Hinterzarten

Experte zu Wassermangel im Schwarzwald: Region ist stark betroffen

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Mi, 30. Oktober 2019 um 14:38 Uhr

Hinterzarten

Wulf Westermann ist Experte für Wassereffizienz. Im Interview erklärt er, wo der Südschwarzwald am meisten unter Trockenheit und Wassermangel betroffen leidet – und was zu tun ist.

Ausgetrocknete Böden, sinkende Wasserpegel: Nicht nur Kommunen im Südschwarzwald stehen vor der Frage, wie sie ihre Wasserversorgung sicherstellen können. Um Antworten zu finden, lädt der südbadischen Energiewende- und Klimaschutzverein Fesa gemeinsam mit der Energieagentur Regio Freiburg zum Kongress "Trockenheit und Wassermangel als Folge des Klimawandels" am Mittwoch, 13. November, in Hinterzarten ein. Susanne Gilg hat mit Wulf Westermann, Projektleiter eines Wassereffizienzprojekts bei Fesa, über den Wassermangel gesprochen.

BZ: Vor allem in den vergangenen beiden Sommern sind im Schwarzwald viele Quellen ausgetrocknet. Manche Gebäude im Außenbereich, die nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, haben daher ein richtiges Problem. Wie kann hier künftig geholfen werden, was müssen Kommunen hier tun?
Westermann: Viele Außenlagen, die auf Quellschüttungen angewiesen sind, waren insbesondere im letzten Jahr in echten Schwierigkeiten. Hier besteht eventuell die Möglichkeit, die existierenden Quellen zu optimieren oder zu sanieren und damit die Wasserflüsse zu verbessern, was in vielen Kommunen bereits umgesetzt wird. Dort, wo dennoch Probleme bestehen oder die Optimierung aufgrund des damit verbundenen großen Aufwands und der hohen Kosten nicht zeitnah ermöglicht werden kann, transportieren Landwirte und Kommunen das Wasser per Wasserlastwagen zu den notleidenden Bereichen und Betrieben.

BZ: Das klingt aufwendig...
Westermann: Ja, sicherlich eine sehr aufwendige und nur zur Überbrückung tragbare Variante. In einigen Fällen mussten Landwirte ihr Vieh reduzieren oder abgeben, da neben der Wasserversorgung auch die Ernährung mit Grünfutter trockenheitsbedingt nicht gewährleistet werden konnte. Diese Problematik betraf nicht nur die Landwirte, sondern an der ein oder anderen Stelle auch das Gastgewerbe und Betriebe in Außenlagen, die ihre Gäste nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgen konnten.

BZ: Sie beschäftigen sich auf einem Kongress im Kurhaus in Hinterzarten mit dem Wassermangel im Südschwarzwald – welche Regionen sind besonders betroffen?
Westermann: Ich denke, es sind nicht speziell die Regionen, die hier den großen Unterschied machen, sondern die Lage der Kommune oder des Betriebs zu ihrer Wasserversorgung. Von wo kommt das Wasser? Aus wie vielen Quellen erfolgt die Versorgung? Wie ist die Topographie und wie sind insbesondere die Höhenunterschiede, die überwunden werden müssen? Hier ist dann unter Umständen kosten- und infrastrukturintensive Pumpleistung gefordert. Auch sind Südhanglagen natürlich stärker von solchen Hitze- und Trockenheitsperioden betroffen als Quellen am Nordhang.

BZ: An wen richtet sich der Kongress?
Westermann: Zielgruppen sind die politisch und fachlich zuständigen Personen in den Kommunen. Bei den mittelgroßen bis kleinen Gemeinden im Schwarzwald sind dies insbesondere die Bürgermeister sowie die für die Wasserversorgung verantwortlichen Wassermeister, sicher auch die Gemeinderäte. Für entsprechende Ansprechpartner bei den Landratsämtern, beim Regierungspräsidium und in den Ministerien des Landes als übergeordnete Instanzen ist eine Teilnahme ebenfalls von Interesse, insbesondere um die Notlagen der Kommunen ganz konkret in der Region entsprechend einordnen zu können. Zudem sind alle Bürger zur Teilnahme eingeladen.
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BZ: Laut einem Gutachten der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg ist der Südschwarzwald besonders stark von klimabedingten Trockenereignissen betroffen. Was sind die Gründe dafür?
Westermann: Bereits die aktuelle Situation und auch die Projektionen für die Zukunft zeigen, dass sich die Niederschläge vermehrt von den Sommermonaten in den Winter verschieben.

