"Wir sind anders"

Georg Voß

Von Georg Voß

Mi, 22. Mai 2019

Emmendingen

Bürgerforum Windenreute präsentierte sich und sieht gute Zusammenarbeit mit dem Ortschaftsrat.

EMMENDINGEN-WINDENREUTE. Recht begeistert vom Besucherandrang waren am Sonntag Uschi Krüger und Jens Höhne bei der Präsentation des Bürgerforums Windenreute im Heimathaus. Bereits zur Eröffnung kamen 50 Besucher. Im Laufe des Tages wurden es 200 Interessierte, die das Gespräch mit den beiden Sprechern und den Vertretern der einzelnen Arbeitsgruppen suchten. Das ist für einen Ortsteil mit seinen rund 1800 Einwohnern ein sehr gutes Ergebnis und zeigt auch die Wertschätzung der Arbeit des Bürgerforums in der Windenreuter Bevölkerung. Geplant war bis 16 Uhr, dennoch gingen die Gespräche noch eine halbe Stunde weiter.

Das Bürgerforum sorgte nur für informative Stellwände über Geschichte, aktuelle Tätigkeiten und Zielsetzungen, für anschauliche Modelle für Bebauungen, aber auch für Kaffee und Kuchen. Ein Bürgerforum muss dies alles aus der eigenen Tasche bezahlen; es arbeitet gemeinnützig, ist aber kein Verein, der durch den Status der Gemeinnützigkeit Mitgliedsbeiträge und Spenden erheben und kassieren kann.

Ausgangspunkt und Initialzündung des Bürgerforums war im Sommer 2014 eine Bürgerversammlung im Heimathaus, zu der die Stadtverwaltung eingeladen hatte. Thema war die Weiterentwicklung des Ortes, bei der die Bürger Gestaltungsideen für die Ortsmitte einbringen sollten. Das führte zur Bildung eines Arbeitskreises. "Es gab viel Interesse an der Gestaltung der Ortsmitte", erinnert sich Jens Höhne. Aber sofort wurde klar, dass es auch um weitere Themen geht: Soziales, Wohnen, Bauen, Verkehr, Kultur, Natur und Landschaft. Zwischen Dezember 2014 und Dezember 2015 begannen die monatlichen Treffen des Arbeitskreises mit 20 bis 25 Teilnehmern.

900 Unterschriften wurden gesammelt

Bei einer erneuten Einwohnerversammlung im Heimathaus wurden die Ergebnisse präsentiert. Jens Höhne und Uschi Krüger sammelten von Tür zu Tür Unterschriften und bekamen rund 900 zusammen. Im April 2016 wurde das Bürgerforum gegründet und von der Stadt genehmigt. Seitdem trifft sich das Forum monatlich. Entsprechend bildeten sich Arbeitsgruppen zu den genannten Themen. Auch ging das Bürgerforum online. Es geht dem Bürgerforum um die Entschärfung von Gefahrenstellen wie an der Schul- und Bergstraße und der Verkehrsberuhigung der Lindenstraße, aber auch um den Ausbau des ehemaligen Gasthauses Linde. Die Stadt erwarb 2017 die Linde und nutzt ein Teil der Räumlichkeiten als Schulmensa. "Wir wollen auch eine multifunktionale Nutzung des Gebäudes als Begegnungsstätte und Bürgertreffpunkt", sagt Uschi Krüger. Sie denkt an Etablierung von Spielgruppen, an einem Treffpunkt für Jung und Alt. "Da sind wir noch dran." Die Lindenbergstraße vor der Schule ist zur Spielstraße und die Fahrbahn verengt worden. Zudem ist die Bushaltestelle barrierefrei.

Eine weitere Projektidee ist die Renaturierung des Wannenbachs, zum Hochwasserschutz und mit einer attraktiven Gestaltung eines mäandernden Baches mit Sitzmöglichkeiten. Zudem fordert das Bürgerforum eine Mehrzweckhalle für Windenreute. Der Standort sollte möglichst in Schulnähe sein. Die Grundschule, die Waldorfschule, der Musik-, Fußball- und Schützenverein haben Bedarf angemeldet. "Wir sind einfach nicht nur gegen etwas", hebt Jens Höhne die Vorzüge des Bürgerforums hervor und wendet sich gegen Gruppen, die sich etwa ausschließlich gegen eine Bebauung vor der eigenen Nase gegründet haben. "Wir sind anders. Wir arbeiten in allen möglichen Dimensionen." Er setzt auf Kompromissfähigkeit und sieht sich nicht als Konkurrenz zum Ortschaftsrat. "Wenn das Bürgerforum und der Ortschaftsrat zusammenarbeiten, kann man was erreichen." Die Zusammenarbeit funktioniere gut. Auch beim sensiblen Thema Bebauung wie etwa auf dem Areal zwischen Bergstraße und Rathausweg unterhalb des Windenreute Hofs sieht sich das Bürgerforum nicht als Verhinderer. "Wir sind für die Schaffung zusätzlichen Wohnraums, aber der dörfliche Charakter von Windenreute sollte erhalten bleiben", sagt Uschi Krüger. "Wir haben großen Rückhalt in der Bevölkerung", ergänzt Jens Höhne und verweist auf "Mein Emmendingen 2035" bei der Windenreute unter den Ortsteilen bei der Frage, wo man gerne wohnt, die höchste Zustimmung hatte.