"Bebauungspläne alten Stils"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 07. April 2021

Elzach

Die BUND-Ortsgruppe Elzach kritisiert die Nichtbeachtung sozialer und umweltpolitischer Aspekte.

(BZ). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppe Oberes Elztal, gibt eine Stellungnahme zu den Bebauungsplänen der Stadt Elzach ab. Diese wird vom Landesnaturschutzverband (LNV) Baden-Württemberg unterstützt. Beide Verbände halten die Baupolitik der Stadt Elzach weder für innovativ oder zukunftsweisend noch für beispielgebend für die Bürger.

In der Verlautbarung der BUND-Ortsgruppe wird der Stadt vorgehalten, mit Planvorgaben fortzuschreiben, was im vergangenen Jahrhundert zu Zersiedlung und Flächenverbrauch geführt habe. Die "mit isolierten Einzelhäusern" ausgewiesenen Baugebiete seien rückschrittlich, da sie "eher asoziale statt gemeinschaftsfördernde Wirkung entfalten". Es sei außerdem, so der BUND, bedauerlich, dass aus den drei Fraktionen im Gemeinderat und auch nicht von einzelnen Ratsmitgliedern neue Ideen eingebracht werden. Statt eigenen Gedanken, so der Anschein, werde "eine kritiklose Annahme der Verwaltungsvorlagen" bevorzugt.

In der Stellungnahme des BUND und LNV zu Bebauungsplänen in Elzach wird Bezug genommen auf das halbe Dutzend Baugebiete, das die Stadt derzeit ausweist. Sämtliche Gebiete würden noch nach dem umstrittenen § 13b Baugesetzbuch (beschleunigtes Verfahren) und damit "ohne Prüfung auf ihre Umweltverträglichkeit" ausgewiesen und umgesetzt. Bevorzugt würden "Ein-, allenfalls Zweifamilienhäuser, Möglichkeiten für gemeinsames Bauen oder Wohnen gibt es nicht". Der BUND weiter: "Von der soziologischen Fachliteratur bis in Tageszeitungen wird beanstandet, dass diese Art der Siedlungsentwicklung im Hinblick auf die Bedürfnisse der jüngeren und alten Bevölkerung, auf Umweltauswirkungen, Klimawandel und Flächenverbrauch den Anforderungen der Zeit nicht mehr entspricht". BUND und LNV lehnen diese Art der "Bebauung alten Stils" deshalb ab.

Die zwei Verbände erwarten von einem Bebauungsplan, dass gemeinsames Bauen ermöglicht wird und dass nicht die Autos, sondern die Bewohner im Fokus stehen. Die Stadt Elzach gebe vor, mit den Bebauungsplänen Wohnungen für junge Familien zu schaffen – dem würden die Inhalte jedoch widersprechen: " Platz für Kinder, wo sie rennen, sich mit anderen treffen, etwas bauen, sich verstecken und spielen können, gibt es nicht". BUND und LNV plädieren dafür, die Bebauung so anzuordnen, dass der Straßenverkehr außerhalb bleibt und vor den Häusern öffentlicher Platz entsteht, auf dem Kinder spielen, Alte sitzen und Nachbarn sich treffen können, ohne gleich die Grenze zum andern übertreten zu müssen.

Es sei doch "Aufgabe der Stadt, solche Räume zu schaffen". Stattdessen gebe es in den Plänen "nur Raum für das Auto. Bürgersteige werden mit so niedrigen Randsteinen gebaut, dass sie gut mit dem Auto befahren werden können". Das sei unsinnig, so der BUND. Denn wo nur Anliegerverkehr ist, braucht es keinen Bürgersteig. Fehlt ein solcher, entsteht "gemischter Verkehr". Da werde automatisch vorsichtiger gefahren, weniger Fläche verbraucht und weniger versiegelt.

Weiter fragt die Ortsgruppe, "warum die Stadt nicht wenigstens das Sammeln von Regenwasser empfiehlt" – für Spülung der Toiletten und Gießen der Blumen. Oder das Versickern von Regenwasser auf dem Grundstück? Auch im Trennsystem der Kanalisation werde es dem Naturkreislauf entzogen. Schottergärten sind jetzt durch Landesgesetz untersagt, aber selbst eine Aufforderung, statt sterilem Rasen eine Blühwiese anzulegen, stehe noch in keinem Bebauungsplan. Geeignete Samenmischungen könnte die Stadt ohne große Kosten den Bauherren zur Verfügung stellen und so zugleich Akzeptanz schaffen, so der BUND.