Er hat sich entschuldigt, und damit sollte es doch auch gut sein

Marga Weidner (Weil am Rhein)

Von Marga Weidner (Weil am Rhein)

Mi, 05. Mai 2021

Leserbriefe

Im Fußball kenne ich mich wenig aus, aber diesen Artikel las ich, weil er so brisant erschien. Seinen Streitpartner im Wortgefecht mit einem früheren NS-Richter zu vergleichen (hier: Freisler) ist zwar nicht unbedingt fein. Aber wenn man interne Machtstrukturen erkennt, die einen irgendwie in Rage bringen, kann man so eine Äußerung zumindest verstehen. DFB-Präsident Fritz Keller hat sich danach in aller Form entschuldigt, und damit sollte es doch auch gut sein.

Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Nun gibt es sogar Rücktrittsforderungen, alle sind fürchterlich beleidigt und entsetzt. In diesem Zusammenhang darf man sich schon mal erinnern, dass ein früherer NS-Richter namens Hans Filbinger von 1966 bis 1978 Ministerpräsident von Baden-Württemberg war, und erst auf Druck von außen musste er Farbe bekennen und sein Amt aufgeben. Der frühere Ministerpräsident Hans Filbinger, ein früherer Nazi-Marinerichter, der sogar nach Kriegsende noch maßgeblich für Verurteilungen und ein Todesurteil verantwortlich war.

Skandalös ist, dass damals alle wegschauten, und bei mir, die ich während seiner Amtszeit aufwuchs, hat sich bis heute niemand "entschuldigt". Was wäre eigentlich gewesen, wenn Fritz Keller anstatt Freisler den Namen Filbinger als Vergleich benutzt hätte? Da wäre ich mal wirklich auf die Reaktionen gespannt gewesen. Marga Weidner, Weil am Rhein