Er steigt den Leuten gerne aufs Dach

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mi, 06. November 2019

Hinterzarten

Felix Kapp aus Hinterzarten wird Kammersieger der Dachdecker und holt den zweiten Platz beim Landesentscheid.

TITISEE-NEUSTADT/HINTERZARTEN. Felix Kapp ist eher vorsichtig und zurückhaltend, wartet ab. Doch nach einer Weile erzählt der 19-Jährige aus Hinterzarten von seinem Werdegang, der ihn zuletzt gleich zu zwei Ehrungen durch die Berufsverbände führte. Der Dachdeckergeselle ist Bester des Kammerbezirks Freiburg und belegte beim Landeswettbewerb den zweiten Rang. "Für Platz eins hat’s nicht ganz gereicht, dann wäre ich zum Bundesentscheid gegangen", sagt der junge Mann, der dennoch wie sein Chef von der Firma Nitz GmbH mit Sitz in Titisee-Neustadt ziemlich stolz auf diesen Gesellenabschluss ist.

Für Felix Kapp war es nach dem Realschulabschluss keine Frage, den Beruf des Dachdeckers zu erlernen. Bereits als Schüler hatte er bei der damals noch in Hinterzarten ansässigen Firma gejobbt und schnell wurde ihm klar, dass "es nur ganz wenige so vielseitige Berufe wie den des Dachdeckers gibt". Die Arbeiten an Flach- und Steildächern mit den vielen Materialien, das Zusammenwirken mit Zimmerern und Blechnern, die ebenfalls bei der Firma Nitz beschäftigt sind, "ist schon eine große Herausforderung und macht einfach Spaß", meint der 19-Jährige. Weil sein Arbeitgeber sich zudem auf Sanierungen von Altbauten spezialisiert hat, "gibt es ganz viel Unvorhergesehenes, auf das man vor Ort reagieren muss. Kein Tag ist wie der andere".

Körperliche Fitness und Schwindelfreiheit seien Grundvoraussetzungen, um diesen Beruf zu erlernen, erklärt Felix Kapp. Ganz obenan stehe aber die Teamfähigkeit. "Alleine auf dem Dach funktioniert nichts", betonte er.

Zweieinhalb Jahre dauerte seine Ausbildung zum Dachdeckergesellen, wovon er den schulischen Teil im Blockunterricht an der Berufsfachschule in Karlsruhe, zuständig für die Ausbildung der Dachdecker in ganz Baden-Württemberg, absolvierte. "Besonders spannend war aber die überbetriebliche Ausbildung, die auf ganz hohem Niveau angeboten wurde", sagt der Hinterzartener weiter. Dort habe er nicht nur den Umgang mit Ziegeln, sondern auch den mit Naturschiefer – "der hier im Hochschwarzwald selten zum Einsatz kommt" – kennengelernt. Bitumenbahnen auf Flachdächern, das immer wichtiger werdende energetische Dämmen von Dächern, Bauphysik und das Arbeiten mit Blechen waren weitere Schwerpunkte in der Ausbildung.

Zwei Tage lang dauerte schließlich die Gesellenprüfung, in der er sein Werkstück erstellen musste mit den Schwerpunkten Steildach, Fassade und Abdichtung sowie einem Fachgespräch. Kapp schloss schließlich als Bester des Kammerbezirks bei über 20 Gesellen ab. Lediglich einer Dachdeckerin aus dem Raum Karlsruhe musste er sich dann beim Landesentscheid geschlagen geben, bei dem 88 Gesellen zu seinen Konkurrenten zählten.

Inzwischen hat der 19-Jährige diesen Part abgeschlossen und sich, nach Unterstützung durch Geschäftsführer Mischa Schwörer, dem Meisterlehrgang zugewandt. Dabei hat er den ersten Kurs des Kaufmännischen bereits hinter sich gebracht, wird sich im kommenden Jahr dem Kurs "Lehrlingsausbildung" widmen und hat sich vorgenommen, 2021 die Bereiche Fachtheorie und Fachpraxis erfolgreich abzulegen.

Seine Zukunft sieht Felix Kapp weiterhin in seinem Ausbildungsbetrieb, bei dem 30 Mitarbeiter in der Dachdeckerei, der Blechnerei und Zimmerei beschäftigt sind und bei dem derzeit vier Zimmerer- und zwei Dachdeckerlehrlinge ausgebildet werden. "Auszubildende als Blechner sind derzeit ziemlich schwer zu finden, dabei hat dieser Beruf Riesenchancen auf dem Arbeitsmarkt", weiß der 19-Jährige, der beim Skiclub Hinterzarten aktiver Langläufer ist und derzeit einen Trainerlehrgang absolviert. Ziel ist es für ihn, zunächst noch einige Jahre auf Baustellen Berufserfahrung zu sammeln, um dann als Meister Verantwortung als Bauleiter zu übernehmen. Für den Fachmann ist jedenfalls klar: "Auch wenn der eine oder andere mir geraten hat, nach der Mittleren Reife weiter auf die Schule zu gehen, war die Entscheidung für das Handwerk genau richtig." Zum einen, weil der Meistertitel dem Bachelor-Studium gleichgestellt sei, zum anderen, weil die Zukunft des Handwerks sehr positiv sei. "Kaputte Dächer wird es immer geben", schmunzelt Felix Kapp.