Schon dreimal um die Welt

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Fr, 20. September 2019

Ettenheim

LEUTE IN DER STADT:Michael Schaudel fährt täglich per Rad zum Arbeitsplatz – seit 17 Jahren.

ETTENHEIM. Mindestens drei Mal um die Welt ist er schon geradelt, und das nur auf der Strecke zwischen Ettenheim und Lahr. Michael Schaudel pendelt seit 17 Jahren konsequent jeden Tag mit dem Fahrrad zwischen Wohnort Ettenheim und Arbeitsstätte Lahr.

"Im Jahr sind das sechseinhalb Tausend Kilometer", rechnet Schaudel vor . Damit spare er nicht nur jede Menge CO2 und Geld ein, sondern er gewinne noch schöne Eindrücke. "Ich genieße es, jeden Tag in der Natur und eine Weile ganz für mich zu sein. Jeder Morgen ist anders, Pflanzen und Gerüche ändern sich, manchmal sehe ich Tiere auf den Feldern", sagt der 53-jährige Controller in der Personalabteilung bei Nestler in Lahr.

Sogar Schmuddelwetter, Regen und Schnee, kann er etwas abgewinnen. Schaudel: "Man wird zwar kalt und nass, aber dann geht man unter die heiße Dusche und fühlt sich toll." Ein E-Bike? "Nicht für mich", sagt Schaudel. "Ich möchte sehen, was ich mit meiner eigenen Energie schaffe, und ich fahre gerne schneller als die gedrosselten Räder mit Motor." Von Tür zu Tür braucht er eine halbe Stunde entlang der B3, durch Mahlberg und westlich von Kippenheim durch die Felder ins Lahrer Industriegebiet.

Er sei gut ausgestattet, im Winter geht’s mit Thermohose auf die Piste. Vor zwei Wochen habe er schon die Handschuhe heraus geholt. Morgens um sieben sei es ganz schön frisch gewesen. Die ersten paar 100 Meter spüre er noch die Kälte. "Etwa bis zur Ampel auf der B3 in Altdorf, aber dann fühle ich mich gut, und ich genieße die zwölf Kilometer bis zur Firma." In der Firma kann der Radler duschen, hat einen Spind und kann seine Klamotten trocknen. Es gibt allerdings drei Wetterlagen, bei denen er den Zug oder den Bus benutze: Glatteis, Gewitter und Sturm. Dann sei das Radfahren zu gefährlich oder zu anstrengend.

Gefährlich sei es auf dem Radweg aber jeden Tag. Zwei Mal sei er schon über eine Motorhaube abgerollt. Beide Male habe ihm ein Autofahrer die Vorfahrt genommen, berichtet Schaudel: "Aber ich habe die Stürze gut überstanden, denn ich trage nicht nur einen Helm, sondern auch einen Rucksack. Der schützt bei solchen Abgängen Nacken und Rücken Sonst wären die Unfälle nicht so glimpflich verlaufen." Die größte Gefahr für Radfahrer seien andere Radfahrer. "Es sind die eigenen Leute, die die anderen gefährden", sagt Schaudel: Radfahrer ohne Licht und Schülerinnen. Schülerinnen? Schaudel: "Ja, es sind immer die Mädchen, die nebeneinander fahren und nicht ausweichen." Zu Zusammenstößen sei es noch nicht gekommen, allerdings nur deshalb, weil er als Entgegenkommender auf die Wiese ausweiche.

Einmal pro Woche baut Michael Schaudel inzwischen eine Variante ein und joggt in die Firma. 50 Minuten ist er dann unterwegs. "Ich habe das als Vorbereitung für einen Halbmarathon angefangen, und inzwischen gehört der wöchentliche Lauf zu meinem Programm."

Vom Gelegenheitsradler zum radelnden und joggenden Naturfreund ist er geworden, als seine Firma 2002 in die Lahrer Tullastraße im Gewerbegebiet umgezogen sei, und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur sehr schlecht erreichbar wurde. Geholfen habe ihm die Gleitzeit. "Da muss ich nicht auf die Minute starten und habe auch unterwegs keinen Zeitdruck", sagt Schaudel. Auch deswegen freue er sich auf die Strecke. "Man wächst hinein in den Rhythmus, und es braucht Zeit, bis alles passt", sagt er, auch als Anleitung für Umsteiger. Zuviel Werbung wolle er fürs Rad-Pendeln aber nicht machen. Michael Schaudel lacht: "Sonst habe ich keine Ruhe mehr auf der Strecke."