Baumart kommt gut mit der Trockenheit zurecht

Erste Ernte nördlich der Alpen: In Vogtsburg werden die Eicheln von Flaumeichen gesammelt

Herbert Trogus

Von Herbert Trogus

So, 22. November 2020 um 14:17 Uhr

Vogtsburg

Erstmals wurden jetzt auch nördlich der Alpen die Samen von Flaumeichen geerntet, und zwar am Vogtsburger Büchsenberg.

Grund ist der Klimawandel, der mittelfristig zu einer moderaten Veränderung bei den Baumarten führen wird. "Wir wollen Baumarten, die mit der Trockenheit besser zurechtkommen", sagte die Vogtsburger Revierförsterin Laura Hempelmann bei der Begehung im Forst.

Auch Vogtsburgs Bürgermeister Benjamin Bohn ist der Ansicht, dass der Wald, wie wir ihn heute kennen, sich in einigen Jahren verändern wird. Bereits in diesem Sommer hätten sich im inneren Kaiserstuhl zahlreiche Bäume herbstlich gefärbt, dies sei bedenklich, betonte der Bürgermeister. Auf warmen und trockenen Standorten wie am Büchsenberg sei es denkbar, dass sich die Flaumeiche in Zukunft durchsetzt. Dazu brauche man geeignetes Pflanzgut. Das Sammeln der Flaumeicheln sei einer der ersten Schritte in diese Richtung, sagte Manuel Karopka, technischer Leiter der Forstpflanzenzüchtung in der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die Flaumeiche ist eine typische Baumart, die auf trockenen Standorten gedeiht – wie am Vogtsburger Büchsenberg. Zwischen den Flaumeichen sind noch einige Traubeneichenbäume zu finden. Die Forstexperten versuchen seit einigen Jahren, die Flaumeichen zu erhalten. So wurden in diesem Jahr frühzeitig unter den Bäumen Fangnetze gespannt, in die die Eicheln hineinfallen sollen. Aber auch vom Waldboden wurden sie von einem Sammeltrupp aufgelesen und von ihrer Hülle befreit. Ein Problem sind die Wildschweine und Mäuse, die oft vor den Sammlern vor Ort sind. Auch waren manche Eicheln von Maden befallen und mussten aussortiert werden. Auffallend war, dass viele Eicheln sehr klein waren, was die Forstexperten auf die extreme Trockenheit zurückführten.

Nach dem Auflesen der Eicheln werden sie in Töpfen oder auf einer freien Fläche ausgebracht. In den Töpfen verbleiben die jungen Sprösslinge zwei bis drei Jahre. "Weil die Eicheln dem Forstvermehrungsgesetz unterliegen, dürfen wir höchstens 40 Kilogramm sammeln. Mit fünf Kilogramm Eicheln wären wir aber zufrieden. Besonders auf der Fläche, auf der im vergangenen Jahr die Schwarzkiefern abgestorben sind, wollen wir sie ausbringen", sagte der technische Leiter der Forstpflanzenzüchtung.

Nur kleine Vorkommen in der Region
Die Flaumeiche ist eine sommergrüne, meist krummwüchsige Baumart. Sie kann bis zu 25 Meter hoch werden, erzielt einen Durchmesser von bis zu 0,6 Meter und erreicht ein Alter von bis zu 500 Jahre. Sie bildet eine dicke, stark zerklüftete, längsrissige Borke. Den Knospen und flaumigen Blättern verdankt sie ihren Namen. Die bis zu 15 Zentimeter langen Blätter stehen wechselständig und sind tiefbuchtig gelappt, sie sind oben dunkelgrün, unten graugrün und fühlen sich weich an. Die Flaumeiche blüht im April oder Mai und ihre Eicheln reifen im Oktober. Sie sind bis zu 3,5 Zentimeter lang und sitzen bis zur Hälfte in einer halbkugligen becherförmigen Hülle um die Frucht. Da in den Wälder Buchen und Fichten absterben, sind Alternativen wie die Flaumeiche willkommen.

Da die Flaumeiche in Deutschland sehr selten ist und ihr daher eine besondere Bedeutung zukommt, muss sie vom Forstpersonal regelmäßig durch Pflegeeinsätze gefördert werden. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Südeuropa über das südliche Mittel- und Westeuropa bis nach Kleinasien und dem Kaukasus. Sie kommt in Frankreich, Italien, im Balkan und auf Sardinien und Korsika vor. Nördlich der Alpen gibt es verstreute Vorkommen in Gebieten mit trockenem, warmen, submediterranen Klima, zum Beispiel im Schweizer Jura, im Oberelsass sowie am Kaiserstuhl. Der Bestand ist in Deutschland sehr klein, sagte Stephan Herbstritt von der Abteilung Waldwachstum, der für die Versuche in Baden-Württemberg zuständig ist.