"Es war richtig, die Wahl abzuhalten"

Ilona Hüge

Von Ilona Hüge

Di, 19. Mai 2020

Rheinhausen

Bürgermeisterwahl in Rheinhausen: Freude über Wahlbeteiligung, Lob vom Bürgermeisterkollegen und eine ganz besondere Tanne.

RHEINHAUSEN. Die Bürgermeister-Wahl sah anders aus. Mundschutz war selbstverständlich, große Gratulationsrunde und Bürger fehlten. Dennoch gab es fröhliche Momente: Freude über das Wahlergebnis, entspannte Mienen hinter den gelüfteten Masken beim Zuprosten auf Abstand und das Stellen der Bürgermeister-Tanne vorm Rathaus.

"Es war richtig", die Wahl abzuhalten", sagte Heinz Erhardt, Vorsitzender des Wahlausschusses, am Sonntagabend. Rheinhausen wollte wählen und hatte sich auf die Besonderheiten einer Wahl in Corona-Zeiten sorgfältig vorbereitet. Erst sechs Tage vor dem Wahltermin hatte die Verwaltung dann auch die Erlaubnis für die Wahl erhalten.

Wer vermutet hatte, dass wegen Corona die Wähler ausbleiben, wurde überrascht. Die tatsächliche Wahlbeteiligung lag um einen Prozentpunkt höher als vor acht Jahren. "Ich hab’ gewettet, dass es über 52 Prozent sein werden", verriet Bernd Maurer, Gemeinderat der Bürgerliste. Er freute sich, das Interesse an der Wahl in Rheinhausen durch die Zahlen bestätigt zu sehen. Die meisten waren dem Aufruf zur Briefwahl gefolgt. Noch den ganzen Sonntag bis 18 Uhr wurden Wahlunterlagen draußen eingeworfen. An der Urne drinnen blieb es ruhig: 54 Wählerinnen und Wähler gaben ihre Stimme im Lauf des Tages in einer von zehn Wahlkabinen im Festsaal ab.

"Zum Gratulieren muss Zeit sein". Kenzingens Bürgermeister Matthias Guderjan kam daher trotz der E-Mail, die er aus Rheinhausen erhalten hatte. "Nicht kommen, es passiert nichts", verriet er die verkürzte Fassung des Inhalts, die an die Bürgermeister-Kollegen und den Landrat gegangen war. Guderjan ließ es sich als einziger Gast nicht nehmen, Louis zu würdigen, als langjährigen Bürgermeister und als verdienten Bürgermeister. "Was in Rheinhausen in der Ortsmitte gelaufen ist, ist vom Feinsten."

Er habe in den kommenden acht Jahren noch viel vor, sagte Jürgen Louis, gerade frisch gewählt für seine dritte Amtszeit in der Gemeinde. "Wir sind dabei, uns auf den Weg zu einer sorgenden Gemeinde zu machen", sagte er mit Verweis auf künftige Vorhaben wie das Gesundheitszentrum. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit den Einrichtungen und der Bürgerschaft, sagte er bei seinem Dank.

Für einen kleinen Glanzpunkt hatte Rheinhausens Bauhof gesorgt. Wenn schon auf Musik, Gesang und große Gratulationsrunde verzichtet werden musste, so gab es doch immerhin eine gute Tradition – die Bürgermeister-Tanne. Sie wurde mit Maschinenhilfe rasch und sicher auf der Sonnenseite des Bürgerhauses aufgestellt. Vorher war sie auf dem Bauhof zu bestaunen: In ganzer Länge hat sie 19 Meter, jetzt steht sie zwei Meter tief im Boden und bringt es noch auf stolze 17 Meter Höhe. Ein schöner Baum – dank etwas Handarbeit. Denn die so ebenmäßig gewachsene Krone gehört eigentlich gar nicht zum Stamm. Sie wurde nach dem Fällen im (Kenzinger) Wald im Rheinhausener Bauhof mit Geschick dem Stamm angepasst.

"Wo isch’s Freibier?" Die Sorge eines Helfers aus der Reihe, die die große Tanne mit Kraft und Vorsicht vom Bauhof vors Bürgerhaus zog, war unbegründet. Für alle Helfer gab es auch etwas zu trinken. "Ich hätte auch gern draußen gefeiert", gestand der wiedergewählte Bürgermeister. So gab es nur ein kleines Prost – und statt Ausgaben für Freibier die Spende für Rheinhausens First Responder.