Erfahrungen nutzen, neue Strukturen schaffen

Sa, 20. Juni 2020

Beruf & Karriere

BZ-GASTBEITRAG VON SEBASTIAN ZITZMANN (SULZBURG)über die Herausforderung an Unternehmen nach der Rückkehr in eine veränderte Normalität.

Viele Wirtschaftsunternehmen der Region befinden sich aktuell in einer Phase der schrittweisen Rückkehr in eine nun neue Normalität. Mitarbeiter werden nach und nach aus dem Homeoffice zurückgeholt, die Produktion wiederaufgenommen und die betrieblichen Strukturen und Prozesse wieder mit Leben gefüllt.

Nach den Herausforderungen des Lockdown warten nun ganz neue Anforderungen auf die Unternehmen und ihre Mitarbeiter. Zum einen gilt es, schnellstmöglich die in dieser Krise gelernten Erfahrungen zu nutzen und daraus Strukturen zu schaffen und Prozesse zu etablieren, damit die Auswirkungen ähnlicher Krisen in der Zukunft glimpflicher ausfallen. Zum anderen ist es jetzt wichtig, den eigenen Mitarbeitern genau zuzuhören, um herauszufinden, wie sie die Arbeit im Homeoffice erlebt, was sie vermisst und was sie zu schätzen gelernt haben. Denn durch diese flächendeckende Verschiebung ins Homeoffice bietet sich Unternehmen eine einmalige Möglichkeit: den diffusen Begriff Digitalisierung lebendig zu gestalten. Zusammen mit ihren Mitarbeitern an deren konkreten Erfahrungen und mit dem einzig sinnvollen Fokus auf Effizienz, Arbeitserleichterung und Prozessstabilität.

Beide Themengebiete, die Krisenresistenz und die Digitalisierung, sind Aufgaben, bei denen oft externe Unternehmensberater herangezogen werden. So kaufen sich Unternehmen Fachwissen, die notwendigen Methoden und häufig auch die für die Umsetzung benötigte Manpower ein. Doch hier wartet die nächste Stolperfalle auf die Unternehmen. Berater haben bei der Belegschaft häufig nicht den besten Ruf: Sie kosten Geld, keiner weiß so genau, was sie tun und am Ende passiert sowieso wieder nichts. So oder so ähnlich ist das immer wieder auf den Fluren und in den Kaffeeküchen zu hören.

Zwar sollten gute Berater diesen Ruf schnell zerstreuen und die Mitarbeiter mit ins Boot holen können, aktuell ist die Lage aber eine besondere: Viele Mitarbeiter mussten mehrere Monate Gehaltseinbußen durch Kurzarbeit hinnehmen. Die Lage ist nach wie vor unsicher und viele Unternehmen sind mit Prognosen zurückhaltend. Da braucht es schon gute Gründe, um Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass gerade jetzt in größere Veränderungen und externe Beratung investiert wird. Diese Gründe müssen klar und offen kommuniziert werden. Nur so gelingt es, das Verständnis und die Bereitschaft bei den Mitarbeitern zu wecken, die zwingend nötig sind, um diese Veränderungen einzuführen und in einer neuen Normalität zu leben.

So gilt es für Unternehmen jetzt, seinen Mitarbeitern sehr klar zu machen, dass eine Krise des aktuell erlebten Ausmaßes zwangsläufig eine Reaktion hervorrufen muss. Ansonsten würde die Unternehmensführung ihre Hausaufgaben nicht machen und sehr fahrlässig handeln. Dass diese Reaktion in einer größeren Veränderung für die Mitarbeiter münden wird, ist absehbar. Auch der Zeitdruck für diese Veränderung sollte klar kommuniziert werden. Denn auch wenn es nicht die nächste Corona-Welle ist, die nächste Krise kommt bestimmt.

Die Zahl der beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle registrierten Unternehmensberater ist während der Corona-Krise in die Höhe geschnellt. Da liegt die Vermutung nahe, dass nicht jeder sein Beratungsbusiness mit der notwendigen Seriosität betreibt. Deshalb ist es wichtig, die externe Unterstützung sehr sorgfältig auszuwählen. Langjährige, vertrauensvolle Partnerschaften und intensive Auswahlverfahren bei neuen Kooperationen sind hier sicher die richtigen Ansätze, damit der Weg in eine stabile, neue Normalität gelingt.