Zu wenige Jugendliche schützen sich

dpa

Von dpa

Mi, 09. Oktober 2019

Panorama

Gefahr Gebärmutterhalskrebs.

HEIDELBERG (dpa). Viel mehr Heranwachsende sollten sich aus Sicht von Experten gegen krebserregende Papillomviren (HPV) impfen lassen. Die Impfquote von 31 Prozent (2015) bei den 15-Jährigen in Deutschland sei im Vergleich der Industrieländer gering; sie müsse innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 70 Prozent wachsen. Dies forderten Experten aus Gesundheitswesen, Forschung und Politik am Dienstag als Ergebnis des "Runden Tisches zur Ausrottung HPV-assoziierter Krebserkrankungen". Dazu hatte das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) eingeladen.

Die Impfung ist als Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bei Frauen bekannt, wird aber seit 2018 auch Jungen empfohlen. Die Erreger werden sexuell übertragen. Bei den Jungen verringert die Impfung die Wahrscheinlichkeit, an Anal-, Penis-, Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Die Impfung wirkt am sichersten vor dem ersten Sexualkontakt, wird aber von Experten auch danach noch empfohlen. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland nach Berechnungen des DKFZ 7700 Menschen an Krebsarten erkrankt, die auf eine Infektion mit humanen Papillomviren zurückzuführen sind. Darunter sind fast 4000 Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Allein an dieser Krebsart sterben jährlich 1500 Frauen. Durch die HPV-Impfung ließe sich den Angaben zufolge ein Großteil der Tumore verhindern. In Australien und Skandinavien liegen laut DKFZ die Impfquoten bei 80 Prozent. In Deutschland zeigen sich regionale Unterschiede. In Ostdeutschland werden laut Robert-Koch-Institut Quoten bei 15-jährigen Mädchen von 60 Prozent erreicht, in Baden-Württemberg von 35 Prozent.