Raubkunst

Europa tut sich schwer darin, afrikanische Kunst zurückzugeben

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Sa, 14. November 2020 um 12:24 Uhr

Kultur

BZ-Plus Hunderttausende Artefakte aus Kolonialzeiten lagern noch in europäischen Museen. Nicht alle sind bereit, die Objekte zurückzugeben. Sie sehen sich als Treuhänder des afrikanischen Weltkulturerbes.

Was James Robert Phillips, Generalkonsul im britischen "Protektorat" der Niger-Küste, im Dezember 1896 zu seiner Expedition zum sagenumwobenen Sitz des Königs von Benin bewegt, ist noch heute ein Rätsel. Es könne sich um bloße Geltungssucht oder die Gier nach den königlichen Schätzen gehandelt haben, mutmaßen Historiker. Jedenfalls bricht der Konsul zwei Tage nach Weihnachten mit sechs britischen Beamten, zwei Geschäftsleuten, zwei Übersetzern und 215 als Träger getarnten einheimischen Soldaten von der nigerianischen Küstenstadt Calabar auf – obwohl ihm von dem "Selbstmordkommando" eindringlich abgeraten wird. Auch Ovonramwen, der König ("Oba") Benins, hat um eine Verschiebung des angeblichen Besuchs gebeten: In Obas Palast findet um diese Zeit ein Fastenritual statt.
Als der Gesandte des Empires trotzdem loszieht, steht für den Oba dessen feindselige Absicht fest: Seine Truppen legen Phillips Tross einen Hinterhalt, entdecken die Waffen im Gepäck und töten die meisten Eindringlinge, unter ihnen Phillips. Als die Kunde von dem "Massaker" in London eintrifft, stellt die Kolonialmacht umgehend eine 1200-köpfige "Strafexpedition" zusammen, die sich zwei Monate später bis nach Benin City vorgekämpft hat. Sie stürmt und schleift die Stadt, deren Erdwälle sich über 16000 Kilometern erstreckten und eine Zeit lang als längstes Bauwerk der Welt galten, nimmt den Oba gefangen und rafft alle ...

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