Zum Tode Robert Ullmanns

Er verwandelte schreibend das Liveerlebnis in ein Leseerlebnis

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Di, 25. Juni 2019 um 21:49 Uhr

Offenburg

Robert Ullmann, seit 25 Jahren von Leserinnen und Lesern sowie Kolleginnen und Kollegen hoch geschätzter BZ-Autor, ist am Montag im Alter von 67 Jahren gestorben.

Als im Februar 1959 Rock’n’Roll-Star Buddy Holly bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, war die Erschütterung groß. So groß, dass noch zwölf Jahre später Don McLean in seinem Welthit "American Pie" die Zeile einbaute: "Das war der Tag, an dem die Musik starb." Genau so fühlen wir uns in den BZ-Redaktionen, die mit ihm zusammenarbeiteten, seit wir am Montag erfahren mussten, dass unser lieber Freund und wunderbarer Kollege Robert Ullmann im Alter von 67 Jahren gestorben ist.

Wer die Musikkritiken von Robert Ullmann in der BZ gelesen hat, weiß, wovon die Rede ist. Durch seine Worte wurden die Musik, die Atmosphäre eines Konzerts, die Interaktion der Musiker untereinander und mit dem Publikum lebendig bis zur Nacherlebbarkeit. Weil Robert so tief in der Musik steckte, konnte er auf Details achten, die anderen entgingen.

Seine Begabung schöpfte er aus der tiefen Liebe zu Musik und Theater

Zu Hause an seinem Computer verwandelte er dann das Liveerlebnis in ein Leseerlebnisse. Seine besondere Begabung schöpfte er aus seiner tiefen Liebe zu Musik und Theater. Bei den großen Komponisten von Bach bis Beatles und Berio, bei den großen (Theater-)Autoren von Molière und Shakespeare bis Brecht und Bob Dylan lernte er, was Musik- und Sprachzauber ist und wie man beides verbindet. Frei nach dem Avantgarderocker Frank Zappa zitieren wir: Schreiben über Musik ist wie Tanzen über Architektur.

Robert gelang dieser Transfer zur großen Freude seines Publikums.

Dabei kam Rob, wie er von Familie, Freunden und Kollegen genannt wurde, aus einfachen Verhältnissen, die aber nicht kulturfern waren. Geboren am 19. November 1951, wuchs er in Lautenbach im Renchtal auf. Das Wirtschaftswunder spülte bescheidenen Wohlstand in Form einer Musiktruhe in den Haushalt. Dort legte Vater Ullmann Vinylscheiben der großen Caterina Valente und von Peter Kraus auf den Plattenteller. In einem der zahllosen Kollegengesprächen erwähnte Rob, welche erschütternd-erleuchtende Wirkung der Eröffnungsakkord von "A Hard Day’s Night" von den Beatles auf ihn hatte oder wie atemlos ihn deren "Rock and Roll Music" zurückließ.

Mitte der 70er fand er Gleichgesinnte und Experimentierfeld

Nach einem kurzen Versuch mit dem bürgerlichen Heldenleben in Form einer Banklehre und eines Betriebswirtschaftslehrestudiums begann Roberts lebenslange Liebe zum Theater. In der ambitionierten Truppe des Offenburger Theaters im Gewölbe fand er seit Mitte der 1970er Gleichgesinnte und Experimentierfeld vor.

Mitte der 1990er Jahre begann seine Arbeit für die Offenburger BZ-Redaktion. Roberts grenzenlos vorurteilsfreie Neugier fand in der journalistischen Arbeit einen idealen Resonanzboden. Und so gewann er dem klassischsten aller lokaljournalistischen Themen, der alljährlichen badischen Rassekaninchenschau, ebenso packende Geschichten ab wie einem Konzert des Offenburger Ensembles mit Musik von Karlheinz Stockhausen.

Den Bogen von der lokalen Szene zur großen Kunst schlug er immer wieder. Seine gigantische Plattensammlung folgte mit zahlreichen Raritäten der Musikgeschichte bis in ihre feinsten Verästelungen. Welch wunderbare Geschichten hätte er uns zum 50-jährigen Jubiläum von "Woodstock" dieses Jahr schreiben können? Es sollte nicht sein.

Die folgende Leserzuschrift steht für viele, die uns im Laufe seiner fast 25-jährigen Tätigkeit für die BZ erreichten: "Als fleißiger Leser der BZ war ich immer vom Schreibstil, insbesondere von der Sachkunde und der Adjektiv-Auswahl, fasziniert, mit der Herr Ullmann vor allem Konzerte beschrieben hat. Wenn ich ja wüsste, wie er aussieht, hätte ich ihm das gerne selbst mal gesagt, wenn ich mal wieder ein Konzert besuchte. Doch bis heute habe ich es trotz Internet nicht geschafft, mir ein Bild von Ihrem tollen Kollegen machen zu können."

Wir haben die Mail, die uns während Roberts Krankheitsabwesenheit erreichte, an ihn weitergeleitet. Er hat sich sehr darüber gefreut. Robert Ullmann hinterlässt seine Frau Claudia und die Töchter Raffaela, Valentina und Toni.

Die Trauerfeier für Robert Ullmann findet am Freitag, 28. Juni, um 14 Uhr in der Kirche von Willstätt-Legelshurst statt.