Leeds United

Ex-SC-Spieler Robin Koch: "Das Tempo ist höher"

René Kübler

Von René Kübler

Mi, 24. Februar 2021 um 13:29 Uhr

SC Freiburg

Robin Koch wechselte im vergangenen Sommer vom SC Freiburg nach Leeds United. Im Interview spricht der 24-Jährige über England, seine Verletzung, Corona und den SC Freiburg.

Im vergangenen Sommer hat Robin Koch den SC Freiburg Richtung England verlassen. Bei Premier-League-Aufsteiger Leeds United wurde der Nationalspieler sofort zur Stammkraft. Aktuell muss der 24-jährige Innenverteidiger nach einer Knie-Operation pausieren. Im Stau von Leeds, auf dem Weg zurück vom Trainingsgelände nach Hause, fand Koch Zeit für ein ausführliches Telefongespräch mit René Kübler. Die Themen: sein neues Leben in England, speziell in der Corona-Krise; ein Rückblick auf die Freiburger Zeit – und ein Ausblick Richtung EM.

BZ: Herr Koch, nach einer Knie-Operation sind Sie aktuell noch nicht spielfähig – und weit weg von zu Hause. Und das alles inmitten der Corona-Pandemie. Wie gehen Sie als junger Mensch damit um?

Robin Koch: Es ist schon ein bisschen unglücklich. Grundsätzlich sind Verletzungen für einen Fußballer nie einfach, auch wenn sie zum Beruf dazugehören. Aber ich bin einer, der positiv bleibt. Natürlich ist es besonders schwierig, verletzt zu sein, wenn man gerade in ein neues Land gekommen ist. Normalerweise wären Freunde oder meine Familie zu Besuch gekommen. Mal was Essen gehen, einen Kaffee trinken. Das wären schöne Ablenkungen gewesen. Aber es geht ja vielen Menschen auf der Welt momentan so. Deswegen will ich nicht klagen. Ich konnte zumindest jeden Tag zum Training fahren und an meinem Comeback arbeiten.

BZ: Wie muss man sich Ihr Leben in England aktuell vorstellen?
Koch: Relativ langweilig. Jeden Tag Reha und Training, drüber hinaus gibt es leider nicht viel zu erzählen.

BZ: Versuchen Sie’s trotzdem, bitte.

Koch: Ich fahre jeden Morgen zum Vereinsgelände, um zu trainieren, habe dort Behandlungen. Dann fahre ich wieder nach Hause. Gut ist, dass wir vom Verein ein Mittagessen bekommen. So muss ich nicht kochen. Ich bin dann relativ viel in Kontakt mit meinem Freunden, telefoniere, wir spielen online zusammen auf der Playstation. Natürlich spreche ich auch mit meiner Familie. Wir würden uns gerne mal wiedersehen. Oft mache ich zu Hause dann noch eine zweite Trainingseinheit. Viel dreht sich tatsächlich um meine Reha.

BZ: Zu Hause bedeutet?

Koch: Zum Glück konnte ich vor dem Lockdown noch eine Wohnung finden. Das ist schon besser, als im Hotel zu sein, man fühlt sich eben zu Hause. Zumal das Hotel, in dem ich anfangs war, inzwischen auch schließen musste.

BZ: Können Sie uns überhaupt etwas erzählen über Leeds. Den Verein United kennen womöglich viele, die Stadt vermutlich eher wenige.

Koch: Zum Glück war in ersten Wochen hier noch alles offen. In dieser Zeit hatte ich auch Besuch von Freunden. Grundsätzlich bin ich positiv überrascht von der Stadt, auch vom Essen hier, das besser ist als sein Ruf. Ich freue mich sehr auf das normale Leben hier.

BZ: Wie war das, als Sie neu in England waren – und dann gleich im ersten Spiel in Liverpool an der berühmten Anfield Road auf dem Platz standen.

Koch: Neues Land, neue Liga und dann gleich so ein Spiel. Hätten noch Zuschauer dabei sein können, es wäre perfekt gewesen. Aber auch so war es ein wahnsinniges Gefühl, dort aufzulaufen.

"Vom Spielstil geht es schneller von Tor zu Tor, es wird weniger quergespielt als in Deutschland, das Tempo ist höher."

BZ: Wie fühlt sich die Premier League an im Vergleich zu Deutschland?

Koch: Auf die Fans freue ich mich natürlich sehr. Hier trifft man gefühlt alle drei Spiele auf eine Top-Mannschaft als Gegner. Und man weiß eigentlich nie so richtig, wer Meister wird, weil sich die besten Klubs wöchentlich abwechseln an der Spitze. Das ist in Deutschland ja in aller Regel nicht so. Vom Spielstil geht es schneller von Tor zu Tor, es wird weniger quergespielt als in Deutschland, das Tempo ist höher. Zumindest empfinde ich es so.
Robin Koch

Der inzwischen 24-jährige Defensivakteur wurde in Kaiserslautern geboren, als sein Vater Harry beim FCK in der Bundesliga spielte. Mit fünf Jahren begann Koch junior, Fußball zu spielen. Nach nur 27 Zweitligaspielen für Kaiserslautern wechselte er 2017 für 3,5 Millionen Euro zum SC Freiburg. Im Oktober 2019 bestritt er gegen Argentinien sein erstes von bislang sieben A-Länderspielen. Im Sommer 2020 ging Koch für geschätzte 13 Millionen Euro Ablöse zu Leeds United.