BZ: Welche Auswirkungen hat das?
Westermann: Das heißt, dass sie sich nicht unbedingt in ihrer Gesamtheit, sondern saisonal verändern. Dadurch sind die schon jetzt oft trockenen Sommer und damit die warmen Vegetationsperioden, in denen viel Wasser sowohl von den Betrieben als auch von den Bürgerinnen gebraucht wird, verstärkt von der Wasserknappheit betroffen. Viele Lagen im Südschwarzwald, die über Quellen versorgt sind, haben die Situation, dass während der Trockenperioden vielfach die Schüttung der Quellen aufgrund schnell auslaufender Speicher stark abnehmen. Diese Kombination ist möglicherweise einer der Gründe für die starke Betroffenheit der Region.

BZ: Auf die ländlichen Kommunen kommen in Sachen Wasser erhebliche Kosten zu, die die oft klammen Gemeinden wahrscheinlich nicht alleine stemmen können. Welche Lösungsansätze gibt es hier? Sind Verbünde ein Ansatz?
Westermann: Die Kosten sind in allen Gesprächen mit den Gemeindevertretern ein ganz zentrales Thema. Gerade die kleineren Kommunen haben meist lange und aufwendige Netze bei geringer Einwohnerzahl zu unterhalten. Dementsprechend sind allein die Instandhaltungskosten hoch und sorgen für vergleichsweise hohe Wasserpreise bei den Bürgern. Ein zusätzlicher Ausbau zur Erschließung der Außenlagen oder zur Vernetzung mit Nachbarkommunen ist selbst mit den heute existierenden Förderungen kaum zu stemmen. Trotzdem sind natürlich Verbünde – wo möglich – anzustreben, da hier Redundanzen geschaffen werden können und sich die Kommunen in Zeiten von Wasserknappheit gegenseitig aushelfen und absichern können. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Anlage von Tiefbrunnen und Hochbehältern. Diese Möglichkeiten werden bereits genutzt, sind aber auch nicht überall die Lösung.
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BZ: Was kann jeder Einzelne tun?
Westermann: Der bewusste und sparsamere Umgang mit der Ressource Wasser kann die Situation entschärfen. Insbesondere in Zeiten extremen Wassermangels wie 2018 muss der Rasen am Haus nicht Golfplatzqualität haben, das Auto darf auch einmal nicht glänzen. Auch Gärten können klimaangepasst eingerichtet werden. Wassersparende Technik im Haushalt und in der Wirtschaft sollten sich zur Selbstverständlichkeit entwickeln.

Wulf Westermann (Jahrgang 1964) betreut für den Verein Fesa als Projektleiter das vom Bundesumweltministerium geförderte Wassereffizienzprojekt IWaN (Einrichtung eines interkommunalen Netzwerks zur Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen an klimawandelbedingte Trockenereignisse im Naturpark Südschwarzwald). Darüber hinaus ist er Geschäftsführer des Instituts für Fortbildung und Projektmanagement (ifpro). Der promovierte Biologe leitet bei ifpro den Fachbereich Klimaschutz und Klimaanpassung.
Der Kongress

Auf dem Fachkongress "Trockenheit und Wassermangel als Folge des Klimawandels" werden am Mittwoch, 13. November, ab 9 Uhr im Kurhaus Hinterzarten unter anderem Professor Hartmut Fünfgeld und Professorin Kerstin Stahl von der Universität Freiburg über die globalen und regionalen Folgen des Klimawandels informieren und Bürgermeister die kommunale Perspektive erläutern. Die Abschlussdiskussion beginnt um 16.15 Uhr. Programm und Anmeldung bis Sonntag, 3. November, unter https://meldemichan.de/wassereffizienzkongress; die Teilnahme kostet 60 Euro.