Musikalischer Genuss zum Auftakt

Michael Masson

Von Michael Masson

Do, 25. April 2019

Ettenheim

Die Konzertreihe an der Silbermann-Orgel hat mit zwei hochkarätigen Interpreten begonnen.

ETTENHEIM-ETTENHEIMMÜNSTER (mima). Am Ostermontag ist in der barocken St. Landelinskirche neben der Silbermannorgel auch eine Viola erklungen. Die berühmte Orgel wird 250 Jahre alt. Zur Eröffnung der Konzertreihe hatte die katholische Kirchengemeinde Ettenheim mit Julia Rebecca Brembeck-Adler und Christian Brembeck zwei hochkarätige Musiker gewonnen. Das lockte etwa 220 Zuhörer in die Wallfahrtskirche.

Schon mit Johann Sebastian Bachs Toccata D-Dur, ursprünglich für Cembalo komponiert, gelang es Christian Brembeck, die monumentale Klangfülle der Orgel zu entfalten, mit barock-quirligem Einstieg in virtuosem Tempo, eher besinnlichen Wohltönen und wiederum filigran wirbelnd. Auch mit Georg Friedrich Händels fünfsätzigem Concerto in G-Moll stellte der Musiker, ansonsten in Europa, Südamerika und im Fernen Osten konzertierend, makellose Technik an alten Tastaturen und Registern unter Beweis.

Julia Brembeck-Adler führte sich nicht minder trefflich mit Bachs Toccata D-Moll ein. Die wiederum hatte der Barockmeister ursprünglich für Orgel komponiert. Brembeck-Adler bearbeitete das Stück für ihre Viola d’amore. Das ist ein verändertes Bratscheninstrument in Alt-Lage, einst im Barock als Liebesgeige geschätzt. Für deren Nachbau braucht die Künstlerin empfindliche Darmsaiten. Julia Brembeck, in Freiburg aufgewachsen, Kammermusikpartnerin renommierter Solisten und seit 2016 als Viola-Professorin an Berlins Universität der Künste, zeichnete sich gleichermaßen durch begeisternde Ausdruckskraft und Virtuosität aus.

Dann entschwand sie vom Altar-Vorraum auf die Empore. Von dort erklang Bachs viersätzige Sonata in D-Dur für Viola und Orgel. Zartem Adagio folgte ein schwunghaftes Allegro, bedächtigeres, besinnliches Andante und schließlich ein weiteres Allegro im rasanten Tempo. Viola und Orgel harmonierten im besten Zusammenspiel. Christian Brembeck brillierte als Orgel- Solist mit Johann Daniel Silbermanns (einem Bruder des Orgelbauers) luftwirbelndem "Le Moulinet". Fröhlich-beschwingt entlockte er dem eher behäbig eingesetzten Instrument sonst selten gehörte fröhliche Töne. Mit Jean François Dandrieus "Offertoire en re" reizte er abermals die Klanggewalt der Orgel aus. Schließlich setzten die Interpreten mit Jean Marie Leclairs viersätziger Sonate in D-Dur eine begeisternde musikalische Krone drauf. Nach eineinhalb Konzertstunden freuten sich beide Profis über großen Applaus.

Das nächste Orgelkonzert in Ettenheimmünster ist am 22. Mai.