Listerien in Milchprodukten

Elsasser Käserei wegen Bakterienbefalls geschlossen – Infizierte auch in Südbaden?

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mi, 11. September 2019 um 20:39 Uhr

Südwest

Sieben Fälle von Listeriose wurden nach dem Verzehr von Milchprodukten von Ferme Durr bestätigt. Die Käserei verkauft auch auf dem Freiburger Münstermarkt. Möglicherweise haben sich Kunden infiziert. Die Krankheit kann gefährlich sein.

Im Elsass haben sich sieben Fälle von Listeriose bestätigt, die nach dem Verzehr von Milchprodukten der Ferme Durr in Boofzheim aufgetreten sind. Der Straßburger Präfekt hat den Biobetrieb deshalb bis auf Weiteres geschlossen. Sämtliche Eigenprodukte wie Joghurt und Rohmilchkäse sowie Fleisch- und Wurstwaren anderer Erzeuger, die von dem Biobetrieb vertrieben werden, rufen die Behörden nun zurück. Die Ferme Durr verkauft ihre Produkte immer mittwochs auch auf dem Freiburger Münstermarkt.

Möglicherweise auch Kunden in Südbaden infiziert

Möglicherweise haben sich auch Kunden in Südbaden nach dem Verzehr von Produkten der Ferme mit Listeria-Bakterien infiziert. Am gestrigen Mittwoch kam die Ferme nicht nach Freiburg, die Eigentümer hatten dem Marktmeister Walter Drayer abgesagt. Über die Gründe war Drayer am Mittwochvormittag allerdings nicht informiert. Die Entscheidung der französischen Behörden, die Ferme zu schließen, lag zu diesem Zeitpunkt nur wenige Stunden zurück.

Nach einem ersten Verdacht Ende vergangener Woche hat die zuständige Aufsicht den Betrieb kontrolliert, Proben entnommen und Listerien vor Ort wie in Produkten gefunden. Die bislang bei Kunden nachgewiesenen Infektionen seien alle auf denselben Erregerstamm zurückzuführen, heißt es. Ein achter Fall stehe im Raum. Weitere könnten folgen: Die Inkubationszeit für Listeriose beträgt bis zu acht Wochen.

Vor allem für immungeschwächte Menschen und Schwangere gefährlich

Die Krankheit ist vor allem für immungeschwächte Menschen und Schwangere gefährlich. Die anfänglichen Symptome können einer Grippe oder einer Magen-Darm-Erkrankung ähneln. Die Krankheit kann tödlich sein.

In einer Stellungnahme des Pariser Landwirtschaftsministeriums ist die Rede von weitreichenden Verunreinigungen und schweren Mängeln in der Ferme. Die Vorwürfe wiegen schwer, zumal der seit 1972 bestehende Betrieb im elsässischen Boofzheim (auf der Höhe von Lahr) bisher nicht entsprechend aufgefallen war. Die Präfektur hat inzwischen auch rechtliche Schritte eingeleitet.

Die Eigentümer waren am Mittwoch nicht zu erreichen. Die Einstellung der Produktion durch die Behörden ist auch für die 36 Beschäftigten ein schwerer Schlag. Insgesamt verarbeitet der Betrieb nach eigenen Angaben jeden Monat 80.000 Liter Milch, 30.000 Liter davon stammen von eigenen Kühen. Sechs bis acht Mal pro Jahr, heißt es auf der Internetseite des Betriebs, würden sämtliche Produktgruppen von einem externen Labor geprüft. Im Juli hatte eine Charge wegen Listerien zurückgenommen werden müssen, sagten die Verantwortlichen der Ferme der Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace.

Im Elsass werden die Milchprodukte, Käse sowie Fleisch- und Wurstwaren anderer Erzeuger im Direktverkauf in Boofzheim, in zahlreichen Supermärkten sowie auf Wochenmärkten vertrieben.