BZ: Sie haben inzwischen gegen einige Starangreifer gespielt – in England sind nochmal einige dazugekommen. Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Koch: Mir macht es grundsätzlich Spaß, gegen diese besonderen Angreifer zu spielen. In Deutschland habe ich es ja schon mit Lewandowski und Haaland zu tun bekommen. In der Premier League kamen natürlich noch einige dazu. Ich möchte da auch niemanden herausheben. Aber klar, gegen die Drei von Liverpool zu spielen (Salah, Mané, Firminho, Anm. d. Red.) hatte schon was. Das war zuletzt ja mit das Beste, was es in Europa gab.

BZ: In Leeds haben Sie einen besonderen Trainer: Vielen gilt Marcelo Bielsa als Vorbild, auch Ihr Ex-Coach Christian Streich hat schon von ihm geschwärmt. Was ist Bielsa für ein Coach?

Koch: Er hat unglaubliches Fachwissen. Das ist der Grund, warum so viele andere Trainer von ihm schwärmen. Wie der die Gegner analysiert, sie auseinandernimmt. Das fasziniert seine Kollegen. Es kommt nicht von ungefähr, dass selbst Pep Guardiola beeindruckt ist von Marcelo Bielsa.

BZ: Und wie ist Bielsa im Vergleich zu Christian Streich?

Koch: Sie sind schwierig, zu vergleichen. Beide sind besondere Trainer. Christian Streich ist vielleicht noch eine Nummer emotionaler, gerade am Spielfeldrand.

"Christian Streich ist vielleicht noch eine Nummer emotionaler, gerade am Spielfeldrand."

BZ: Wie blicken Sie heute auf Ihre Zeit in Freiburg zurück?

Koch: Ich habe mich in Freiburg immer wohlgefühlt, habe viele Freunde gefunden, auch abseits der Fußballs. An meine Zeit dort werde ich immer gerne zurückdenken. Das wusste ich aber schon, als ich weggegangen bin. Trotzdem war es für mich wichtig, den nächsten Karriereschritt zu gehen.

BZ: Zu welchen Ex-Kollegen haben Sie noch Kontakt?

Koch: Zu ganz vielen. Vor dem SC-Spiel gegen Union habe ich noch mit Vincenzo Grifo telefoniert. Auch mit Janik Haberer, Mark Flekken und Christian Günter bin ich im stetigen Austausch. Und mit Amir Abrashi, auch wenn er jetzt beim FC Basel spielt.

BZ: Überrascht es Sie, dass der Sportclub erneut eine so stabile Saison spielt?
Koch: Nein. Es kann immer mal wieder eine Saison geben, in der es knapp wird. Aber das ganze Gerüst des Vereins ist so stabil, dass man sich da keine Sorgen machen muss.

BZ: Würden Sie anderen jungen Spielern empfehlen, ebenfalls den Weg SC Freiburg zu gehen?

Koch: Natürlich kommt es immer auch auf den Spielertyp an. Aber der Sportclub hat es in den vergangenen Jahren stets verstanden, junge Spieler zu holen und diese bestmöglich weiterzuentwickeln. Das Umfeld muss stimmen – und das ist in Freiburg der Fall.

BZ: Es gibt ja noch einen Freiburger, der in Ihrer Karriere eine Rolle spielt: Joachim Löw. Hat sich der Bundestrainer mal gemeldet?

Koch: Klar. Die Probleme mit meinem Knie waren schon bekannt, als ich zuletzt bei der Nationalmannschaft war. Von daher wussten alle und auch er Bescheid. Nach meiner Operation hat sich Joachim Löw dann gemeldet. Wir sind im Austausch.

"Das Umfeld muss stimmen – und das ist in Freiburg der Fall."

BZ: Im Sommer soll die EM stattfinden: Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass es klappt? Und die, dass Sie dabei sein werden?

Koch: Ich hoffe natürlich, dass die EM dieses Jahr stattfinden kann. Wie es mit Corona weitergeht, weiß ich nicht. Für mich selbst würde jedenfalls ein Riesentraum in Erfüllung gehen, wenn ich dabeisein dürfte, das ist mein klares Ziel. Ich hoffe, dass ich schnell wieder fit werde und mich mit guten Leistungen empfehlen kann. Ich bin schon wieder auf dem Platz mit dem Reha-Trainer. Das ist ein gutes Gefühl. Jetzt muss sich zeigen, wie das Knie reagiert. Ich hoffe, Mitte Ende März wieder spielen zu können.