Stressige Fälle für angehende Ärzte

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Mi, 05. Juni 2019

Elzach

Großeinsatz: Am 17. "Elzacher Notfalltag" nahmen neben 64 Medizinstudenten auch Ärzte, Feuerwehrleute und Rotkreuzhelfer teil.

ELZACH. 64 Medizinstudenten der Universität Freiburg, Feuerwehrleute, Ärzte, Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes vom Kreisverband Emmendingen und vom Ortsverein Elzach sowie "Schauspieler" als "Verletzte": Über 150 Personen beteiligten sich am Samstag am "17. Elzacher Notfalltag" und übten dabei den Ernstfall. Für die Medizinstudenten war dies die erste Übung unter realistischen Bedingungen.

Auch für die Freiwillige Feuerwehr Elzach ist der Notfalltag eine wichtige Übung. Sie bereitete acht verschiedene Unfallszenarien vor und trainierte dabei technische Hilfeleistungen: Mit Hilfe einer Art Seilwinde eine verletzte Person aus einer Grube retten, eine andere Person war auf einem Gerüst verunglückt und musste mit der Drehleiter gerettet werden. Für eine Person mit Suizid-Absichten wurde das Sprungpolster aufgebaut und bei einem Waldunfall musste ein Baum von der darunterliegenden Person entfernt werden. Außerdem: Personen aus einem Auto befreien oder der Einsatz von Rettungsplattformen beim Lkw-Fahrer, der hinter dem Steuer einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Für die Feuerwehr war der Tag auch eine Demonstration ihrer Leistungsfähigkeit. Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Disch nahm am Nachmittag an der Führung teil und war beeindruckt von der Vielfalt der technischen Hilfeleistungen, die eine Feuerwehr können und für die sie ausgerüstet sein muss.

Die 64 Medizinstudenten hatten solche Szenarien schon öfter in neutraler Umgebung an Puppen geübt. Für sie war neu, dass jetzt Mimen die verletzten Personen darstellten und das Szenario realitätsnah war. Eine völlig neue Erfahrung war auch die Kommunikation mit den Feuerwehrleuten, die Hierarchien und die Abläufe am Unfallort. Für die Studenten bedeutete dies zunächst Stress, mit der Zeit bekamen sie aber mehr und mehr Routine. Drei Szenarien waren für sie besondere Herausforderungen: Da gab es erstens die Frau, die aus dem Fenster springen wollte, um sich umzubringen. Aufgabe der Studenten war es, die Frau vom Springen abzuhalten. Der Studierende, der gerade den Notarzt spielte, kam aber nicht ins betreffende Zimmer – die Tür war abgeschlossen, die Feuerwehr musste helfen, die Tür öffnen. Die Schauspielerin, die die Suizidgefährdete mimte, war scheinbar kaum von dem Vorhaben abzubringen und stellte die Studenten ständig vor neue Herausforderungen.

Zweites ergreifendes Szenario war eine Puppe als Kind, das sich am Herd verbrannt hat. Die Puppe, vom Arzt über einen Laptop gesteuert, schrie und zeigte auch körperliche Symptome, die die Studenten behandeln mussten. Die Schauspielerin, die die "Puppenmutter" darstellte, reagierte darauf, wie die Studenten sie behandelten – ob sie ignoriert oder ins Geschehen mit einbezogen wurde.

Drittes – schwierigstes – Szenario: Mehrere Verletzte in einem Kleinbus. Hier war es für die Studenten schwierig, zu entscheiden, wer am schwersten verletzt ist und zuerst Hilfe benötigte. Das Baby, dem man, dem Impuls folgend, zuerst Aufmerksamkeit widmete, war jedoch schon tot und musste ignoriert werden. Alle Studentengruppen fühlten sich beim Lösen dieses Szenarios gestresst.

Initiiert hatten den "Elzacher Notfalltag" einst der damalige Feuerwehrkommandant Adrian Burger und Dr. Axel Schmutz von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Universitätsklinik Freiburg. Mit diesem Tag sollen angehende Ärzte an Notfallsituationen herangeführt werden. Für Rettungsassistenten dient der Tag als Fortbildungsveranstaltung. Seitens der Feuerwehr Elzach oblag die Organisation Gesamtwehr-Kommandant Thomas Dufner und Abteilungskommandant Joachim Gäßler. Beteiligt waren aber auch befreundete Feuerwehren, ohne die dieser Notfalltag nicht ausgerichtet werden könnte.