EHC Freiburg

Ex-Eishockeyprofi Dany Bousquet trägt im Breisgau Pakete aus

dpa/kh

Von dpa & Karl Heidegger

Di, 22. Dezember 2020 um 07:03 Uhr

Südwest

"A-O-E – Dany Bousquet": So haben Freiburger Eishockeyfans einst ihren Torjäger gefeiert. Nun arbeitet Dany Bousquet im Breisgau für die Post. Eine große Umstellung?

Früher rauschte er auf Kufen übers Eis, heute legt er in seinem Job täglich rund 15 Kilometer zu Fuß zurück: Ex-Eishockeyprofi Dany Bousquet stellt jetzt Briefe und Pakete zu. "Man bleibt definitiv fit mit der Arbeit", sagt der 47-jährige gebürtige Kanadier an einem grauen Dezembertag auf seiner Tour durch sein Zustellgebiet im Breisgau.

"Man kann nicht das ganze Leben lang Eishockey spielen." Dany Bousquet
Bousquet spielte in diversen Teams auf zwei Kontinenten. Mit drei Jahren stand er in Kanada zum ersten Mal auf dem Eis. Seine Profikarriere begann 1995 in Nordamerika. Bis 2002 spielte er dort, dann kam er nach Europa, wo er unter anderem beim EHC Freiburg und bei den Kassel Huskies unter Vertrag genommen wurde. In der Ersten Liga in Österreich wurde er 2006 zum besten Torschützen gekürt. Legendär ist der Wutausbruch seines damaligen Trainers Greg Holst, der sich über eine Schiedsrichterentscheidung echauffierte, welche Bousquet um einen Penaltyschuss brachte.

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Auch sein Freiburger Jahr war von einer herausragenden Statistik geprägt: 2003/04 traten die Wölfe in der Eliteliga DEL an und stiegen zwar gleich wieder ab, aber mit 33 Toren und 25 Vorlagen in 54 Partien war Bousquet nicht nur Topscorer der Breisgauer, sondern auch einer der besten Goalgetter der gesamten Liga. Im Januar 2009 kehrte der in Montreal geborene Stürmer noch einmal für eineinhalb Spielzeiten zum Wolfsrudel zurück. Im Breisgau fand der Kanadier zudem sein privates Glück – weswegen er auch nach seinem Karriereende vor den Toren Freiburgs lebt.

2010 verletzte sich Bousquet am Knie und beendete seine Karriere. "Irgendwann muss man was anderes machen. Man kann nicht das ganze Leben lang Eishockey spielen", sagt Bousquet – und man meint, ein leises Bedauern aus seinen Worten herauszuhören.

Nach seinem Aus beim Eishockey arbeitete Bousquet erst im Schichtdienst, dann bei einer Montagefirma, was ihm lange Abwesenheiten von seiner Frau und seinen beiden Töchtern aufbürdete. Bei der Post sei er nun seit fünf Jahren und zufrieden mit dem Job, sagt Bousquet – vielleicht auch, weil er einige Parallelen zu seinem Sportlerleben sieht.

"Man ist immer in Kontakt mit Leuten", erzählt er. Das sei wichtig bei der Paketzustellung, etwa um zu wissen, wo er die Päckchen ablegen könne. Und weil er als Vertretung arbeite, mit ständig wechselnden Einsatzgebieten, müsse er auch flexibel bleiben – so wie damals bei seinen häufig wechselnden Teams.

"Meine Karriere war mein ganzes Leben." Dany Bousquet
Der Wechsel vom Profi-Sport zum neuen Job bedeutete eine große Umstellung. "Meine Karriere war mein ganzes Leben", sagt der 47-Jährige. Sich neu zu orientieren sei nicht ganz leicht gewesen. Aber das Geld aus der Profi-Zeit habe nicht auf Dauer gereicht – wobei das nicht der einzige Grund für seinen Arbeit bei der Post sei: "Ich kann nicht nur daheim bleiben und rumsitzen. Ich bin lieber draußen und bewege mich." Das Paketetragen sei ein wahres Krafttraining. "Eishockey hat mir den Vorteil gegeben, dass ich fit bin."

Die Menschen, die Bousquet mit Briefen und Päckchen beliefert, wüssten meist nichts von seiner Sportler-Vergangenheit, sagt der Kanadier. Dem Eishockey ganz den Rücken gekehrt hat er aber nicht: Vor Corona habe er sich einmal pro Woche mit seinen alten EHC-Kollegen zum Spielen auf dem Eis verabredet. Und erst in diesem Jahr kam die Krönung seiner Karriere: Die nordamerikanische East Coast Hockey League nahm Bousquet wegen seiner eindrucksvollen Torbilanz in ihre Hall of Fame auf.

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