Lungenkrankheit

Erste Coronavirus-Infektion in Baden-Württemberg bestätigt

dpa, afp, kmg

Von dpa, afp & Konstantin Görlich

Di, 25. Februar 2020 um 21:06 Uhr

Südwest

Das nun auch in Europa um sich greifende Coronavirus ist erstmals in Baden-Württemberg nachgewiesen worden – bei einem 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Göppingen.

In Baden-Württemberg ist erstmals ein Patient nachweislich an dem neuartigen Coronavirus erkrankt. Es handle sich um einen 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Göppingen, teilte das Gesundheitsministerium in Stuttgart am Dienstagabend mit. Er habe sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt.

"Die Person erkrankte nach ihrer Rückkehr mit grippeähnlichen Symptomen und hat daraufhin Kontakt mit dem örtlichen Gesundheitsamt aufgenommen", heißt es in der Mitteilung des Ministeriums weiter. Anschließend habe ein Test zu einem positiven Ergebnis geführt. Der Patient soll noch am Dienstagabend isoliert in einer Klinik untergebracht werden.

Behörden ermitteln Kontaktpersonen

Ebenfalls in Krankenhäusern isoliert werden etwaige Personen, mit denen der Patient Kontakt hatte – wenn sie Symptome zeigen. Alle anderen Kontaktpersonen würden "häuslich abgesondert", wie es in der Mitteilung heißt.
Handlungsempfehlungen des Ministeriums

Menschen, die nach ihrer Einreise aus Gebieten, in denen Fälle des neuartigen Coronavirus vorkommen und die innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Rückkehr Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollen:
  • unnötige Kontakte vermeiden
  • nach Möglichkeit zu Hause bleiben
  • beim Husten und Niesen Abstand zu anderen Menschen halten beziehungsweise in die Armbeuge niesen oder husten
  • nach Möglichkeit nur ein Taschentuch benutzen, das sofort entsorgt wird
  • regelmäßig und gründlich Hände mit Wasser und Seife waschen
  • Berührungen von Nase, Augen und Mund vermeiden,
    nach telefonischer Anmeldung unter Hinweis auf die Reiseregion einen Arzt aufsuchen

Gesundheitsminister Manfred Lucha bricht seinen Urlaub ab, wird aber erst am Mittwoch gemeinsam mit Experten die Presse informieren. Er mahnt zur Besonnenheit, teilt das Ministerium mit: "Baden-Württemberg hat sich schon früh auf diesen Fall eingestellt. Alle beteiligten Stellen arbeiten eng und intensiv zusammen."

Corona-Patient in Nordrhein-Westfalen in kritischem Zustand

Auch in Nordrhein-Westfalen ist erstmals nachweislich eine Person an dem neuartigen Virus erkrankt. Der Zustand des mit dem Coronavirus infizierten Patienten aus Erkelenz ist nach Behördenangaben kritisch.

Wie der Kreis Heinsberg am Dienstagabend mitteilte, war der Mann am Montagmittag mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung im Erkelenzer Hermann-Josef-Krankenhaus aufgenommen worden. Der Mann ist nach dpa-Informationen Mitte 40, leidet aber an einer Vorerkrankung.

Weitere unentdeckte Infektionen gelten als sehr wahrscheinlich

Im Kreis Heinsberg bleiben am Mittwoch Schulen, Kitas und die Kreisverwaltung geschlossen, wie ein Sprecher des Landkreises am Dienstagabend sagte. Zurzeit werde auch noch überlegt den öffentlichen Personennahverkehr auszusetzen. Ein Krisenstab wurde im Landkreis eingerichtet. Man sei in engem Kontakt mit dem Gesundheitsministerium in Düsseldorf.

Wo der Patient sich angesteckt haben könnte, war noch unbekannt. Bislang standen Corona-Fälle in Deutschland stets im direkten Zusammenhang mit dem Ausbruch in China. Experten gehen davon aus, dass es auch in Deutschland sehr wahrscheinlich unentdeckte Infektionen gibt.

In Deutschland hatte es zuvor 16 bestätigte Coronavirus-Infektionen gegeben. Die meisten Patienten wurden inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen. 14 der Fälle traten in Bayern auf, von den dortigen Betroffenen ist noch einer in der Klinik.

Die anderen beiden Fälle waren China-Rückkehrer, die von der Bundesregierung mit einem Flugzeug aus der Volksrepublik ausgeflogen worden waren. Sie wurden in der Uniklinik in Frankfurt am Main behandelt und Mitte Februar entlassen.

Mehr zum Thema