Leerstand in Denzlingen

Es bröckelt überall im einst so traditionsreichen Grünen Baum

Hubert Gemmert

Von Hubert Gemmert

Mi, 17. Februar 2021 um 12:50 Uhr

Denzlingen

Das Denzlinger Gasthaus Zum Grünen Baum steht vor dem Abriss. Ein Gang durch die Räume zeigt: 14 Jahre ohne Nutzung haben ihre Spuren hinterlassen. Dass ehemalige Leben ist kaum noch ersichtlich.

Beim Betreten des im 17. Jahrhundert erbauten und seit 2007 leerstehenden alten Gasthauses "Zum Grünen Baum" in Denzlingen dringt Modergeruch in die Nase. Die Augen müssen sich erst einmal an das in den Gemäuern herrschende Dämmerlicht gewöhnen. Staub hängt in der Luft, er überlagert die noch vorhandene Einrichtung und die Böden. Es ist offensichtlich, dass unzählige Spinnen sich über die Jahre in den Räumen sehr wohl gefühlt haben. In jeder Ecke hängen ihre Netze.

Ansonsten nagte der Zahn der Zeit in den vergangenen 14 Jahren an der Bausubstanz, und was Kälte und die Feuchtigkeit nicht geschafft hatten, erreichte Vandalismus. Für Jugendliche war das alte Haus ein Abenteuerspielplatz und für Obdachlose vielleicht manchmal die letzte Rettung vor Nässe und Kälte. Die Tapeten hängen von den Wänden, über den ganzen Boden verteilt sich ein Gemisch aus abgebröckeltem Putz, Staub und tierischen Hinterlassenschaften. Gebrochene Fliesen zieren den Boden, Fenster und Glastüren sind eingeschlagen und Schmelzwasser gelangt durch ein etwa zwei Meter großen Loch im Dach des großen Saals ins Innere.

Hier wurde gezapft, geschmaust und gefeiert

Ohne Scheinwerferlicht ist es bisweilen gefährlich, sich durch das Haus zu bewegen. Dass hier mal Bier gezapft, Essen zubereitet, geschmaust, gefeiert und gelacht wurde, ist kaum noch ersichtlich. Schließlich wurde das gesamte Mobiliar verkauft oder anderweitig entfernt - aus Gründen des Brandschutzes. Und dennoch ist die Atmosphäre der vergangenen Zeit zu spüren, wenn man durch das alte, verfallene Gebäude streift.

Immerhin sind die Gästezimmer noch einigermaßen erhalten, im Gegensatz zum Keller. Die alte Kegelbahn ist nur noch durch einige herumliegende Teile und die Länge des Raums als solche erkennbar, die kleinen, schmalen Stufen der unbeleuchteten Kellertreppe sind mit Vorsicht zu begehen. Das Gebäude sei sicher erhaltenswert, sagt der Ortshistoriker Dieter Geuenich – allerdings wohl nur zu einem kaum bezahlbaren Preis.

Mit dem geplanten Abriss "verschwindet nach dem Gasthaus Krone ein weiteres Traditionshaus im Ortsbild von Denzlingen." Die Gemeinde warte noch auf die Abrissgenehmigung des Landratsamts, sagte Bauamtsleiter Steffen Koch.