"Es ging um Wahrhaftigkeit"

Das Gespräch führte

Von Das Gespräch führte

So, 17. Februar 2019

Kino

Der Sonntag Fatih Akin über die Kritik an seiner Verfilmung von Der goldene Handschuh.

Erst wurde der Hamburger Frauenmörder Fritz Honka Romanfigur bei Heinz Strunk, nun verfilmt Fatih Akin den Stoff. Vor dem Bundesstart sprach "Der Sonntag" mit ihm.

Der Sonntag: Ihr Werk wurde bei der Berlinale viel diskutiert und ist umstritten. Wie blutig darf so eine Verfilmung ausfallen?

Für mich lautet die Vorgabe, dass ich mir die Gewalt selbst glauben muss. Gewalt als Selbstzweck zu zelebrieren, das kann ich nicht. Ich würde mir vorkommen wie ein Lügner. Ich wollte bei den Szenen nicht wegschwenken, aber auch keine Tarantino-Nummer daraus machen. Es ging um Wahrhaftigkeit und darum, die Würde zu behalten. Gegenüber den Opfern, aber auch gegenüber dem Mörder.
Der Sonntag: Was hat etwa der minutenlange Todeskampf der Erwürgten noch mit Würde zu tun?

Die Frau stirbt nicht so einfach, sondern sie möchte leben. Dieses Drama wollte ich drastisch darstellen. Das berührt und schockiert und erschüttert den Zuschauer. Genau das war dabei die Absicht.
Der Sonntag: Diese Absicht könnte man auch voyeuristisch nennen . . .

Wir sind alle Voyeuristen. Ob als Filmemacher oder als Menschen. Wer fährt an einem Unfall vorbei und schaut nicht hin? Voyeurismus ist auch etwas Positives, ein Überlebensinstinkt. Das weiß ich von unserer Psychologin, die am Set dabei war.
Der Sonntag: Im Unterschied zum Roman lassen Sie die Vorgeschichte der Figuren weg, aus welchem Grund?

Im Drehbuch war das ursprünglich vorhanden, aber instinktiv habe ich mich dann dagegen entschieden. Man kann solche pathologischen Taten auch gar nicht erklären. Zudem erlaubt mir das eine viel größere kreative Freiheit, da kann man auf die Leinwand malen. Am Ende des Tages ist es ja nur ein Film (lacht) .
Das Gespräch führteDieter Osswald
Der goldene Handschuh, Bundesstart am Donnerstag