planetenforschung. Damit könne nun die genaue Flugbahn rekonstruiert werden.

In Detektivarbeit mit der Auswertung von Bildern einer hochauflösenden Kamera und Messungen eines Magnetometers fanden die Forscher die Eis-Parzelle, auf der "Philae" kurz vor seinem endgültigen Stopp aufsetzte. Messungen hätten gezeigt, dass diese Milliarden Jahre alte Eisstaubmischung sehr weich ist. Dem DLR zufolge ist sie poröser als Milchschaum auf einem Cappuccino oder der Schaum in einer Badewanne. Untersuchungen hätten auch eine Schätzung der Porosität des Gesteins ergeben, das der Lander touchierte: 75 Prozent würde aus Hohlräumen bestehen. Die allgemeine Vorstellung von Felsbrocken im All sei hier also eher ein Styroporfelsen. Diese Ergebnisse seien für die wissenschaftliche Charakterisierung von Kometen als ursprüngliche Körper des Sonnensystems und auch für weitere Missionen in das Weltall wichtig.

Die "Rosetta"-Mission zu dem Kometen Churyumov-Gerasimenko startete am 2. März 2004 zu ihrer zehnjährigen Reise. Dabei führte sie ihre Flugroute durch das Sonnensystem und flog einmal am Mars und dreimal an der Erde vorbei. Kometen gelten dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen zufolge als Boten der Entstehungsgeschichte des Sonnensystems.