Schlagstöcke für Ordnungsdienst

Erlebe Freiburger Polizei viel zurückhaltender, vorsichtiger und deeskalierender

Sebastian Müller

Von Sebastian Müller (Freiburg)

Mi, 16. September 2020

Leserbriefe Freiburg

Zu den Berichten "Schlagstöcke für den Ordnungsdienst" (BZ vom 10. September) und "Einsatzstöcke umstritten" (12. September) sowie zum Kommentar "Wer weiß eine Alternative?" (10. September).

Seit 2002 arbeite ich im Krankentransport und Rettungsdienst. Derzeit meist Freitags- und Samstagnacht auf dem Rettungswagen. Seit der Diskussion um die Black Lives Matter Bewegung, aber auch um ungerechtfertigte Polizeigewalt in Deutschland erlebe ich die Freiburger Polizei – bei meinen beruflichen Begegnungen – sehr viel zurückhaltender, vorsichtiger und deeskalierender, als es noch im letzten Jahr der Fall war.

Gerade erfahrene Polizeibeamte aus dem gehobenen Dienst schaffen es, ein Maß an Geduld an den Tag zu legen, dass ich mich frage, wo sie diese Ruhe auch spät nachts oder in den frühen Morgenstunden hernehmen und das auch bei Personen, die gegenüber der Polizei respektlos, uneinsichtig, aggressiv und sogar beleidigend auftreten. Ich finde es gut, dass sich die Freiburger Polizei so verhält. Auch bei den Begegnungen mit um sich schlagenden Personen oder Personen, die bewusst Polizeieinsätze stören, habe ich es bisher noch nie erlebt, dass ein Schlagstock eingesetzt wurde. Vor diesem Hintergrund passt ein mit Schlagstöcken bewaffneter Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) nicht in die Freiburger Linie, und ich sehe auch keine Notwendigkeit, den KOD mit diesen auszurüsten.

Eher erscheint es mir notwendig, den KOD mit einem Konzept zur Ansprache und einem allparteilichen Konfliktmanagement in öffentlichen Raum zu ergänzen, so wie es bereits in München praktiziert wird und in Freiburg 2017 diskutiert wurde.Sebastian Müller, Freiburg