"D’ Sproch g’hört zum Läbe"

Michael Masson

Von Michael Masson

Fr, 07. Juni 2019

Ettenheim

Muttersprochgesellschaft "Rund um de Kahleberg" feiert mit einem Vortrag von Andrée Blum den 35. Jahrestag der Gründung.

ETTENHEIM. Die Regionalgruppe "Rund um de Kahleberg" der alemannischen Muettersprochgesellschaft gibt es seit 35 Jahren. Gegründet wurde sie in der Heuberg-Gaststätte auf dem Kahlenberg. Seither werden bei Treffen in alemannischer Mundart Lesungen abgehalten, Heimatabende veranstaltet und gelegentlich auch Theater gespielt. Zum Jahrestag der Gründung am vergangenen Montag war die in Lahr lebende gebürtige Rhinauerin Andrée Blum zu Gast.

Rund 50 Mundart-Liebhaber hörten von ihr eigene Geschichten und Gedichte im schönstem Elsässerdütsch. Etwa die Erzählung über eine alte Frau, die an den "Lieben Herrgott" schrieb, weil ihr Geld knapp war. Der Brief landete jedoch per Postbote beim Finanzamt. Dort wurde privat gesammelt, immerhin 70 von erbetenen 100 Mark. Die Frau beklagte sich jedoch dann bitter beim Herrgott: "Des Finanzamt het mir drissig Mark abgezoge." Auch bei einer Pizzabestellung in digitaler Zukunft mit gläsernen Menschen ging es höchst humorvoll zu. Da wird einem Gast schließlich eine Zugabe-Cola verweigert, weil er schon als Internet-Diabetiker registriert war.

An Ludwig Thomas speziellen volkstümlichen Humor erinnerte eine Geschichte über die Anfrage an einen Gastwirt, ob der ein WC habe. Der missverstand die Abkürzung als Waldkapelle und antwortete, dass das WC mitten im Wald 60 Plätze und eine gute Akustik habe.

Andrée Blum ist längst keine Unbekannte bei der Muettersprochgesellschaft, zumal sie nahezu 40 Jahre als Schauspielerin des elsässischen Mundarttheaters "Theatre Alsacien" in Straßburg engagiert ist. Sie kann aber auch Hochdeutsch im Stile von Wilhelm Busch: "Beliebt ist bei der Männerwelt ein schöner Busen, der gefällt!"

Zurück ins Jahr 1940, als die Elsässer unter deutscher Besatzung pro Ehepaar gefälligst mindestens fünf Kinder zeugen sollten: Da verwechselt eine irritierte Frau einen Fotografen mit einem angekündigten Schwangerschaftshelfer und missversteht seine angepriesenen Fotoleistungen gründlich.

Es wurde zumeist herzlich gelacht unter dem Heubergturm. Weniger allerdings bei der Anspielung auf frühere und heutige Schwierigkeiten, im Elsass die Dialekt-Muttersprache etwa auch in Kitas und Schulen endlich mehr zu pflegen. Im Lied "Meiner Wäi" (Weg) sang Blum melancholisch dazu: "Ich weiss, sie ham’s net gern, wenn mir net esch, wie alli andre. Wenn mir net macht, wie sie, die andre." Nachdenklicher ging es auch bei einigen von Blum rezitierten Gedichten von Alfred Schaeffer zu, ob "S’ Muederbild" oder "D’Zitt isch knapp". Der mahnte einst:"Sitte, Sproch g’hört zum Läbe!"

Eine Feier zum 35-jährigen Bestehen der Regionalgruppe wird es am Montag, 24. Juni, 20 Uhr, im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses geben.