"Es gibt kein Patentrezept"

Peter Disch

Von Peter Disch

Sa, 01. August 2020

Rock & Pop

BZ-INTERVIEW:Tatia Kurashvili über das Songtextschreiben.

Die Jazz- und Rock-Schulen in Freiburg bieten erstmals in den Sommerferien ein Kursprogramm an. Dazu zählt ein Workshop, in dem Tatia Kurashvili Einsteigern beibringt, wie man Songtexte schreibt. Peter Disch hat sie gefragt, worauf es dabei ankommt.

BZ: "Love, love me do / You know I love you / I’ll always be true / So please, love me do / Whoa, love me do". Das ist die erste Strophe des Beatles-Songs "Love Me Do". Ist der Text genial oder banal?
Kurashvili: Auf den ersten Blick mag der Text extrem simpel erscheinen, doch wenn man über diesen ersten Eindruck hinwegsieht, ist er gefühlvoll und sehr ehrlich. Wie Paul McCartney sagte: "Darauf möchten wir zurück, zur Einfachheit. Es gibt nichts Einfacheres und gleichzeitig Bedeutungsvolleres als ‚Love, Love Me Do‘". Er schrieb es, als er 16 war, daher steht das Lied für die Wünsche und die Denkweise der jungen Generation. Dennoch ist es so eingängig, dass es Menschen jeden Alters schwerfällt, nicht mitzusingen. Es ist der Traum eines jeden Songwriters, so ein Lied zu schreiben.
BZ: Vom Refrain zu den Strophen oder anders herum, wie gehen Sie vor?
Kurashvili: Es gibt kein Patentrezept. Sobald eine Idee, eine Phrase, ein emotionaler Mittelpunkt, eine Melodie oder eine Geschichte als Ausgangspunkt gefunden ist, stellt das Finden der Gesamtstruktur nur noch eine Frage der Zeit und des Handwerks dar.
BZ: Wie viel ist Talent und wie viel ist Handwerk beim Songtext-Schreiben?
Kurashvili: Die meisten meiner Schüler haben kein musikalisches Wissen, schaffen es aber trotzdem, eigene Lieder zu schreiben. Jeder, der Musik hört, hat eine große Bibliothek musikalischer Ideen im Kopf und daher viel Rohmaterial für Texte. Natürlich lernt man am besten durch Übung, und jeder wird früher oder später besser. Der Anfang ist für die Schüler immer etwas schwierig, aber sobald man sie an die Hand nimmt, öffnen sie sich und sind am Ende überrascht über das Ergebnis. Ich mag es sehr zu sehen, wie kreativ Menschen sein können, und glaube, dass jeder ein Bedürfnis dafür hat.

Das Kursprogramm der Jazz- und Rockschulen dauert vom 3. August bis 10. September. Tania Kurashvilis Workshop beginnt am 10. August. Infos unter http://www.jrs.org